Neue Batterie-Vorgaben bei Eurowings und Lufthansa schließen E-Rollstuhlfahrer vom Flug aus
Elektrorollstuhl-Fahrer Bastian Krösche kann aufgrund von restriktiven Richtlinien zur Beförderung von Lithium-Batterien nicht mehr ohne Weiteres auf die Insel und fühlt sich von der Lufthansa Group diskriminiert. Und damit ist er nicht alleine

Bastian Krösche hat bei Flugreisen mit seinem E-Rollstuhl schon einiges erlebt. / Privat
Wann Bastian Krösche wieder von Nürnberg aus auf seine Lieblingsinsel fliegen kann, ist unklar. Der Medienunternehmer ist aufgrund einer fortschreitenden Muskelschwäche (Spinale Muskelatrophie Typ II) auf einen Elektrorollstuhl sowie ein 24-Stunden-Assistenz-Team angewiesen. Bisher konnte er, bis auf einen Zwischenfall, relativ problemlos mit Eurowings nach Mallorca fliegen. Nun haben Richtlinien, die seit Herbst 2025 bei der Lufthansa Group, also auch Eurowings, gelten, Krösche einen Strich durch die Mallorca-Pläne gemacht: „Ab 1. Oktober 2025 gilt aus Gründen der Sicherheit für Rollstühle mit fest verbauten/nicht abnehmbaren Lithium-Batterien ein Limit von maximal zwei Batterien mit bis zu maximal 160 Wattstunden je Batterie“, heißt es auf der Website von Eurowings. Damit sind viele Passagiere mit modernen, leistungsstarken E-Rollstühlen faktisch von der Beförderung mit der Fluggesellschaft ausgeschlossen. Krösches Modell „New Live Magix 2“ zum Beispiel hat eine Leistung von 1.550 Wattstunden. Damit liegt er deutlich über den Grenzwerten, die bei Eurowings gelten.

Für alle, die wie Bastian Krösche auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind, wird das Fliegen zur Herausforderung. / Privat
Weniger restriktive Richtlinien der IATA
Worüber er und andere E-Rollstuhlfahrer sich ärgern: Die aktuellen Richtlinien des internationalen Luftverkehrsverbands (IATA, International Air Transport Association) bezüglich Lithium-Batterien und der Mitnahme von E-Rollis sind deutlich weniger restriktiv. Laut ihnen muss die Lithium-Batterie einem Typ entsprechen, der die Tests nach dem „UN Manual of Tests and Criteria, Part III, subsection 38.3“ erfüllt. Die UN-38.3-Konformität kann man laut Krösche einfach per Zertifikat vom Hersteller nachweisen. Bei eingebauten Batterien, die zusammen 300 Wattstunden überschreiten, müssten die Airlines laut IATA nur zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen prüfen, etwa feuerfeste Transportbehälter oder Abdeckungen. Alternativ könnten Batterien auch auf 25 Prozent oder weniger entladen werden, lautet eine weitere Lösung der IATA.
Passagiere sollen mit anderen Fluggesellschaften fliegen
Krösche hat während der vergangenen Monate mehrmals bei der Lufthansa Group nachgefragt. Die Antwort in Kurzform: Sie wollen seinen E-Rolli nicht mitnehmen. Ausnahmen bestünden nur für Rollstühle, die vor dem 1. September 2025 angemeldet wurden für Reisen nach dem 1. Oktober 2025. Alternativ könne aber ein anderer Rollstuhl, der den geltenden Richtlinien entspreche, transportiert werden, wie man in dem E-Mail-Verlauf liest. „Ebenso besteht für betroffene Passagiere die Möglichkeit, Flüge außerhalb der Lufthansa Group zu buchen, sofern dort andere Regelungen gelten“, heißt es weiter.
Sicherheit habe für die Airline oberste Priorität, heißt es gegenüber der MZ auf eine E-Mail-Anfrage zu Krösches Fall und dem anderer Rollstuhlfahrer. Die Entscheidung basiere auf einer umfassenden Risikobewertung und technischen Analysen der Gruppe. Lithium-Batterien seien Gefahrgüter, „da sie bei Beschädigung oder unsachgemäßer Behandlung einen schwer zu löschenden Brand auslösen können. Dies gilt insbesondere bei hohen Wattstundenzahlen. Sowohl im Passagiergepäck als auch im Frachtgut sind Lithium-Batterien in ihrer Kapazität bereits durch IATA- und ICAO-Vorgaben (International Civil Aviation Organization, Anm. d. Red.) beschränkt“, lautet die ausführlichere Rechtfertigung.

Will endlich wieder auf seine Lieblingsinsel: Bastian Krösche. / Privat
Sicherheitsrisiko
Auf die Frage, warum der Rollstuhl nicht in feuerfestem Material transportiert oder die Batterie entladen werden könnte, schreibt die Sprecherin: „Für die Nutzung feuerfester Container existiert derzeit keine international einheitliche Zertifizierung. Die Entladung einer Batterie ist nicht standardisiert und in der Praxis im operativen Betrieb nur schwierig umsetzbar.“ Eine große Lithium-Batterie mit 25 Prozent stelle daher immer noch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
„Dass die Airlines letztlich ihre eigenen Bestimmungen festlegen und nicht die IATA-Vorgaben umsetzen, ist legal, es schließt aber Tausende von Menschen von der Flugreise aus“, kritisiert Krösche, der sein Anliegen als Aktionär der Lufthansa Group sogar kürzlich bei der Hauptversammlung in Frankfurt vorgetragen hat. Die Antwort: ernüchternd. Der 41-Jährige wirft den Airlines nun vor, dass sie Passagiere wie ihn mit vorgeschobenen Sicherheitsaspekten ausschließen, weil ihre Abfertigung aufwendiger ist als bei anderen.
Rotes Tuch Elektrorollstuhl
Dass selbst einfachere, leistungsschwächere E-Rollstühle für viele Airlines ein „rotes Tuch“ sind, weiß auch Jenny Bießmann von akse, einem Verein mit Sitz in Berlin, der unabhängige Beratung für ein selbstbestimmtes Leben anbietet. „Fast immer sind die Batterien das Problem“, sagt die 39-Jährige. In manchen Fällen seien die Rollstuhlfahrer aber auch selbst schuld, da sie die Mobilitätshilfe nicht richtig anmelden würden.
Bießmann lebt ebenfalls mit Spinaler Muskelatrophie und reist regelmäßig durch die Welt. „Mein Rollstuhl hat keine Lithium-Batterie, sondern eine Gel-Batterie“, sagt sie. Obwohl die Daten ihrer Batterie weit unter den für diesen Typ geltenden Grenzen liegen, muss auch sie immer wieder mit dem Flughafen- und Fluggesellschaften-Personal diskutieren. „Sie sehen den Rollstuhl, hören ‚Batterie‘, dann bist du erst einmal auf Rot.“ Es sei auch egal, wie viele Informationen zum Rollstuhltypus, dem Gewicht oder der Wattzahl der Batterien man vorab angegeben habe. „Am Flughafen wird alles erneut abgefragt“, so ihre Erfahrung.
Viel Durchsetzungsvermögen notwendig
Dann gelte es viel Durchsetzungsvermögen zu beweisen. Im Schnitt dauere es eine halbe Stunde, bis sie grünes Licht bekäme. Dabei sei es egal, ob man mit einer Billigfluglinie oder einer teureren fliege. „Mein Rekord liegt bei 90 Minuten. Auf dem Flug, der von Frankfurt aus über Warschau nach Singapur gehen sollte, habe ich erst zehn Minuten vor Abflug das Go bekommen“, so die Aktivistin. Seit der Pandemie sei es deutlich schwerer, mit einem Elektrorollstuhl zu fliegen. „Es ist nicht nur immer wieder super anstrengend, sondern auch traurig: Wir wollen in den Urlaub fliegen, aber müssen uns vorbereiten wie auf einen Riesenkampf, weil wir immer die Sorge haben: Werden wir wirklich mitgenommen?“
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