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Ab 10 Uhr keine Liegen mehr: Wie der neue Konzessionär die Playa de Palma verändert

Der Strandabschnitt hat einen neuen Betreiber, der sich um die Bewirtung des Strandes kümmert. Zeit für eine erste Bilanz

Die Sonnenschirme haben nun Schließfächer für die Wertsachen. Genutzt werden diese bislang aber kaum.  | FOTO: NELE BENDGENS

Die Sonnenschirme haben nun Schließfächer für die Wertsachen. Genutzt werden diese bislang aber kaum. | FOTO: NELE BENDGENS / Nele Bendgens

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Ralf Petzold

Ralf Petzold

Dafür, dass Mario eigentlich nicht reden wollte, spricht er nun ziemlich viel. 38 Jahre lang sei er bereits als Wächter der Liegen und Sonnenschirme an der Playa de Palma im Einsatz. Nur ein Kollege von ihm hat ein Jahr mehr auf dem Buckel. Seit dieser Saison arbeitet der Mann mit der Sonnenbrille und dem kugelrunden Bauch für den neuen Konzessionär Marportsunbeach. „Eigentlich ist alles wie immer“, sagt Mario. Und irgendwie dann doch alles anders und besser.

Seinen richtigen Namen möchte Mario nicht in der Zeitung lesen. Einerseits sei er nicht der Schichtleiter, der Auskünfte geben darf, sagt der Mann mit der Aufschrift „Inspector“ auf seinem T-Shirt. Andererseits habe er in den vergangenen Monaten so oft gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Mar de Mallorca geschossen, dass er nun etwas aus dem Rampenlicht zurücktreten möchte. „‚Das ist so, das tust du jetzt‘, lauteten die Vorschriften früher. Heute dürfen wir mitbestimmen“, sagt er. Zum Beispiel wenn es um die exakte Verteilung der Strandliegen geht. Der neue Betreiber Marportsunbeach hat den Angestellten zudem Fahrräder gestellt, um zwischen den einzelnen Balnearios hin und her radeln zu können.

Das Ende des Liegenbereichs ist mit einem Schild gekennzeichnet.

Das Ende des Liegenbereichs ist mit einem Schild gekennzeichnet. / FOTO: NELE BENDGENS

Vertrag ausgelaufen

Der Vertrag des langjährigen Konzessionärs Mar de Mallorca war vergangene Saison endgültig ausgelaufen. „Den ganzen Winter über haben wir gebangt, weil es unklar war, wie es weitergeht“, sagt Mario. Die Angestellten hatten sogar Klage gegen ihren früheren Arbeitgeber und das Rathaus Palma eingelegt. Erst Mitte März, zwei Wochen vor Beginn der Strandsaison, stand mit Marportsunbeach der neue Konzessionär fest. Es ist ein Big Player im Gastro- und Strandgeschäft auf der Insel, betreibt unter anderem das ehemalige Café del Sol (heute Amê) und das Anssia am Strand Can Pere Antoni in Palma. Die Belegschaft zog die Klage zurück.

Vier Abschnitte

Die Playa de Palma ist hinsichtlich der Liegen in vier Abschnitte unterteilt. Die umfassen je drei bis vier Balnearios. Marportsunbeach verleiht Liegen, Sonnenschirme, bietet aber auch Aktivitäten auf dem Wasser wie die übliche Bananenbootfahrt an. Das Rathaus Palma schrieb zudem vor, die Anzahl an Liegen von 6.000 auf 4.436 und die der Schirme von 2.503 auf 2.218 zu reduzieren.

Zehn statt sechs Euro

Die Stadt argumentierte mit Beschwerden von anderen Strandbesuchern, die neben dem bewirteten Bereich kaum noch Platz finden, und dem allgemeinem Sandschwund an den Stränden. Mit der Reduzierung stieg der Preis je Liege von sechs auf zehn Euro. Wer einen Schirm oder eine zweite Liege dazu haben möchte, zahlt noch einmal zehn Euro obendrauf. Für 75 Euro am Tag wird es künftig zwei VIP-Liegen mit Schirm geben. „Die sind gemütlicher“, sagt Mario, „kommen aber erst in ein paar Tagen.“

Aus Sicht des Liegenverleihers gibt es derzeit noch keinen Handtuchkrieg. „Im September ist es schlimmer, wenn die Kegelclubs kommen“, sagt er. Beim MZ-Besuch am Freitagmittag (22.5.) sind am Balneario 6 jedoch alle Plätze belegt. Einige Urlauber flüchten sich bereits mangels Alternative ohne Liege in den Schatten der Schirme. „Spätestens um 10 Uhr sind alle vergeben“, sagt Peter aus Bayern, der sich mit seiner Gruppe zwei Liegen ohne Schirm sichern konnte. „Außer es regnet.“ Seit 30 Jahren komme er hier an den Strand. Dass der Wechsel des Konzessionärs etwas verändert habe, bemerke er nicht. „Die Liegen haben eine andere Farbe, sind ansonsten aber die gleichen Modelle.“ Verleiher Mario hatte gegenüber der MZ noch die verstellbaren Rückenlehnen hervorgehoben. „Das ging auch früher schon“, sagt Peter.

Die Preisliste.

Die Preisliste. / Bendgens

Das ist neu

Neu hingegen ist das Schließfach für Wertsachen am Schirm. „Ich habe aber nie gesehen, wie das jemand benutzt hat“, sagt Peter. Eine Urlaubergruppe aus Leipzig, die ebenfalls Liegen und Schirme ergattern konnte, hat den Safe noch nicht einmal bemerkt. „Was ist das?“, fragt eine junge Frau.

Bei der Vielzahl an Taschendieben an der Playa de Palma klingt das Schließfach nach einer guten Idee. „Wobei mir in dieser Saison noch kein Gauner aufgefallen ist“, sagt Mario, der dafür als Zeuge in einem Taschendiebstahl aus der Vorsaison fungiert. „Urlauber zeigten mir damals zwei junge Frauen, die Rucksäcke gestohlen haben sollen. Ich schnappte mir sie“, erzählt er. Die vermeintlichen Diebinnen hätten sich nicht gewehrt. Der Liegenverleiher ließ die Frauen bei den Urlaubern zurück, um persönlich die Polizei zu holen. Als er wenig später mit den Beamten zurückkam, war nur noch eine der beiden Frauen da.

Als inspector sei es seine Aufgabe, Probleme zu lösen. Mario ist der Mann, wenn eine Liege kaputt ist oder ein Strandbesucher nicht zahlen möchte. Das komme immer mal wieder vor. „Diskutieren bringt da nichts. Dann würde zuerst ich lauter werden, dann der Urlauber – irgendwann schreien wir uns nur noch an. Da rufe ich lieber direkt die Polizei“, sagt der Marport-Angestellte. Früher hätte es so etwas nicht gegeben. „Als 1997 der Film ‚Ballermann 6‘ rauskam, war es mit der Playa de Palma vorbei.“ Tagsüber würden sich die Leute noch an die Regeln halten, nachts aber lande der Müll direkt an der Strandpromenade, sagt Mario. „Dann ist niemand da, der aufpasst.“ Das soll sich in der kommenden Woche ändern, wenn das private Sicherheitsunternehmen voraussichtlich seinen Posten antritt.

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