Chaosflug nach Mallorca mit sechs Stunden Verspätung – überraschende Beichte einer Ryanair-Flugbegleiterin
Erst war der Flieger kaputt, dann fehlte ein Formular, zuletzt hatte die Crew keine Zeit mehr für die Mallorca-Reise

Die Passagiere des Ryanair-Flugs kamen erst in der Nacht an. / C.M.
Ein Mallorca-Flug von Berlin auf die Insel ist in der Nacht auf Donnerstag (18.6.) erst mit knapp sechs Stunden Verspätung in Palma gelandet. Während der langen Wartezeit gab es für die Passagiere weder Essen noch Getränke. "Auf Nachfrage, ob das nicht EU-Recht sei, bestätigte eine Flugbegleiterin mir, dass Ryanair die Vorschriften bewusst ignoriert", berichtet eine Leserin der MZ.
Der Flug FR 110 sollte eigentlich um 16.10 Uhr in der deutschen Hauptstadt starten. "Der Einstieg verspätete sich um 20 Minuten", so die Leserin. "Da dachte ich noch, dass das alles normal läuft." Um 16.50 Uhr rollte der Flieger los, um wenig später aber wieder zu stoppen.
Problem mit dem Flieger
"Aus dem Cockpit kam die Durchsage, dass der Pilot einen Fehler bemerkt habe", sagt die Urlauberin. Mechaniker kamen, um den Flieger zu untersuchen. "Allerdings waren sie nicht auf diesen Flugzeugtyp geschult. Der Pilot erklärte, dass andere Mechaniker kommen müssen, damit der Check ordnungsgemäß durchgeführt werden kann."
Diese Truppe hatte zuvor jedoch Nachtschicht und war gerade nicht im Einsatz. "Sie mussten aus dem Bett geklingelt werden. Eine Stunde würden sie brauchen, hieß es", so die Leserin. Die Mechaniker kamen und gaben grünes Licht. "Allerdings mussten sie noch ein Formular unterschreiben, das nicht vorrätig war."

Langes Warten am Flughafen Berlin. / Günter Wicker
Keine Zeit mehr auf der Uhr
Als der Papierkram um 20.30 Uhr endlich abgeschlossen war, bemerkte die Crew, dass ihre Arbeitszeit nicht mehr reicht, um nach Mallorca zu fliegen. "Zu dem Zeitpunkt kippte die Stimmung im Flieger. Es waren Familien mit kleinen Kindern unter den Passagieren, die alle hungrig waren", schildert die Urlauberin. Verpflegung gab es keine. Da der Flieger stand, konnte Ryanar nicht die Öfen anschalten, um Essen aufzuwärmen. Nicht mal Wasser wurde verteilt.
"Eine Gruppe an Ballermann-Urlaubern war zudem betrunken. Die Flugbegleiter nahmen ihnen eine Schnapsflasche weg. Da drohte kurzzeitig noch ein Polizeieinsatz", sagt die Leserin.
Die Crew bot als Alternative an, die Passagiere nach Wien zu bringen. "Die Besatzung war sehr nett. Sie regten sich selbst über ihren Arbeitgeber auf und meinten, dass die Zeit am Boden als ihre Freizeit gilt und nicht entlohnt wird", sagt die Urlauberin.
Sechs Stunden später da
Um 20.50 Uhr hob die Maschine endlich ab und landete eine knappe Stunde später in Wien. Dort wurde die Crew getauscht und es ging auf die Insel, wo die Urlauber um 0.30 Uhr ihr Ziel erreichten. Die EU-Verordnung sieht vor, dass Passagiere bei Flügen mit mehr als 1.500 Kilometern Distanz ab drei Stunden Verspätung kostenlose Verpflegung bekommen müssen. Sie können zudem eine Entschädigung einfordern.
Das sagt Ryanair zu dem Vorfall
Ryananir schickte der MZ am Freitag folgendes Statement.
„Dieser Flug von Berlin nach Palma de Mallorca sollte am 17. Juni um 16.10 Uhr Ortszeit starten und verspätete sich aufgrund eines geringfügigen technischen Problems am Flugzeug. Die Passagiere blieben an Bord, während Techniker das Flugzeug warteten. Während dieser Zeit öffnete die Besatzung die Bars, um den Passagieren Snacks und Erfrischungen anzubieten, deren Kosten sie unter ryanair.com erstattet bekommen können.
Dieser Flug startete um 18.55 Uhr Ortszeit und machte einen kurzen Zwischenstopp in Wien, um eine Ersatzbesatzung an Bord zu nehmen, da die ursprüngliche Besatzung ihre Dienstzeit überschritten hatte. Dieser Flug startete um 22.23 Uhr Ortszeit in Richtung Palma de Mallorca."
Die Schilderung der Airline weicht besonders bei der Abflugzeit in Berlin von der Darstellung Passagierin ab. Auf Rückfrage der MZ bekräftigt die Frau jedoch ihre Zeitangabe.
Rückerstattung der Ausgaben über die Website
Ryanair hält zudem die Aussage, „eine Flugbegleiterin habe bestätigt, dass Ryanair die Vorschriften absichtlich ignoriert“, für "unbegründet". Weiter schreibt Ryanair: "Fluggäste haben bei einer Verspätung keinen Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten. Nach 45 Minuten öffnete die Besatzung die Bordbars, damit die Fluggäste Zugang zu Snacks und Erfrischungen hatten." Fluggäste hätten Anspruch auf eine Entschädigung gemäß EU-Verordnung 261 und könnten "angemessene, durch Belege nachgewiesene Ausgaben auf ryanair.com geltend machen".
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