„Da wusste ich, das war’s“: Wenn der Mallorca-Urlaub zur Freundschaftsfalle wird
Warum gemeinsame Reisen selbst enge Freundschaften an ihre Grenzen bringen – und manche Beziehungen die Mallorca-Ferien nicht überstehen. Drei Leserinnen erzählen von ihren Erfahrungen

Da war man Jahre oder Jahrzehnte befreundet, und im Urlaub hat man sich plötzlich nichts mehr zu sagen. / ADAM KOLMACKA
Da ist man endlich im lang ersehnten Urlaub, will mit den Liebsten einfach nur eine gute Zeit haben. Am Ende aber kommt alles so ganz anders als geplant und man gelangt zur traurigen Erkenntnis: Das könnte der letzte gemeinsame Urlaub mit der Freundin gewesen sein. Drei MZ-Leserinnen erzählen von ihren Erfahrungen im Mallorca-Urlaub und dem Moment, in dem sie gespürt haben: Diese Freundschaft endet hier wohl.
Angelogen und abgezockt
Evi Müller (*Name v. d. Red. geändert) und ihr Mann waren anlässlich des 50. Geburtstags der MZ-Leserin 2018 mit Müllers Cousine und ihrer damaligen besten Freundin zum Urlaub auf der Insel. „Meine damalige Freundin hat mehrmals von meiner Cousine Geld gesammelt, um damit angeblich zum Beispiel meine Getränke oder auch mal ein Essen zu bezahlen“, erzählt die gebürtige Kölnerin. Gezahlt hätten letztlich immer Evi Müller und ihr Mann. „Es war ja auch mein Geburtstag“, fügt die MZ-Leserin hinzu. Etwa 200 Euro hätte ihre Freundin so von Müllers Cousine erbeutet.
„Einige Wochen nach dem Urlaub habe ich zufällig mit meiner Cousine über die Zeit auf der Insel gesprochen. Dabei kam dann heraus, dass meine Freundin das ganze Geld für sich behalten hat.“ Daraufhin habe Müller ihrer Freundin nach über 20 Jahren unmittelbar die Freundschaft gekündigt. „Im Lauf der letzten Jahre hatte sie mich wohl schön öfter betrogen, wie sich später herausstellte, zum Beispiel als wir gemeinsam feiern waren und sie das Geld für unsere Freundesgruppe verwaltet hat. Mein Mann hatte mich mehrmals vor ihr gewarnt, aber ich wollte es nicht wahrhaben.“
Als Müllers Cousine die Übeltäterin auf der Straße traf, gab diese die 200 Euro nach mehrmaligem Auffordern zurück. Bei Evi Müller selbst hat sich ihre einstige Freundin nicht mehr gemeldet. „Sie hat sich weder entschuldigt noch unseren gemeinsamen Freunden erzählt, warum wir gebrochen haben“, so Evi Müller, die das Ganze bis heute nicht so recht versteht. „Sie ist immer arbeiten gegangen. Ich weiß nicht, ob sie knapp bei Kasse war oder größere finanzielle Probleme hatte.“

Und plötzlich hat man sich im Urlaub so gar nichts mehr zu sagen. / Shery Arturova
Neid und unterschiedliche Freizeitgestaltung
Bei Susann ist der augenöffnende Mallorca-Urlaub fast zwei Jahre her. Eine Woche lang war sie im Herbst 2024 mit einer langjährigen Freundin in der Gemeinde Calvià im Urlaub, bewusst ohne ihre Familien. Seit ihrem 16. Lebensjahr seien die beiden Frauen laut der mittlerweile Mittfünfzigerin befreundet gewesen. „Niemand kennt mein Leben so gut wie sie und ihres so gut wie ich“, sagt Susann. Offenbar hatten die beiden Frauen ganz unterschiedliche Pläne für ihren Urlaub: Susanns Freundin war voll auf Wandern eingestellt. So kannte sie es von den Urlauben mit ihrem Partner. Susann selbst ist zwar sportlich, den ganzen Tag wandern aber sei nicht ihr Ding. „Während unseres Urlaubs galt zudem Sturmwarnung. Es hätte gefährlich werden können.“
Susann hatte ihren Lebensstil in den Jahren zuvor sehr verändert, ist sehr sportlich unterwegs und achtet sehr auf ihre Ernährung. „Dass ich etwa jeden Morgen erst einmal ins Fitnessstudio gegangen bin, ging meiner Freundin auf die Nerven. Ich brauche das aber für meine Gesundheit.“ Die Lifestyle-Veränderung machte sie auch an Susanns Figur bemerkbar. „Einmal hatte ich einen schönen Badeanzug an. Meine Freundin hat sich beschwert und meinte, dass ich ‚immer so angeglotzt‘ würde“.
Neid sei definitiv auch ein Thema gewesen. Zum großen Knall sei es auf Mallorca zwar nicht gekommen. „Ich habe aber gespürt, dass es unser letzter gemeinsamer Urlaub war. Meine Freundin war auch die ganze Zeit sehr still.“ Zum Gespräch kam es erst danach. „Meine Freundin hat mir damals gesagt, dass wir für diesen Wellnessurlaub auch in den Spreewald hätten fahren können.“ Seither herrsche, mit Ausnahme von anfänglichen trockenen Nachrichten zu Geburtstagen, Funkstille.
Am Geburtstag sitzen gelassen
Bei Mareike Wimmersdorf (Name von der Red. geändert) haben schon zweimal Freundschaften im oder nach einem Urlaub geendet, auch auf Mallorca. „Rückblickend gab es in beiden Fällen schon Vorboten. Im Urlaub wird einem aber alles klarer, da man viel Zeit zusammen verbringt.“
Im Januar 2026 war Wimmersdorf mit ihrer damals seit 15 Jahren besten Freundin Kathrin (Name v. d. Red. geändert) anlässlich ihres Geburtstags in Palma. „Da wir beide an unterschiedlichen Orten in Europa leben, sind wir oft gemeinsam verreist. Ich habe mich sehr gefreut, da wir uns schon länger nicht gesehen hatten.“
Wenige Tage vor dem Abflug hatte Kathrin ihre Flüge noch gar nicht gebucht, wollte plötzlich noch ein paar Tage dranhängen – alleine. „Das fand ich schon seltsam. Wir hatten zudem ausgemacht, dass sich jeder im Vorfeld informiert, was wir machen können. Beim Abendessen am ersten Tag habe ich gemerkt, dass sie das nicht gemacht hat. Es sei ja schließlich ‚mein Geburtstagswochenende‘.“
Mit jedem tiefen Gespräch merkte Wimmersdorf zudem, dass Kathrin und sie mittlerweile völlig andere Haltungen zum Leben und ganz unterschiedliche Werte hatten. „Ich habe mich in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt und viel an mir gearbeitet“, so Wimmersdorf.
Die Krönung kam dann zu ihrem Geburtstag: „Am Morgen hat sie mir gratuliert und wir waren in der Kathedrale. Als ich sie um 10.30 Uhr gefragt habe, was wir heute noch machen wollten, meinte sie, dass sie den Tag alleine im Spa verbringen wolle. Da ist mir bewusst geworden, dass sie unsere Freundschaft nicht so priorisiert, wie ich es mir wünsche. Und plötzlich sind mir noch so viele ähnliche Situationen eingefallen, die ich mit ihr schon erlebt hatte.“
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