Balearen-Forscher entdecken 71 neue Schneckenarten unter Wasser
Crowd-Forschung: Taucher helfen bei Uni-Projekt kleine bunte Bewohner balearischer Gewässer zu katalogisieren.

Ein Exemplar der Hinterkiemerschneckenart Thuridilla hopei. / Sebastià Pons Burguera
Da sage noch mal jemand, Wissenschaft sei trocken, grau, weltfremd und abgehoben. Wie es ganz anders geht, zeigt die Universität der Balearen (UIB) mit ihrer lokalen Biodiversitätsforschung.
Jeder kann mitmachen – zumindest, sofern er tauchen kann. Es geht um ein Thema zum „Anfassen“, unter dem sich alle etwas vorstellen können: Tiere zu sichten. Trocken wird es unter Wasser schon mal gar nicht. Und das Ergebnis ist ziemlich bunt. Biodibal heißt das 2017 in Kooperation mit dem Energieversorgungsunternehmen Redeia ins Leben gerufene Projekt.
Unter Beteiligung von Forschern, aber etwa auch in Zusammenarbeit mit dem Tauchzentrum Scuba Mallorca und einem Netzwerk lokaler Taucher wird die Fauna der Balearen unter die Lupe genommen.

Eine der beobachteten Schnecken der Spezies Spurilla neapolitana. / Sebastià Pons Burguera
71 zuvor noch nicht vor Ort gesichtete Arten hat die Forschungseinrichtung in dem vor Kurzem herausgegebenen Jahrbuch des Projekts unter dem eingängigen Titel „Opistobranchia de les Illes Balears. Anuari 2024“ erstmals aufgeführt. Es handelt sich um Band Nummer vier der Reihe „Monografies Biodibal“. Wer nicht weiß, was Opisthobranchia sind, sei beruhigt: Es geht um Hinterkiemerschnecken. Schon mal gehört?
Leben am Meeresgrund
Ihre Kiemen befinden sich hinter dem Herzen. Die meisten leben am Meeresgrund. Nicht nur bei der Farbe, auch was die Paarung angeht, haben sie den Menschen etwas voraus: So können die wenige Zentimeter kleinen Tierchen zeitgleich als Männchen und als Weibchen fungieren. Ganz ohne Partner klappt es allerdings nicht.

Eine Meeresschnecke der Art Nemesognis banyulensis. / Sebastià Pons Burguer
Was die Tierchen außerdem zu besonders interessanten Untersuchungsobjekten macht sind ihre empfindlichen Reaktionen auf Umweltveränderungen. Aus ihrer Beobachtung lassen sich Erkenntnisse zum Gesundheitszustand mariner Ökosysteme ableiten. Auch daher erfolgt die Katalogisierung.
Mehr als tausend Beoachtungen
Für die Studie waren die forschenden Taucher an 52 Orten in 16 Gemeinden unterwegs – auf Mallorca, Menorca und Ibiza. Auch in Meeresschutzgebieten wie etwa Sa Dragonera, am Cap de Formentor oder dem Schutzgebiet der Insel El Toro haben sie Hinterkiemerschnecken gesichtet. Im Jahrbuch sind ihre Verbreitung samt Tiefen- und Wassertemperaturbereichen dokumentiert. Insgesamt 1.116 Beobachtungen von 122 verschiedenen Arten sind dort enthalten. Chapeau.
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