Mallorcas traditionelle Weihnachtskunst zum Kulturgut erhoben: Ein Buch inspiriert zum Ausprobieren
Der Inselrat hat die weihnachtliche Tradition der kunstvollen Neules zum immateriellen Kulturgut erhoben. Besonders enthusiastisch freut sich darüber die „neulera“ Bàrbara Llinàs, die ein Buch zu den Weihnachtsdekorationen aus Papier herausgebracht hat

Eine auf eine Glasscheibe angebrachte Neula von Tomás Martínez i Miró. / Nele Bendgens
Der 11. Dezember 2025 wird bei vielen neuleres und neulers auf Mallorca künftig rot im Kalender stehen: An diesem Tag hat der Inselrat die neules – traditionelle Weihnachtsdekorationen aus Papier, die kunstvoll ausgeschnitten und in Kirchen, auf Märkten und zunehmend auch in Häusern aufgehängt werden – offiziell zum „Bien de Interés Cultural Inmaterial“ (immateriellen Kulturgut) erklärt. Damit steht dieses Schmuckstück der mallorquinischen Weihnacht nun unter offiziellem Schutz. Bàrbara Llinàs, neulera seit vielen Jahren, spricht in diesem Interview im Namen der Grup de Neuleres i Neulers de Mallorca, die lange auf diese Anerkennung gewartet hat.
Was bedeutet für die Grup de Neuleres i Neulers de Mallorca die Erklärung der Neules zum immateriellen Kulturgut?
Für uns hat das ein enormes Gewicht. Es ist die Anerkennung eines Kunsthandwerks, das es schon seit Jahrhunderten gibt und diesen Schutz verdient. Für uns bedeutet sie außerdem, dem inzwischen verstorbenen Tomás Martínez zu gedenken. Er hat die gesamten Unterlagen für diese Schutzerklärung an Weihnachten 2022 eingereicht. Das Verfahren zog sich in die Länge, aber wir haben es Schritt für Schritt geschafft – mit der Unterstützung all jener, die sich dafür eingesetzt haben. Und es bedeutet auch, einen Schatz loszulassen, den wir lange sehr eifersüchtig gehütet haben, den wir nun aber teilen müssen.
Dezember ist der Monat, um die Arbeit des ganzen Jahres zu genießen.
Weihnachten ist Neules-Zeit – aber Sie stellen sie das ganze Jahr über her …
Ja, tot l’any feim neules. Wir machen das das ganze Jahr, weil es sehr zeitaufwendig ist. Im November müssen wir dann richtig Gas geben. Und Dezember ist der Monat, in dem wir sie aufhängen, teilen, zeigen. Wir schauen dann, was entstanden ist, besuchen Dörfer und Kirchen … Es ist der Monat, um die Arbeit des ganzen Jahres zu genießen. Jetzt mehr denn je und mit größerer Intensität, weil viel mehr Orte mit Neules dekoriert werden. Wobei es im Grunde immer so war: Wir machen sie das ganze Jahr, damit sie an Weihnachten glänzen.
Wer hat Ihnen das beigebracht?
Niemand hat es mir beigebracht. Die Kunst der Neules wurde stets eifersüchtig gehütet – und im Grunde war das ein großes Glück, denn so haben frühere Generationen uns perfekte traditionelle Schnitte überliefert. Wir sind fast alle Autodidakten, haben durch Versuch und Irrtum gelernt. Die Geheimniskrämerei zwang uns dazu. Es war ein Tabuthema; man konnte sich Bilder anschauen, aber niemand teilte wirklich das Wissen darüber, wie diese Neules gemacht wurden. Wir mussten die unseren von Grund auf zeichnen und gestalten. Durch die Schließung vieler Klöster öffneten sich dann einige Türen, plötzlich tauchten alte Neules auf. Auch das Internet hat sehr geholfen, weil wir Zugang zu mehr Bildern bekamen. Ich persönlich habe gelernt, indem ich anderen großartigen neulers und neuleres zugeschaut habe, etwa Schwester Manoli, einer Franziskanerin, mit der ich einige Jahre in Kontakt war. Sie hat mir sehr vieles erklärt. Dadurch konnte ich lernen und mich weiterentwickeln.

Bàrbara LLinàs mit ihrem Buch „Neules per retallar“. / Biel Capó
Wie würden Sie die aktuelle Situation der Neules beschreiben?
Die Neules erleben gerade einen richtigen Boom. Sie sind in Mode gekommen, haben die Straßen erobert und schmücken nicht mehr nur die Kirchen, sondern auch die Häuser. Das ist ein wunderschönes Bild. Neules sind Tradition und Handwerk – und genau das gefällt den Menschen. Manche begeistert die künstlerische Seite, andere fasziniert die Verbindung zur Tradition oder zur Religion. Jeder hat seinen eigenen Blick auf die Neules, und alle sind gleichermaßen respektabel. Der aktuelle Moment ist einfach fantastisch.
Dieser Tage haben Sie in der Bibliothek von Manacor um 20 Uhr das Buch „Neules per retallar“ vorgestellt, eine einzigartige Sammlung, von Ihnen selbst gestaltet …
Das ist eine ganz besondere Veröffentlichung, die erste Sammlung von Neules, die speziell dafür entworfen sind, ausgeschnitten zu werden. Sie stammen alle von mir, ich habe sie gezeichnet und für dieses Buch angepasst. Über die Schnitte hinaus gibt das Buch den Kunsthandwerkern dahinter ein Gesicht: Es stellt die neuleres und neulers in den Vordergrund, macht sie sichtbar und hilft zu verstehen, dass hinter jeder Neula ein Mensch, ein Entwurf, ein Stil und eine Geschichte steckt. Dank des Engagements des Vertriebs Melicotó erscheint diese Arbeit in Papierform – und das in unserer digitalen Zeit. So kann jeder das Buch kaufen, das physische Bild in der Hand halten und zu Hause Neules ausschneiden. Für mich ist das entscheidend: die Tradition bewahren, bekannt machen und den Weg öffnen, damit künftig auch andere Kunsthandwerker Mallorcas ihre Arbeit in Publikationen wie dieser gesammelt und anerkannt sehen.
Es geht nicht darum, in der Vergangenheit stecken zu bleiben, sondern vom Alten zu lernen, um die Tradition in der Gegenwart zu leben – sie zu aktualisieren, ohne je ihre Essenz zu verlieren.
Das Buch kommt jetzt zu Weihnachten gerade richtig.
Ja, weil Weihnachten traditionell die Zeit für Neules, turrón, Familie und Gemeinschaft ist. Früher hat man an Winterabenden und -nächten turrones gemacht und in der Familie Neules ausgeschnitten – und dieses Buch will genau diesen Geist zurückholen: dass die Tradition der Neules wieder in die Haushalte einzieht. Ich versuche, Tradition und Moderne zu verbinden: Ich respektiere maximal die traditionelle Art, Neules zu entwerfen und zu zeichnen, so wie man es früher gemacht hat, aber mit Zeichnungen, die moderner und aktueller sind. Außerdem enthält das Buch Vorlagen in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, damit jeder, der in die Neules-Welt einsteigen will, Erfahrung sammeln kann. Es geht nicht darum, in der Vergangenheit stecken zu bleiben, sondern vom Alten zu lernen, um die Tradition in der Gegenwart zu leben – sie zu aktualisieren, ohne je ihre Essenz zu verlieren.
Neben Ihrer Arbeit als neulera geben Sie auch Workshops an Schulen und für ältere Menschen …
Die Workshops in den Schulen und mit älteren Menschen geben mir sehr viel; ich sage immer, die Teilnehmer geben mir mehr, als ich ihnen gebe. Ich habe der Stadtverwaltung von Manacor ein Projekt vorgelegt, um die mallorquinischen Neules in die Klassenzimmer zu bringen – und nun ist es die erste Gemeinde, die Workshops für alle Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Grundschulklassen anbietet. Für mich ist es eines der größten Geschenke dieser Neules-Welt: das stolze Gesicht eines Kindes zu sehen, wenn es seine Neula mit „Werkzeugen für Erwachsene“ wie dem Skalpell geschafft hat, und zu erleben, wie es Geduld gewinnt, Selbstvertrauen aufbaut und zu akzeptieren lernt, dass manchmal ein Stück nach viel investierter Zeit zerbricht … Die Erfahrung, Kinder, die sonst sehr unruhig sind, konzentriert sitzend beim Ausschneiden zu sehen, ist unbezahlbar. Bei älteren Menschen ist das Gefühl sehr ähnlich. Die Abteilung Gent Gran des Inselrats leistet große Arbeit, indem sie Neules-Workshops in ihr Angebot aufnimmt. Wir genießen es, zusammenzukommen, Geschichten zu hören, wie sie als junge Leute Neules ausgeschnitten haben und wie sie es heute mit ihren Enkeln machen – diese Tradition als Familie zu teilen. Und dann lassen auch die Jüngeren die technischen Geräte einen Moment beiseite und verbringen Zeit mit ihren Angehörigen. All das – neben dem Vermitteln von Tradition, Handwerk und Liebe zu unserem Eigenen – berührt mich immer wieder.
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