Betrug mit Geldanlage in Spanien: Ein deutsches Paar ist verzweifelt auf der Suche nach 147.000 Euro
Zwei Rheinland-Pfälzer wurden Opfer eines professionellen Betrügers, der angeblich gute Angebote für Festgeld in Spanien verkaufte. Er behauptete, von Mallorca aus zu agieren. Jetzt wollen die beiden mögliche künftige Opfer warnen

Nina M. und Joachim N. haben immerhin 90.000 Euro von der Bank BBVA zurückerstattet bekommen. Der Rest ist weiterhin verschollen. / Privat
Nina M. und Joachim N. aus Rheinland-Pfalz waren im Sommer des vergangenen Jahres eigentlich finanziell sorgenfrei. Sie hatten ihr Eigenheim verkauft, weil sie berufsbedingt nach Schleswig-Holstein gezogen waren und dort ein Haus angemietet hatten. Rund 250.000 Euro aus dem Erlös des Hausverkaufs wollte das Paar gewinnbringend anlegen, um später einmal möglicherweise in der neuen Heimat ein neues Haus zu erwerben. Doch dann gerieten die beiden an hochprofessionelle Anlagebetrüger. Einer von ihnen behauptete, auf Mallorca zu sitzen und das Geld des Paares auf Konten zweier spanischer Banken zu einem Zinssatz von 4,9 Prozent für ein Jahr anzulegen. Nun, ein Jahr später, ist ein Großteil des Geldes weg.
Die MZ spricht mit den beiden, nachdem sie sich mit ihrem Anliegen an die Zeitung gewandt hatten. Nina M. und Joachim N. können nicht verstehen, dass nach über einem Jahr immer noch nichts passiert ist, die spanische Polizei noch immer keine Ermittlungen in die Wege geleitet hat, obwohl deren deutsche Kollegen damals schnell reagiert hatten. Und sie wollen mögliche andere Betrugsopfer warnen, indem sie sich an die Öffentlichkeit wenden.
"Durch die Hölle gegangen"
Sie sind nach eigenen Angaben durch die Hölle gegangen. „Ich stand vor der Frage, ob ich mich auf die Schienen lege oder kämpfe“, sagt Joachim N. sichtlich erregt im Videocall. „Ich habe mich für Letzteres entschieden.“ Mehrfach muss ihn seine Partnerin beruhigen, damit Joachim N. nicht in Rage gerät. Man merkt an seinem Tonfall, an seiner Gestik und Mimik, wie nahe ihm der Betrug nach wie vor geht. Viele andere Menschen, denen es ähnlich gegangen sei, trauten sich aus Scham nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen, meint er, doch selbst Anwälte sagten, dass jeder Opfer eines solchen Betrugs werden kann.
Doch was war genau passiert? Joachim N. hatte sich im Internet über Anlagemöglichkeiten informiert und war nach einiger Zeit auf ein seriös wirkendes Vergleichsportal gestoßen. Dort wurden Finanzanlagen bei Banken und anderen Kreditinstituten europaweit verglichen. Joachim N. hinterließ seinen Kontakt, und kurz darauf meldete sich ein angeblicher Anlageberater bei ihm. Es entwickelte sich ein reger Austausch, das Paar sagte nicht sofort zu. „Wir sind sehr vorsichtig und hinterfragen erst einmal alles“, sagt Nina M.
Alles wirkte seriös
Es vergingen weitere zwei Wochen, in denen ihr Partner nahezu täglich mit dem Finanzberater telefonierte. „Er machte einen sehr professionellen Eindruck und konnte meine Fragen alle beantworten“, sagt Joachim N. heute. Auch war die Firma des Finanzberaters im Internet zu finden, inklusive einer Pressemitteilung samt angekündigter Expansion. Das anfängliche Misstrauen wich, und das Paar schlug ein. Die beiden überwiesen rund 90.000 Euro an ein Konto, das der vermeintliche Anlageberater angeblich auf den Namen von Joachim N. bei der BBVA, der zweitgrößten Bank in Spanien, eröffnet hatte. Zudem überwiesen die beiden in zwei Raten auf ein Konto der Openbank, der Online-Bank der Banco Santander, knapp 150.000 Euro.
„Wir wollten nach ein paar Wochen einen Kontoauszug sehen, um zu wissen, dass alles in Ordnung war“, erzählt Nina M. Der Anlageberater hatte ihnen zuvor erzählt, er sei nun zwei Wochen in den USA im Urlaub. Als Joachim N. anrief, erklärte ein Kollege, dass der Berater für vier Wochen verreist sei. „Diese Ungereimtheit reichte aus, um eine gewisse Unsicherheit zu spüren“, erzählt Joachim N. Er kontaktierte direkt die beiden Banken in Spanien, und dort kam heraus: Das Paar war einem Betrug aufgesessen, es gab keine Konten auf ihre Namen. Die Einzahlungen dagegen konnten die Angestellten der Banken finden.
Lücke im Sicherheitssystem
Die Betrüger hatten also Konten eröffnet oder Personen rekrutiert, die ihre bestehenden Konten zur Verfügung stellten und sich dorthin das Geld überweisen lassen. Ob das Geld noch auf den Konten verfügbar ist oder bereits kurz nach der Überweisung weitertransferiert wurde, ist völlig unklar. Dieser Trick funktioniert aufgrund einer Sicherheitslücke, die sich die Betrüger zunutze machen.
Banken gleichen seit 2009 bei Überweisungen nicht mehr die Konten auf den Namen ab. Allerdings weiß das kaum jemand. „Wir wussten das auch nicht“, sagen Joachim N. und Nina M. Die Europäische Kommission hat nun nachgebessert, und ab Oktober 2025 sollen Überweisungen nur noch angenommen werden, wenn IBAN-Nummer und Kontoinhaber übereinstimmen. Viel zu lange ist das aus Sicht des Paares noch hin.
Trägheit der spanischen Behörden macht das Paar fassungslos
Ihr Geld war erst einmal weg. „Wir haben sehr schnell Anzeige erstattet bei der Polizei in Kiel, und die hat auch schnell nach wenigen Wochen den Fall per Rechtshilfeersuchen nach Spanien überstellt. Dort ist aber seit über einem Jahr nichts passiert“, sagt Nina M. Die Trägheit der spanischen Behörden macht das Paar fassungslos. Woran das liegt, können sie sich nicht erklären. Gerade auch, weil es in einem solchen Fall auf Tempo ankommt. Je mehr Zeit verstreicht, desto einfacher können sich die Betrüger mit dem Geld absetzen.
Nina M. und Joachim N. selbst haben sich nicht untätig aufs Sofa gesetzt, sondern systematisch begonnen, verschiedenste Stellen anzuschreiben. Von der Vorstandsvorsitzenden der Banco Santander über die Bankenaufsicht Bafin, zahlreiche regionale, bundesdeutsche und Europapolitiker bis hin zum spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez und sogar König Felipe VI. „Mehr als 300 Briefe haben wir geschrieben, und die Resonanz war gleich null“, sagt Joachim N.. Zwischenzeitlich gab es zumindest eine gute Nachricht: Die BBVA überwies tatsächlich die rund 90.000 Euro zurück, die das Paar dort angelegt hatte.
Sackgasse Banco Santander
Dafür kamen die beiden bei der Banco Santander nicht weiter. „Dort beruft man sich ein ums andere Mal auf den Datenschutz, dabei war ein Geldtransfer von rund 147.000 Euro durch Europa auf ein Konto mit anderem Namen kein Problem“, empört sich Joachim N.
Auch eine Anfrage der MZ bei der Banco Santander ergibt lediglich, dass die Bank mit Hinweis auf den Datenschutz keine Angaben zu konkreten Fällen machen kann. Der Sprecher erklärt, dass die Bank das Konto blockiert, sobald eine offizielle Bitte darum eingeht. Außerdem arbeite man eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen, um zur Aufklärung mit beitragen zu können. Was das genau heißt, ist unklar. Und so hoffen Nina M. und Joachim N. weiterhin auf die spanischen Behörden.
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