Das ist auf Mallorca bei der privaten Altersvorsorge zu bedenken
Von der staatlichen spanischen Rente ist nicht viel zu erwarten. Wer hier sein Geld verdient, sorgt besser auch privat vor. Eine Auswahl aus den vielen Angeboten

Die staatliche Rente ist hier wie dort schnell aufgebraucht. | FOTO: DPA
Laut aktuellen Daten der spanischen Sozialversicherung liegen die Renten auf den Balearen unter dem landesweiten Durchschnitt von 1.300 Euro. Bei Selbstständigen sind die Beträge oft noch deutlich niedriger. „Heutzutage hat man keine Angst, früh zu sterben, sondern zu lange zu leben, und dass man sich das nicht leisten kann“, pflegt Laura Sevenster von der Versicherungsagentur Anke Sevenster zu ihren Kunden zu sagen. Statt nur auf die staatliche Rente zu setzen, sollte man privat vorsorgen – so früh wie möglich.
„Am besten legen die Eltern einem schon als Baby monatlich einen geringen Geldbetrag zurück. Wenn man dann anfängt selbst zu arbeiten, kann man die Summe erhöhen“, rät der frühere Sozialreferent an der deutschen Botschaft in Madrid, Rainer Fuchs. Auch mit 50 Jahren könne man noch mit der Altersvorsorge beginnen, so Sevenster. Und alle, die es aufgrund steigender Lebenshaltungskosten kaum bis zum Monatsende schaffen? „Ein paar Euro sollten auch bei Menschen mit geringem Einkommen drin sein“, so Fuchs. Private Vorsorgeangebote gibt es auf Mallorca bei Banken oder Versicherungsgesellschaften. Eine Auswahl:
Anke Sevenster
Die Anke-Sevenster-Agentur, die die Versicherungsgesellschaft Axa vertritt, unterscheidet grob zwei Produkte: den „Plan de Pensiones“ (Rentenfonds) und den PIAS, eine Abkürzung für Plan Individual de Ahorro Sistemático. Ersterer sieht bei dieser Agentur vor, dass man regelmäßig ab 30 Euro pro Monat einzahlt. Alternativ kann man sich für einmalige Zahlungen entscheiden. Eine Verpflichtung, jährlich einzuzahlen, besteht nicht. Der Kunde kann zudem jedes Jahr entscheiden, was er einzahlen will. Die Höchstgrenze für die Einzahlungen liegt mittlerweile nur noch bei 1.500 Euro jährlich.
Die Vorteile: Die eingezahlten Beiträge sind bei der Steuererklärung bis zu 45 Prozent absetzbar. Was man dadurch spart, ist abhängig von der Einkommensteuer und der Summe, die man einzahlt. Als Beispiel nennt Axa: „Wenn die Einkommensteuer des Kunden 30 Prozent beträgt, spart er je 1.000 Euro, die er einbezahlt, 300 Euro an Steuern.“
Die Nachteile sind laut Laura Sevenster, dass man erst nach frühestens zehn Jahren oder mit Renteneintritt sowie im Falle von besonderen Geschehnissen an das Geld herankommt. Zu Letzteren gehören etwa Todesfall, Invalidität, schwere Krankheit oder Arbeitslosigkeit (mindestens zwei Jahre).
Bei der Auszahlung beachten
Bei der Auszahlung bei Fälligkeit sollten Kunden dann ebenfalls aufpassen, mahnt Sevenster. Der Auszahlungsbetrag werde als Lohneinkommen deklariert. „Nehmen wir an, die staatliche Rente eines Kunden pro Monat beträgt 1.500 Euro. Dann wären das 18.000 Euro pro Jahr, die er versteuern muss, mit vielleicht nur 19 Prozent. Kommen aber 40.000 Euro Erspartes hinzu, die er sich auf einen Schlag auszahlen lässt, liegt die Gesamtsumme bei 58.000 Euro, worauf 37 Prozent an Steuern abgehen würden“, so Sevenster. Um die steuerlichen Auswirkungen zu reduzieren, empfiehlt sie eine stückweise, auf mehrere Jahre angelegte Auszahlung in Rentenform. „In dem Beispiel ist es besser, über zehn Jahre lang jährlich einen Betrag von 4.000 Euro ausgezahlt zu bekommen, als auf einen Schlag 40.000 Euro“, so Sevenster.
Das eingezahlte Geld kann in verschiedene Fonds investiert werden, wobei man die Anlageoption jederzeit ändern kann. Um herauszufinden, welche Art von Investition sich eignet, müssen die Kunden einen Fragebogen ausfüllen. Darin wird unter anderem die Risikofreudigkeit abgefragt und auf welchen Märkten investiert werden soll. Wer kein Risiko eingehen will, investiert in Festgeld, hat dafür aber weniger Rendite. „Andere Fonds sind risikoreicher, bieten aber auch mehr Möglichkeiten, eine bessere Rendite zu erzielen“, so Laura Sevenster. Nach Wunsch könne man auch einen Teil in Festgeld, den anderen Teil in einen Fonds mit variablem Zinssatz (mit Risiko) investieren.
So funktioniert "PIAS Rendimiento"
Das zweite Produkt heißt „PIAS Rendimiento“. Auch bei diesem Sparmodell wird das eingezahlte Geld in Fonds angelegt. Die Vorteile: Kunden können ab 60 Euro monatlich einzahlen, maximal 8.000 Euro pro Jahr und während der gesamten Laufzeit 240.000 Euro. Zudem kommen sie schon nach einem Jahr teilweise oder komplett an das Kapital heran. Bei einer Mindestlaufzeit von fünf Jahren und Auszahlung des Betrags in Rentenform fällt zudem keine Versteuerung des im Laufe der Jahre entstandenen Zinsertrags an (nur das Renteneinkommen wird versteuert).
Die Nachteile: Kunden müssen unter anderem Gebühren zahlen. Anke Sevenster berechnet etwa zwischen 1 und 1,5 Prozent jährlich für die Bearbeitung. Bei einer Vertragsauflösung innerhalb der ersten drei Jahre ist ein Strafzins von drei Prozent fällig.

Die staatlichen Renten auf den Balearen dürften angesichts immer höherer Lebenshaltungskosten den wenigsten Menschen reichen. / DPA
CaixaBank
Voraussetzungen, um bei der CaixaBank über die hauseigene Versicherungsgesellschaft VidaCaixa in die private Altersvorsorge zu investieren, ist wie bei den Mitbewerbern auch, dass man Resident ist. Wie lange schon, spielt keine Rolle. Wichtig: Wer die Insel verlässt, kann seine Verträge nicht mit nach Deutschland nehmen! Die Geschäftsführerin von Vida Caixa, Cristina Bellido, rät allen Angestellten zudem, sich bei ihrer Firma zu informieren, ob sie eine betriebliche Rente anbietet. In der Baubranche etwa sei dies häufig der Fall.
CaixaBank bietet etwa das Kombi-Produkt „MyBoxJubilación“: Dabei wird ein geschätztes Zielkapital für den Ruhestand und ein monatlicher Sparplan zur Erreichung des Ziels festgelegt, der an die jeweilige Lebenssituation des Kunden angepasst wird. Laut Bellido bietet das Produkt die Vorteile der steuerlichen Absetzbarkeit von einem Plan de Pensiones, die Liquidität der Sparversicherung namens unit linked und die persönliche und familiäre Absicherung durch eine Lebensversicherung. Dabei entscheidet der Kunde, wie viel des in regelmäßigen Abständen eingezahlten Geldes in den Plan de Pensiones und wie viel in die Versicherung unit linked fließt. Bei beiden wird das Geld langfristig in Produkte mit variablem Zinssatz angelegt.
Separates Produkt für Selbstständige
Je näher aber der Renteneintritt rückt, desto mehr wird in Festgeld investiert. Durch die Lebensversicherung ist das angestrebte Zielkapital im Falle einer dauerhaften Invalidität oder bei Tod geschützt. Sie deckt die Differenz zwischen dem Ersparten und dem angestrebten Zielkapital ab. Selbstständige können bei dem Programm „MyBox Jubilación Autónomos“ statt nur 1.500 Euro jährlich 5.750 Euro einzahlen und bekommen dadurch Steuererleichterungen.
Die Produkte aus dem Kombi-Paket (Plan de Pensiones oder unit linked mit flexiblerer Auszahlung) könne man auch einzeln abschließen. Auch ein PIAS („PIAS Destino“), eine Unterform von unit linked, bietet CaixaBank an. Einzahlen kann man dafür auch bei diesem Anbieter bis zu 8.000 Euro jährlich. Weitere Unterformen sind „Valor Futuro 10“ für Kunden bis 66 Jahre und „Valor Activo Unit Linked“ für solche bis 89 Jahren.
Banca March
Amaya Rodríguez, Leiterin der Abteilung für soziale Absicherung bei der Banca March, betont, dass es wichtig ist, dass Sparpläne an jede einzelne Lebensphase des Kunden angepasst werden. Die Bank hat dafür im Angebot: Planes de Pensiones und PPA (Planes de Previsión Asegurados, also gesicherte Pensionspläne), PIAS sowie SIALP (Seguros Individuales de Ahorro a Largo Plazo, also individuelle Langzeitsparversicherungen), sowie Investmentfonds und unit linked-Versicherungen.
Die PPA mit einer garantierten jährlichen Mindestverzinsung ähneln den Planes de Pensiones, bieten aber weniger Risiko. Zudem eignen sie sich eher für Menschen, deren Renteneintritt bald bevorsteht. Für einbezahlbare Beträge für die PIAS gelten wie bei Anke Sevenster die Grenzen von 8.000 Euro jährlich und 240.000 Euro insgesamt, wie auch dieselben Auszahlbedingungen (keine Versteuerung bei Auszahlung in Rentenform) sowie ein Maximalalter bei Abschluss des Produktes von 70 Jahren. Bei den Sparversicherungen SIALP mit demselben Maximalalter zum Zeitpunkt des Abschlusses und maximal 90 Jahren zum Zeitpunkt der Fälligkeit kann man jährlich (regelmäßig oder auf einen Schlag) bis zu 5.000 Euro einzahlen. Löst man die PIAS oder SIALP frühestens nach fünf Jahren auf, spart man bei der erzielten Rendite Steuern.
Ansprechpartner:
– Anke Sevenster: ankesevenster.com
– CaixaBank: caixabank.es
– Banca March: bancamarch.es
Abonnieren, um zu lesen
- Neue Regeln für Powerbanks bei Lufthansa und Eurowings: Das müssen Mallorca-Reisende wissen
- Sonderwarnung vom Wetterdienst: So ungemütlich wird es jetzt auf Mallorca
- Angespülte Leiche an einem Strand im Nordosten von Mallorca entdeckt
- Er will ein Stadthaus in Artà sanieren: Hamburger wartet seit 2024 auf die Baugenehmigung
- Bauingenieur-Kammer warnt vor Krise bei Luxusimmobilien auf Mallorca
- Wo gesetzlich versicherte Urlauber aus Deutschland auf Mallorca zum Arzt gehen können
- Haustierbetrug und Sklaverei: Guardia Civil befreit Rentner aus Fängen krimineller Bande
- Trauerfeier in Madrid: Die spanische Königsfamilie gedenkt Irene von Griechenland
