Tarife, Nebenkosten, Sprache: Welche Preise Anwälte auf Mallorca aufrufen
Im rechtlichen Notfall ist guter Rat mitunter teuer. Wie Sie einen deutschsprachigen Juristen finden und mit welchen Kosten zu rechnen ist

Die Blicke des Richters ertragen sich leichter mit einem Anwalt an der Seite. / Marina
Einen Rechtsstreit wünscht sich niemand, manchmal lässt er sich aber nicht vermeiden. Entweder man ist Opfer einer Straftat (oder beging selbst eine), oder es gibt einfach Ärger mit einem Nachbarn oder Unternehmen. Dann ist ein Anwalt gefragt.
Brauche ich überhaupt einen Anwalt und wo finde ich ihn?
„Praktisch besteht Anwaltszwang in jedem zivilgerichtlichen Verfahren mit einem Streitwert von mehr als 2.000 Euro sowie in allen Strafverfahren, mit Ausnahme der Verfahren in denen über delitos leves, äquivalent zu den deutschen Vergehen, verhandelt wird“, heißt es auf der Website des deutschen Konsulats. Dort findet sich eine Liste mit deutschsprachigen Anwälten auf der Insel.
„Die meisten Kanzleien haben Mallorquiner als Prozessrechtler unter Vertrag“, sagt Zivilrechtler Dr. Manuel Stiff (stiff.es). Das sei wichtig. „Wenn ein Anwalt auf Mallorca vor Gericht etwas erreichen will, muss er die richtigen Leute kennen.“ Ohne Katalanischkenntnisse sei ein Fall praktisch verloren. Gute Beziehungen seien dann umso wichtiger.
Ist die Erstberatung kostenlos?
Das sei von Fall zu Fall unterschiedlich, meint Strafrechtler Agüero Lafora (fukurolegal.com). „Letztlich investieren wir Anwälte aber Zeit und bieten unsere Kenntnisse an. Da versuchen wir, es zu vermeiden, Informationen herauszugeben, ohne im Anschluss entlohnt zu werden.“ Ähnlich sieht es Zivilrechtler Dr. Stiff. „Nur unseriöse Anbieter, die damit Klienten anlocken müssen, werben mit einer kostenlosen Erstberatung.“ In seiner Kanzlei ruft er 250 Euro plus Mehrwertsteuer für den Erstkontakt auf. Dafür gibt es eine Stunde seiner Zeit. „Ich schaue nicht auf die Uhr. Wenn wir eine Viertelstunde überziehen, ist das in Ordnung. In der Regel ist nach einer Stunde alles gesagt.“
Wie rechnet der Anwalt ab?
Die Tarife darf ein Anwalt selbst nach eigenem Belieben festlegen. „Im Zivilrecht gibt es von der balearischen Anwaltskammer eine Tabelle mit Empfehlungen. Das sind Mindesttarife, die nicht unterschritten werden sollten“, sagt Manuel Stiff. „Bei Rechtsfällen, die sich um Immobilien drehen, liegen die Kosten in der Regel bei ein bis zwei Prozent des Werts der Immobilie. Im Vergleich zu einem Makler ist das ein Hungerlohn.“
Meist wird kein fester Betrag ausgehandelt, sondern ein Rahmen. Bei einem einfachen Fall ist es ein Prozent des Streitwerts, bei einem komplizierten Fall eben bis zu zwei Prozent. „Das gilt für eine durchschnittliche Immobilie im Wert von 500.000 Euro. Bei teureren Luxusimmobilien kann das Honorar auch unter einem Prozent liegen“, so Dr. Stiff.

Die spanische Strafverteidigerin Maria Barbancho. / Privat
Auch im Strafrecht gab es früher Tabellen, die eine Richtlinie vorgaben. „Die sind aber mittlerweile überholt“, sagt Agüero Lafora, der seine Tarife nicht nennen wollte. Manche Anwälte arbeiten nach Stundensatz. „Ich ziehe eine Pauschale vor“, sagt Maria Barbancho (barbancho.legal), die viele mediale Fälle mit deutscher Beteiligung betreut. Für die Ermittlungsphase, die in der Regel zwölf Monate dauere, rufe sie mindestens 3.000 Euro auf. „Dann ist es egal, wie oft ich vor Gericht erscheinen muss.“ Zieht sich der Fall in die Länge, können die Kosten steigen.
Gibt es Nebenkosten?
„Ja, die halten sich aber in Grenzen“, sagt Agüero Lafora. „Für die Fahrtkosten, Übersetzungen und den Prokuristen.“ Letzterer bringt Dr. Stiff ziemlich auf die Palme. „Das ist ein akademischer Briefzusteller, der Jura studiert hat, aber nur herumsitzt. Dafür kassiert er ein Gehalt in Höhe von 10 bis 20 Prozent des Anwalt-Honorars. Eine lächerliche Prozessfigur, die in Deutschland zu Zeiten Goethes abgeschafft wurde.“ In Spanien brauchen sowohl Kläger als auch Angeklagter je einen Prokuristen, der offiziell für die Kommunikation zwischen Anwalt und Richter da ist. Weitere Nebenkosten können für hinzugerufene Experten oder Vollmachten auftauchen.
Möglich ist zudem, dass Anwalt und Mandant einen Bonus bei gewonnenem Prozess vereinbaren. „Uns ist verboten, nur für einen solchen Bonus zu arbeiten. Wenn wir aber bezahlt werden, darf unsere Bezahlung im Erfolgsfall höher ausfallen“, sagt Agüero Lafora. Meist wird der Bonus prozentual von Schadensersatzsummen gerechnet, die der Gewinner des Prozesses vom Gericht zugesprochen bekommt.
Übernimmt der Verlierer vor Gericht die Kosten?
Abgesehen vom Prokuristen kostet ein Prozess einer Privatperson kein Geld. „Es ist möglich, dass der Richter dem Verlierer die Anwalts- und Prokuristenkosten des Gewinners auferlegt“, sagt Dr. Stiff. Das hänge aber vom Urteil ab. „Wenn es beispielsweise um 100.000 Euro Schadensersatz geht und der Richter dem Kläger nur 79.000 Euro zuspricht, gilt der Fall nicht als komplett gewonnen. Dann trägt jeder selbst seine Kosten. In Deutschland würde der Anteil prozentual aufgeteilt: 79 Prozent der Verlierer, 21 Prozent der Gewinner.“
Im Strafrecht werde nur in wenigen Ausnahmefällen die Kosten dem Verlierer zugerechnet. Wer zu Unrecht vor Gericht landet, wird praktisch mehrfach bestraft. „Man trägt die Anwaltskosten, muss mit der mentalen Belastung des Prozesses leben und die soziale Stigmatisierung ertragen. Das sind schreckliche Konsequenzen“, sagt Agüero Lafora.
Gibt es eine Versicherung?
Rechtsschutzversicherungen sind in Spanien nur wenig verbreitet. Die deutschen Policen haben mitunter Auslandsklauseln. In der Regel zahlen die Versicherten aber selbst die Anwaltskosten und müssen dann schauen, ob die Versicherung die erstattet.
Ausländer haben wie Spanier das Recht, Prozesskostenhilfe zu beantragen. In dem Fall wird ein Anwalt (abogado de oficio) gestellt. Eine Privatperson darf dafür nicht mehr als 14.400 Euro im Jahr verdienen, eine bis zu vierköpfige Familie 18.000 Euro. Der Pflichtverteidiger spricht in der Regel weder Deutsch noch Englisch. „Es ist eine Lotterie“, sagt Dr. Stiff. „Das müssen nicht unbedingt schlechte Anwälte sein.“
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