Steuerexpertin auf Mallorca verrät: Diese Fragen treiben die deutschen Auswanderer am meisten um
Steuerberaterin Elena Germán über die Sorgen der Inseldeutschen, ChatGPT und die Vermögensteuer

Phasellus ipsum quam, iaculis et mates i dnjsskdhjsdsdkjh sdrhoncus at est. Vestibulum | FOTO: SIMUADLO
Seit Ende Januar ist Elena Germán die neue Balearen-Delegierte der Spanischen Vereinigung der Steuerberater (Aedaf). Die in Zaragoza geborene Juristin lebt und arbeitet seit 2001 in Palma. Hier war sie lange Jahre für das German Desk einer internationalen Steuerberatung aktiv. Seit 2023 ist sie selbstständig. Germán ist auf die juristische und steuerliche Beratung ausländischer Mandanten spezialisiert, insbesondere in den Bereichen Immobilienrecht, Erbrecht und Gesellschaftsrecht.
Frau Germán, Sie sind seit 25 Jahren als Steuerberaterin auf Mallorca aktiv. Wie haben sich der Beruf und die Anforderungen in dieser Zeit verändert?
Inhaltlich ist der Beruf immer im Wandel. Wir müssen uns ständig an die sich ändernden Gesetze und Interpretationen anpassen. Die größte Änderung hat es durch die Digitalisierung des Steuerwesens gegeben, was sowohl für uns Steuerberater als auch für die Steuerzahler tiefgreifende Folgen hat. Vieles ist nun einfacher, es hat aber nicht nur Vorteile.
Inwiefern?
Das Persönliche ist verloren gegangen. Zugleich führt das in manchen Fällen dazu, dass sich Prozesse auch verzögern. Früher konnte man eine Frage schnell vor Ort klären. Jetzt ist es so, dass häufig der direkte Ansprechpartner fehlt.
Sie arbeiten seit Jahren mit deutschsprachigen Kunden zusammen. Was sind deren häufigste Anliegen?
Die Frage nach der steuerlichen Ansässigkeit treibt viele um. Die meisten haben von der 183-Tage-Regel gehört. Aber die ist ja auch nicht das einzige Kriterium. Und dann kommt häufig das Argument, man habe noch einen Zweitwohnsitz in Deutschland. Das ist schön und gut, aber nach spanischem Steuerrecht gibt es nur einen Wohnsitz.

Elena Germán / Privat
Wie wirkt sich das aus?
In der Pandemie haben wir etwa gesehen, dass einige Deutsche sich beiden Rathäusern angemeldet haben, weil sie so nach Mallorca fliegen konnten. Damit haben sie aber signalisiert, dass sie Residenten sind. Und das hat steuerliche Konsequenzen. Denn wenn man hier Steuerresident ist, ist man nicht nur für sein gesamtes Einkommen steuerpflichtig. Im Zweifel muss man auch Vermögensteuer zahlen. Manchmal nehmen die Leute dies auf die leichte Schulter.
Welche anderen Sorgen treiben die Auswanderer um?
Es gibt eine wachsende Zahl an Auswanderern, die von Mallorca aus selbstständig oder in Festanstellung für Unternehmen in Deutschland arbeiten. Hier gibt es viele Fragen zu den Steuerregeln. Für Immobilienbesitzer spielen etwa Nachfolgeregelungen wie Erbschaften eine große Rolle. Und auch der Bezug deutscher Renten in Spanien ist ein großes Thema.
"Keiner will unnötig draufzahlen"
Welche Rolle spielt Ihrer Erfahrung nach das Steuerrecht bei der Entscheidung, nach Mallorca auszuwandern oder hier ein Unternehmen zu gründen?
Es ist natürlich ein wesentlicher Faktor. Keiner will unnötig draufzahlen. Wobei ich immer sage, dass sich viele Probleme durch eine anständige Planung vermeiden lassen. Etwa hinsichtlich der Wegzugsteuer in Deutschland. Oder dass man beispielsweise eine ordentliche Marktanalyse macht, bevor man auf der Insel ein Unternehmen gründet. Gleichzeitig gibt es natürlich viele andere Faktoren, die eine bedeutende Rolle für die Menschen spielen. Etwa die Lebensqualität auf der Insel. Steuerliche Aspekte sind nicht alles.
Haben Sie den Eindruck, dass der Traum vom Leben auf Mallorca mitunter dazu führt, dass die rechtlichen und unternehmerischen Aspekte in den Hintergrund geraten?
Ja, manchmal scheinen die Sinne ein wenig vernebelt zu sein.
Da Sie eben die Vermögensteuer ansprachen: Führt sie in der Praxis dazu, dass Menschen auf eine Auswanderung verzichten?
Ja, absolut. Es ist eine Steuer, die sehr schmerzt. Wobei sich die Situation ein wenig verändert hat, seit die derzeitige, konservative Landesregierung den Freibetrag für die Vermögensteuer von 700.000 Euro auf drei Millionen Euro erhöht hat. Das könnte bei einigen dazu geführt haben, dass sie sich doch für eine Auswanderung entschieden haben. Allerdings muss man dies auch immer mit Vorsicht genießen, denn es ist alles andere als gesichert, dass es dabei bleibt oder es bei einem Regierungswechsel wieder zu Änderungen kommt.
Das Phänomen ChatGPT
Welche Steuermythen kommen Ihnen in den Mandantengesprächen am häufigsten unter?
Mythen gibt es, glaube ich, nicht so viele. Ein neues Phänomen ist ChatGPT. Die Leute verlassen sich viel zu sehr auf die Antworten der KI.
Welche Steuerthemen werden in diesem Jahr für Aedaf im Fokus stehen?
Grundsätzlich kämpfen wir für ein gerechtes Steuersystem. Wir betrachten uns als Mittler zwischen dem Finanzamt und den Bürgern. So ist für uns derzeit etwa der Referenzwert bei Immobilien ein Anliegen. Er ist eine Maßnahme zur Wertermittlung einer Immobilie für verschiedene Steuerarten. Häufig entspricht der Referenzwert nicht dem tatsächlichen Zustand einer Immobilie, was steuerliche Nachteile mit sich bringen kann. Des Weiteren spielen auch Ansässigkeitsthemen eine Rolle, etwa die sogenannte Lex Beckham, ein steuer- liches Sonderregime für Ausländer, die für einen befristeten Zeitraum zum Arbeiten kommen. Im Bereich der Selbstständigen und kleinen Unternehmen ist die vor Kurzem erneut verschobene Einführung der digitalen Rechnungsstellung „Verifactu“ außerdem ein wichtiges Thema.
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