09. April 2009
09.04.2009
Gesellschaft

Die Katzenmutti von Can Picafort

15.01.2009 | 01:00
Fütterungszeit: Weder vom Wetter noch von schimpfenden Anwohnern lässt sich Elke Neumann abhalten, die Katzen zu füttern.

"Na, Herzchen?" Elke Neumann rührt mit ausladenden Bewegungen in der Schüssel mit dem Dosenfutter. Es ist Zeit für die Raubtierfütterung: Ein halbes Dutzend Katzen kommt angerannt, streicht um ihre Beine und miaut leise. "Wenn sie einmal am Tag etwas zu fressen bekommen, sind sie versorgt", sagt die Deutsche und geht zurück zum Auto, um Trockenfutter zu mischen. Und bevor sie weiterfährt, zur nächsten ihrer Katzen-Fütter-Stationen, stellt Neumann noch ein Extra-Schälchen für einen Kater auf, in etwas Abstand: "Der kriegt sonst nichts ab." So geht das jeden Tag, seit inzwischen mehr als zehn Jahren, bei jedem Wetter. Anderthalb bis zwei Stunden ist die 52-Jährige unterwegs, um an acht Stellen auf Grundstücken in Can Picafort rund hundert Streuner zu versorgen. Ihr Citroën ist bis oben bepackt mit Büchsen, Futtersäcken und Fressnäpfen. Zwölf Dosen à 850 Gramm verfüttert Neumann jeden Tag, plus vier Kilo Trockenfutter.

Die Katzen kennen das Auto. Als sich die Deutsche der nächsten Futterstelle nähert, springen sie um den Wagen, und die Katzenmutti muss aufpassen, dass sie keine überfährt. Dann beginnt erneut die Fütterung. Diesmal wird eine Anti- ­Baby-Pille ins Essen gemischt. Zwar hat Neumann mit geliehenem Geld die Weibchen sterilisieren lassen. Doch von irgendwoher tauchen immer wieder neue auf.

Die Katzenfütterung ist noch nicht beendet, als ein Auto mit geöffnetem Fenster vorbeifährt. "Deja los putos gatos!", schreit ein Mann herüber, "hör auf, die scheiß´ Katzen zu füttern!" Neumann reagiert nicht einmal. Mit ihrer Tierliebe hat sie sich nicht gerade beliebt gemacht in Can Picafort - dem Ort, in dem ohnehin alljährlich Tierschützer mit Anhängern des traditionellen Entenwerfens aneinandergeraten. Das Spektakel ist mittlerweile verboten, doch noch immer werden vereinzelt lebende Tiere geworfen.

Mit Enten hat Neumann nichts am Hut. Dennoch schlage ihr überall Hass entgegen, wie sie erzählt. Es gebe Standorte, die sie nach Bedrohungen inzwischen meiden müsse. Auch die Polizei sei schon gerufen worden, und einmal hätten Unbekannte sogar Glasscherben ins Katzenfutter gemischt. "Katzen sind hier unbeliebter als Ratten", sagt Neumann resigniert. "Für mich dagegen sind sie die schönsten Tiere der Schöpfung."

Angefangen hatte alles, als die inzwischen pensionierte Küchenhilfe vor rund zehn Jahren an einer Ecke nahe ihrer Wohnung eine Ruine fand, wo eine wilde und verwahrloste Katzengruppe lebte. Drei Tiere hat sie inzwischen bei sich zu Hause aufgenommen - mehr geht nicht in der Mietwohnung. Die Kosten für die tägliche Fütterung haben inzwischen jeden Rahmen gesprengt. Ein Spenden-Aufsteller in einem deutschen Supermarkt ruft Kunden dazu auf, Katzenfutter zu kaufen. "Im Sommer bin ich wie ein Bettler, überall stelle ich meine Spendendose auf." Manche legen schon Futterspenden direkt unter dem Auto der Deutschen ab - aber auch so gibt Neumann pro Monat bis zu 300 Euro fürs Futter aus.

Hilfe soll jetzt die Gründung eines Vereins bringen. "Happy Cat" besteht offiziell seit September vergangenen Jahres. Mit im Bund ist auch die Spanierin María Carmen Pereira, so dass der Tierschutz nicht zur rein deutschen Angelegenheit wird. Das eigentliche Problem sei, dass es in Can Picafort kein eigenes Tierheim gebe und niemand die Notwendigkeit sehe, den Tieren zu helfen, sagt Pereira. Im Gegenteil: Die Katzen-Patinnen müssen aufpassen, sich nicht strafbar zu machen. Die Tiere auf öffentlichen Wegen zu füttern sei verboten, wurde Neumann jetzt im Rathaus gewarnt. Deswegen sei es auch nicht ohne Weiteres möglich, ihren Verein mit einer Subvention zu unterstützen.

Noch sei völlig unklar, wie eine Tierarztrechnung für Sterilisationen und Einschläferungen über mehr als 1.500 Euro bezahlt werden soll, klagt die Deutsche. Ihr Traum ist ohnehin ein eigenes Grundstück für alle Katzen, "damit sie von der Straße kommen und in Frieden leben können". Eine Katzenstation müsse aufgebaut werden, um Jungtiere aufzunehmen und Tiere nach Deutschland vermitteln zu können.

Doch zunächst wird weitergefüttert. Zwei Stationen fehlen noch, als es zu regnen beginnt. Im Regencape geht es weiter, die Katzen warten schon. "Sehen Sie, wie gut es ihnen geht?", fragt Neumann. "So schön wie die hier hat es niemand."

Tierschutzverein "Happy Cat" Apartado 132 07458 Can Picafort Tel.: 617-51 87 20

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

- Mallorca im Grand-Prix-Fieber

- Serie: Die Touristiker: Hilton-Chef Nicolas Ostrovsky

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