07. Mai 2009
07.05.2009

Wow-Effekte: John Veensma, der neue Direktor des Hotels Son Vida

12.02.2009 | 01:00
John Veensma im noblen Schloss-Hotel Son Vida.

Er geht nicht. Er fliegt förmlich über das frisch gewienerte Parkett hinweg. Und das so zielsicher, als ob er das schon viele Jahre tun würde. Dabei ist John Veensma erst knapp eine Woche der neue Direktor des Schlosshotels Son Vida über den Hügeln von Palma. In Gedanken hat er schon früher in der beeindruckenden Hotelhalle gestanden. "Hier wollte ich immer hin", sagt der 43-jährige Niederländer. Und als er gefragt wird, ob er jetzt angekommen sei in der Champions League der Hotellerie, freut er sich. "Champions League", ja, so könne man das nennen, nickt er triumphierend und führt die MZ Richtung Löwen-Suite, in der die Übernachtung 1.200 bis 1.300 Euro pro Nacht kostet und die so modern gestaltet ist, wie man es in einem alten Schloss gar nicht erwarten würde. "Das ist doch eine coole Kombination", sagt Veensma und streicht mit dem Zeigefinger über den spiegelnden Marmor. Eine coole Kombination sei übrigens auch er selbst. Er hat keine Probleme damit, sich mit Superlativen zu beschrieben. Sein Selbstbewusstsein speist sich aus seinem eigenen Lebenslauf, der das Werk eines ehrgeizigen Quereinsteigers ist.

Im niederländischen Enschede geboren, studierte er zunächst Sport und eröffnete seine eigene Tennisschule. Als 23-Jähriger verkaufte er sie wieder, weil er befand, es sei Zeit für ein wenig Auslandserfahrung. In Calas de Mallorca an der Ostküste heuerte er als Animateur an. Das war 1989. "Ich habe Betten gemacht und Teller gewaschen. Das Geschäft von der Pike auf gelernt." Dort habe ihn dann der Virus des Tourismus befallen. Schon damals wurde er von seiner Frau Anita begleitet. "Meine erste Liebe. Hinter einem starken Mann, steht eine starke Frau."

Von Mallorcas Ostküste aus ging es in die Türkei, nach Mexiko, Portugal und immer wieder zurück nach Mallorca. Insgesamt fünfmal sei er auf die Insel zurückgekehrt. "Das will doch was bedeuten."

Einen steilen Aufstieg erlebte er im Hause Tui, wo er mit dem heutigen Spanien- und Portugal-Chef der Robinson-Clubs, Monti Galmés, und dem Verantwortlichen für die Sparte Hotels und Resorts, Karl Pojer, zwei starke Mentoren fand. Schon im alten Robinson-Club Cala Serena an Mallorcas Ostküste war Veensma hinter Galmés der Vizedirektor. Als 2003 die neue Anlage eröffnet wurde, stand er als Clubdirektor bereits in der Verantwortung. Die Zeit bei Robinson sei für ihn vor allem im emotional management eine gute Schule gewesen, sagt er. Damit meint er Mitarbeitermotivation und Gästebetreuung. Robinson sei eben auch so etwas wie die Champions League - mit Club­urlaub nur eben in einer anderen Sparte angesiedelt.

Erfahrungen im klassischen Hotelbetrieb sammelte er in den Regency-Häusern auf Madeira und in einem Stadthotel in Lissabon. Bevor er das Angebot der Schörghuber-Gruppe annahm, das Schlosshotel zu führen, war er bei Grupotel für den Bereich Corporate Management zuständig. Mitarbeiterschulung, strategische Planung waren seine Aufgabengebiete. Doch der Kontakt mit dem Kunden habe ihm gefehlt, sagt er.

Der Einstieg Veensmas im Schlosshotel fällt in eine Zeit, in der es auch in der Champions League der Hotellerie kriselt. Erstmals in der langjährigen Geschichte wurde das Hotel in der Wintersaison für mehrere Wochen geschlossen. Mitarbeiter seines Hauses gingen in der vergangenen Woche auf die Straße, um gegen Stellenstreichungen zu demonstrieren.

Die vorübergehende Schließung in den Wintermonaten hält Veensma für eine durchaus vertretbare Maßnahme, um sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. In den kommenden Monaten will er das Hotel neu positionieren. Und wenn er über die Frage philosophiert, auf welchen Kunden sich sein Hotel denn ausrichten solle, dann hört er auch gerne die Meinung von Außenstehenden und Mitarbeitern.

Mittlerweile hat sich das Gespräch in die Zigarren-Lounge George Sand verlagert, in dem die Gäste aus einem Sortiment von 160 verschiedenen Zigarrenarten und 60 Cognacs wählen können. In diesem Ambiente fühle er sich sogar als Nichtraucher wohl. Hier, an diesem Ort, ist er sicher, dass sein Hotel sich den Genießern zuwenden sollte. Ideen habe er bereits für die kommende Saison. Vor allem im Eventbereich setzt er auf die Wow-Effekte: Themenabende mit dem Besten vom Besten auf der großen Terrasse des Hotels beispielsweise.

Als man sich schon verabschiedet hat, dreht sich der Neue auf den Treppen zwischen den schwarzen Kanonen, die den Besucher am Eingangsportal des Hotels erwarten, noch einmal auf dem Absatz herum und sagt: "Jetzt bin ich hier. Und ich werde auch lange hier bleiben."

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