01. Juli 2010
01.07.2010
40 Años

Irrlicht Café Katzenberger

In der Eckkneipe in Santa Ponça stehen die Urlauber Schlange. Doch die prominent gewordene Auswandererin und Betreiberin Daniela selbst bedient nur selten.

01.07.2010 | 03:00
Daniela Katzenberger ist vor allem für repräsentative Aufgaben in ihrem Café in Santa Ponça zuständig.

Fernando versteht die Welt nicht mehr. Die Eckkneipe, die nur einen Steinwurf unterhalb seines Restaurants in Santa Ponça im Südwesten von Mallorca liegt, habe eigentlich noch nie funktioniert, sagt er. Anderthalb Jahre lang stand sie leer. Der Brite, der davor sein Glück als Gastronom versucht hatte, warf nach 18 Monaten hin. Doch seit ein paar Wochen tut sich Seltsames. Das Lokal befindet sich im ständigen Belagerungszustand von deutschen Urlaubern. Selbst am vergangenen Donnerstag, als die Kneipe wegen des Feiertags in Calvià geschlossen hatte, drückten die Menschen die Nase an die verrammelte Eingangstür. Gegenüber auf dem Parkplatz sammelt sich täglich eine Mietwagenflotte wie auf Palmas Flughafen. „Impresionante" (beeindruckend), findet Fernando.

Er weiß nicht, dass die Betreiberin Daniela Katzenberger heißt und in Deutschland mittlerweile eine kleine Berühmtheit geworden ist, weil sie im privaten Fernsehsender „Vox" eine Hauptrolle der Auswandererserie „Goodbye Deutschland" spielt. Auch liest Fernando nicht die „Bild"-Zeitung, die begleitend darüber berichtet, wie viel die Blondine in ihre Oberweite und die aufgespritzten Lippen investiert.

An Tagen, an denen die Ludwigshafenerin selbst im „Katzenberger-Café" sitzt, stehen die Menschen gar Schlange, um einen Sitzplatz zu ergattern. Auch Roswitha Castan aus Pforzheim, die gleich ihre ganze Familie mitgebracht hat. Eigentlich, sagt sie, sei so etwas ja nicht ihr Niveau, aber jetzt wolle sie dann doch mal gucken, ob „die Katze wirklich so ne schlappe Gosch" habe wie im Fernsehen.

Daniela Katzenberger erfüllt jeden Autogrammwunsch mit einem höflichen Lächeln. Sie selbst bedient nur manchmal. Und ist auch nicht immer da. Sie sei schon noch oft in Deutschland, wegen der Geschäfte, sagt sie. Eigentlich habe Daniela Katzenberger im Café mehr repräsentative Aufgaben, meint denn auch eine Sprecherin der Fernsehproduktionsfirma, die für „Vox" die Sendung produziert. Schließlich kämen die Leute ja wegen ihr. Sie wollten sehen, wie die Katzenberger ihren Traum „vom eigenen Ding" auf Mallorca verwirklicht.

Aber so ganz ihr eigenes Ding ist das Café dann scheinbar doch nicht. Der Betreiber ist ein Wirt aus Leipzig, wo auch die Produktionsfirma ihren Sitz hat. Und Entscheidungen wie die über die Aufstockung des Personals von sechs auf acht Mitarbeiter trifft nicht Daniela Katzenberger. „Ist doch normal", findet sie. Schließlich sei sie ja erst 23 und habe noch nicht viel Erfahrung. Daraus, dass sie das Projekt gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner aufzieht, habe sie nie einen Hehl gemacht. Immer noch besser als die Mutter auf die Insel zu holen, die in Ludwigshafen ebenfalls ein Café betreibt, meint Daniela Katzenberger. Mutters Tochter wie bisher wolle sie nun wirklich nicht mehr sein.

Die „Goodbye Deutschland"-Fangemeinde wartet derweil schon mit Spannung auf den 13. Juli. Dann wird auf „Vox" gezeigt, wie Daniela Katzenberger vor einigen Wochen ihr Café auf Mallorca eröffnete. „Mit 700 Gästen." Geplant sei noch eine weitere Sendung über den ersten Sommer im Café.

Und dann? Tja, dann müsse man mal sehen, sagt sie. Sicher ist, dass sich die Fernsehmacher jemanden anderes suchen werden, den sie in die Welt hinaus schicken. Katzenberger macht sich über die Zeit nach „Goodbye Deutschland" keine Sorgen. Es solle nicht vermessen klingen, sagt sie: „Aber ich stehe jetzt so in der Öffentlichkeit, dass sich mir viele andere Türen öffnen." Angebote habe sie viele.

Bliebe noch das Café. Viel verändert hat sich in dem Lokal nicht seit der Übernahme. „Die haben da nur zwei Schilder angebracht", sagt Fernando. Eine Investition in die Zukunft sieht anders aus.

In der Printausgabe vom 1. Juli (Nummer 530) lesen Sie außerdem im Ressort Gesellschaft:

- Im Gespräch: Unternehmer Peter Blasi, der Herr der Türen

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