23. August 2012
23.08.2012

Costa Cordalis: Der Menschen-Fischer aus Santa Ponça

Der Sänger beglückt die Menschheit seit Jahrzehnten mit seinen Schlagern. 150 Konzerte gibt er im Jahr, auch die Jüngeren finden ihn cool. Wie macht er das bloß?

23.08.2012 | 03:00
?Ich freue mich immer, wenn Menschen mich ansprechen": Costa Cordalis

Wenn sich Costa Cordalis braun­gebrannt, mit seiner seit fast ewigen Zeiten unveränderten Frisur und mit raumgreifenden Schritten durch die Straßen von Santa Ponça bewegt, zieht er fast magisch die Blicke von Deutschen auf sich, die hier leben oder Urlaub machen. "Hallo Costa", schallt es beim Interview-Termin auf der Terrasse einer Eckkneipe vor dem Eroski-Einkaufszentrum aus einem metallic­farbenen Mercedes-Coupé, und der so Angesprochene wirft Kussmünder zurück. Aus einem vorbeifahrenden Geländewagen der gleichen Automarke mit deutschem Nummernschild wird scheel und überrascht zugleich geguckt.

Der mittlerweile 68-jährige Schlagersänger ist das Erkanntwerden gewohnt - auf Mallorca, wo er seit 24 Jahren das Sommerhalbjahr verbringt, und natürlich auch in Deutschland. Seit über 40 Jahren ist er mittlerweile dick im Schlager­geschäft. Ein Star zum Anfassen. "Ich freue mich immer, wenn Menschen mich ansprechen oder um ein Autogramm bitten, es wird mir nie zu viel", sagt der gebürtige Grieche, der sich 1976 in der legendären ­ZDF-"Hitparade" mit dem Gassenhauer "Anita" ganz tief in die Herzen von Millionen TV-Zuschauern sang, die inzwischen fast oder ganz im Rentenalter sind und den Künstler fest zum Inventar ihres Erfahrungsschatzes zählen.

Kultfigur im MegaPark
Und bei der Generation der Älteren ist es nicht geblieben. Zu seinen wöchentlichen Auftritten im MegaPark und im Oberbayern am Ballermann oder in Deutschland strömen seinen Angaben zufolge seit zwei bis drei Jahren zunehmend auch sehr viele ganz junge Leute um die 20. "Ich bin Kultfigur für die", sagt Cordalis und nippt an seinem Kaffee.

Heutzutage gehe kaum eine Party mehr ohne Schlager über die Bühne, und er und sein Sohn Lukas (42) mischten auf dieser Schiene seit Jahren mit Songs wie "Viva la noche" kräftig und erfolgreich mit. Besonders "cool" fänden ihn die Youngsters seit dem Jahr 2004, als er in der ersten Folge des RTL-Erfolgsformats "Ich bin ein Star - holt mich hier raus", in welchem unter anderem Insekten vertilgt wurden, Dschungelkönig wurde. "Und außerdem reicht den Menschen in Deutschland angelsächsische Musik nicht mehr aus."

Investment Liebe
Zu dieser anhaltenden Popularität, die sich so viele Schlagersänger meist vergeblich wünschen, habe wohl entscheidend sein umgängliches Auftreten beigetragen, ist Cordalis überzeugt. "Ich schenke dem Publikum Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Liebe." Die Menschen spürten, dass er sie glücklich machen wolle. Das liege sicherlich an seinem sonnigen, eben griechischen Gemüt. "Wenn du nicht ­Liebe investierst, kriegst du das nicht hin." Es gehe gar nicht, eine Show anderthalb Stunden ohne Zugaben durchzuziehen und dann einfach zu verschwinden. Und klar, er wisse aus Erfahrung, was die Leute wollen.

Und so ist es fast eine logische Folge, dass häufig auf den Tischen getanzt wird. So wie am Sonntag (19.8.) in dem unter Deutschen sehr beliebten griechischen ­Restaurant "Nisos" im feinen Port d´Andratx, als abends - Buffet inklusive - bewusst das dort übliche gesetztere und wohlhabendere Urlauber-Publikum angesprochen wurde, was auch bestens funktionierte. Es sei ein Experiment gewesen, "wir wussten gar nicht, ob das ankommt". Beim Auftritt von Cordalis und seinem Sohn in dem Ort ganz im Insel-Westen bildete sich eine beachtliche Menschentraube neugieriger wohl meist deutschsprachiger Feriengäste. Den Sänger wundert das nicht allzu sehr: "Die sind schließlich mit mir aufgewachsen". Zum Ballermann würden diese Leute wohl eher selten finden.

Zu "Anita" verdammt
Bisher sei es ihm noch nicht gelungen, auch nur einen seiner jährlich weiterhin etwa 150 Gigs - TV-Auftritte nicht mitgezählt - ohne "Anita" zu absolvieren, sagt Cordalis. Und dies, obwohl er 400 selbst komponierte Songs aus dem Stegreif auswendig könne. ­Fange er einmal nicht mit "Anita" an, würde das Verlangen nach seinem bekanntesten Hit bald lautstark vom Publikum artikuliert.

Und so gebe er den Fans, was sie wollen, auch am vergangenen Samstag (18.8.), als er vor Tausenden Fans in ­Essen bei einem WDR-Get-together der Schlagerstars auftrat. In seinen Konzerten sei griechische Sirtaki-Musik ebenfalls ein Muss, am besten mit der auf dem Rücken gespielten viersaitigen griechischen Bouzouki-Gitarre, die Cordalis seit Kindesbeinen fast im Schlaf beherrscht.

Bei dem vor allem im Sommer besonders ausgeprägten Konzertstress -"der Winter in Freudenstadt im Schwarzwald ist meine produktive Zeit mit neuen Ideen und Liedern" - muss der Sänger besonders auf seinen Körper aufpassen. "Ich trinke und rauche nicht und treibe viel Sport", so Cordalis. Außerdem meditiere er zweimal am Tag und ernähre sich so gesund wie möglich. Ohnehin sei er seit Jahrzehnten Sport-Fan - in den 80er-Jahren machte der Künstler sogar als Ski-Langläufer für Griechenland bei Weltmeisterschaften und anderen Wettbewerben mit.

Sein jahrelanger gesunder Lebenswandel hat sich mehr als gelohnt, denn Costa Cordalis fühlt sich momentan fast wie neugeboren. "Ich denke überhaupt nicht ans Aufhören", beruhigt der sanfte Barde seine Fans.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 23. August (Nummer 642) lesen Sie außerdem:
- Utz Claassen schreibt Wirtschafts-Thriller

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