22. Januar 2018
22.01.2018
40 Años

Cercle d'Economia: Einfluss nehmen, dazugehören

Schütteln auch Sie über manche Zustände auf Mallorca den Kopf? Dann könnte es an der Zeit sein, sich einzubringen – zum Beispiel im Cercle d´Economia de Mallorca

22.01.2018 | 09:54
Suchen neue Mitstreiter: Cercle-Vorstand Andreu Rotger Amengual und Geschäftsführer José Vicens.

Es ist ein Club, in den man eigentlich nicht so ohne Weiteres aufgenommen wird: Neuzugänge im Cercle d'Economia de Mallorca müssen laut Statuten von zwei Mitgliedern empfohlen werden. „Doch das sehen wir schon lange nicht mehr so streng, es reicht, sich einzubringen und andere Meinungen zu respektieren", sagt Andreu Rotger Amengual, der Vorsitzende des 1994 gegründeten Gesprächszirkels.

Den Cercle d'Economia de Mallorca als Wirtschaftsclub zu bezeichnen, greift zu kurz, vertreten sind neben Unternehmern, Steuerberatern oder Volkswirten auch Ingenieure, Rechtsanwälte, Ärzte, Akademiker. Gemeinsam mache man sich Gedanken darüber, „wie wir in diesem Land regiert werden sollten", so Rotger am vergangenen Freitag bei einem Pressefrühstück. Der 68-Jährige ist Ingenieur und leitete zwischen 2007 und 2011 den Stromversorger Endesa auf den Balearen.

In Arbeitsgruppen und bei im Schnitt drei monatlichen Veranstaltungen diskutieren die derzeit 214 Mitglieder über Themenbereiche wie Bildung, Demokratie, Wirtschaftsstrategien oder Innovation. Sie beschränken sich nicht darauf, Reden zu schwingen: Erklärtes Ziel ist es, trag- und konsensfähige Konzepte auszuarbeiten, die Regierung und Parteien an die Hand gegeben werden können.

Besondere Expertise hat der Cercle d'Economia de Mallorca mittlerweile etwa beim Thema Règim Especial de les Illes Balears (REB), der finanziellen Ausstattung der Inseln durch den Zentralstaat, über die derzeit mit Madrid verhandelt wird. Dass die balearischen Parteien hier ausnahmsweise an einem Strang ziehen, ist nicht zuletzt dem Cercle zu verdanken. Die balearische Finanzministerin Catalina Cladera, so berichtet zumindest Andreu Rotger, ruft mittlerweile vor und nach jeder Verhandlungsrunde in Madrid bei ihm an.

Eine ernsthafte Arbeit engagierter Vertreter der Zivilgesellschaft, also – von denen etliche schon ein wenig in die Jahre gekommen sind. Rotger selbst spricht von ­„Silberrücken" und wünscht sich eine Frischzellenkur für den Club: mehr jüngere Mitglieder, mehr Frauen, mehr Ausländer. Sprich: mehr von dem reellen und weniger von jenem ideellen Mallorca, von dem auch etliche bekannte mallorquinische Nachnamen in der Mitglieds­liste künden. „Dabei ist die Hälfte der Bevölkerung auf Mallorca gar nicht hier geboren – ihr müssen wir uns öffnen", unterstreicht auch der 28-jährige Geschäftsführer José Vicens Colom, ein Volkswirt.

Die politische Bandbreite unter den Mitgliedern ist groß – sogar ein, zwei Kommunisten seien dabei, heißt es. In der Praxis finde man sich dann aber doch meist in der politischen Mitte: „Wir sind eher liberal und reflexiv, legen Wert auf Argumentation", so der Vorsitzende, der die Zahl der Mitglieder auf etwa 300 erhöhen möchte.

Von dem Treffen mit den deutschen Chefredakteuren erhofft Rotger sich zumindest ein Dutzend deutschsprachiger Mitstreiter.
Bereits mit dabei sind der PR-Berater Michael Blum und die deutsch-spanische Vermögensberaterin Isabel del Pino. Bei Veranstaltungen und Treffen wird zu etwa 60 Prozent Mallorquinisch gesprochen, zu 40 Prozent ­Spanisch. ­Gelegentliche englische Veranstaltungen sind geplant.

Ausländischen Neuzugängen soll zu Beginn ein Pate beiseitestehen, der die Cercle-Welt erklärt und die Mitglieder vorstellt. Denn natürlich geht es auch um Networking, wie Rotger in einem Nebensatz zugesteht. „Die mallorquinische Gesellschaft ist eher verschlossen – wir ermöglichen den Zugang zu ihr", sagt auch Matias Mut. Der Geschäftsführer der Puro-Gruppe leitet die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe Internationalisierung.

Exklusiven Zugang vermag der Cercle auch zu prominenten Gesprächspartnern verschaffen: Zwar sind viele der mit einem Jahresetat von gerade mal 100.000 Euro und zwei festen Mitarbeitern auf die Beine gestellten Veranstaltungen öffentlich, die anschließenden Abendessen mit den häufig hochrangigen Gästen aber sind dann den Cercle-Mitgliedern vorbehalten. Nächster Gast ist am 1. Februar der ehemalige spanische Sozialistenchef, Spitzenkandidat und Minister Alfredo Pérez Rubalcaba.

Weitere Informationen sowie Kontaktdaten im Internet unter www.cerclemallorca.org. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 35 Euro im Monat. Unter 35-Jährige zahlen 25 Euro.

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