23. Februar 2018
23.02.2018
40 Años

Achtung, Zombies! Mallorca vor der Apokalypse

Capdepera wird am Samstag (24.2.) von Untoten überrannt – und von vielen Hundert Survival-Gamern. Klingt blöd, könnte aber sehr unterhaltsam sein. Was erwartet die Teilnehmer? Und was die Anwohner?

28.02.2018 | 18:17
Achtung, Zombies! In Capdepera wird es am Samstag (24.2.) von Untoten wimmeln. Aber keine Angst: Die Horror-Gestalten werden Nicht-Teilnehmer ignorieren.

„Das ist doch albern" – diesen oder ähnliche Sätze hat Dani Molina in den vergangenen Monaten oft gehört. Doch seit einigen Wochen schweigen die Kritiker, wollen teilweise sogar selbst Teil des Events sein, das der 28-Jährige am Samstag (24.2.) nach Capdepera im Nordosten von Mallorca holt. Mehr als 800 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet für das Reality-Spiel „Survival Zombies", das dem Ort apokalyptische Stimmung einhauchen wird.

Zugegeben, es klingt zunächst tatsächlich albern: Erwachsene Menschen verstecken sich des Nachts stundenlang vor anderen Erwachsenen, die wiederum als Zombies verkleidet dafür sorgen, dass Erstere es schwer haben, die über den Ort verteilten Aufgaben zu lösen. Wer von den Zombies berührt wird, wird selbst zu einem. Keine Frage: Das ist ganz schön abgedreht!

Doch Dani Molina ist kein Freak. Seit fast zehn Jahren koordiniert er das Jugendzentrum in Capdepera, hört zu, was die jungen Leute bewegt und interessiert, setzt sich ein. Die Survival-Games seien in den vergangenen Jahren in Spanien zu einem Trend geworden, das Internet sei voll von Videos, die die Spektakel in anderen Städten dokumentieren, sagt er und hat recht: Bei Youtube erscheinen zahlreiche Zusammenschnitte, einige wurden mehrere Hunderttausend Mal geklickt.

Und je länger man zusieht, desto reizvoller erscheint der Spaß, desto greifbarer wird das Adrenalin der Teilnehmer, desto mehr steigt die Lust mitzurennen, wenn die Untoten plötzlich hinter einer Straßenecke auftauchen, mitzuknobeln, wenn es an eine Aufgabe geht. Dani Molina hat es selbst ausprobiert, reiste extra nach Ciudad Real nahe Madrid, um zu erleben, was den Trend ­ausmacht. „Schrecken, Angst, Panik, Triumph – all diese Dinge, die man sonst nur in Horrorfilmen spürt, kann man hautnah erleben." Das
reize gerade Menschen um die 30.


Abgestimmtes Drehbuch

Fast ein Jahr ist es her, dass Molina das Madrider Unternehmen World Real Games (WRG) kontaktiert hat. Mehr als 160 Apokalypsen unter dem Namen „Survival Zombie" haben die Mitarbeiter bereits in Spanien und Lateinamerika inszeniert, Mallorca war bisher nicht darunter. Zwar hätten auch andere Insel­gemeinden das Spektakel gerne bei sich gehabt, weiß Molina. „Aber scheinbar war es ihnen dann zu viel Aufwand." Er hat den Überblick darüber verloren, wie viele Stunden er im vergangenen dreiviertel Jahr an den Vorbereitungen gesessen hat. „Auch wenn ich der Einzige war: Ich habe immer daran geglaubt. Im Rathaus belächelte man mich, aber ließ mich machen."

Bei der Schauplatz-Besichtigung im November nahm die Planung erstmals konkrete Züge an. „Wir waren von Capdepera als Austragungsortsofort begeistert", sagt WRG-­Produzent Luis Gonález am Telefon. Ein Regisseur und ein Drehbuchautor der Firma begleiteten ihn damals auf der Reise von Madrid in den Inselosten. Denn jedes Spektakel, das die Profis organisieren, ist anders. Stets wird eine neue Dramaturgie entwickelt, die zum Ort, seiner Geschichte und den Begebenheiten passt. Die engen Gassen, die alten Gebäude, das Schloss – all das überzeugte die Profis auf Anhieb. Fast täglich sind Molina und Produzent González seitdem miteinander in Kontakt.

„Das Wichtigste ist die Sicherheit", so Molina und deutet auf einen detaillierten Notfallplan. Nicht, dass Außenstehende etwas zu befürchten hätten: Jede Zombiegruppe wird von einem professionellen Schauspieler begleitet, die Anweisungen sind klar: Nicht-Teilnehmer werden ignoriert. Zwei Straßen im Ortskern werden für den Verkehr gesperrt. Ansonsten werde das Leben der Anwohner nicht großartig durch die über 800 mit grünen Halstüchern gekennzeichneten Überlebens-Kämpfer beeinträchtigt, prophezeit Molina. „Das läuft alles erstaunlich leise ab. Man will ja keine Zombies auf sich aufmerksam machen."

Simulierte Waffen oder andere Gewaltsinszenierungen gibt es in Capdepera auch nicht – abgesehen von den tödlichen Zombie-Bissen natürlich. Stattdessen warten Feuer- und Rauchspektakel und schaurige Kulissen über den Ort verteilt auf die Teilnehmer. Das Equipment sowie rund 100 erprobte Zombie-Schauspieler bringt die Firma vom Festland mit. „Es ist ein ganz schöner Aufwand, aber wir haben Lust, auf die Insel zu kommen", so González. Ausgebrannte Autowracks zur Untermalung der apokalyptischen Stimmung organisiert dann aber doch die Gemeinde. González: „Die auf dem Schiff zu transportieren, wäre dann doch etwas schwierig." Auch die Panzer, die an einigen anderen Orten eingesetzt werden, bleiben auf dem Festland.

Mehrere Gastronomen im Ort erklärten sich nach erstem Zögern zur Kooperation bereit: In zahlreichen Bars werden Ruhezonen eingerichtet, in denen die Überlebenden vor den Untoten sicher sind und verschnaufen können – immerhin startet das Spiel um 20 Uhr mit einer szenischen Einführung am Schloss, verteilt sich dann über den gesamten Ortskern und endet erst sieben ­Stunden später – um 3 Uhr morgens. Wer dann noch „lebt" und die meisten Aufgaben gelöst hat, bekommt eine Reise und Geld geschenkt.


Statement gegen Sauftourismus

Den Teilnehmern mag es vor allem um Spaß, Action und Abenteuer gehen, die Gemeinde gibt sich weitsichtiger: Körperliche Bewegung und Interaktion seien eine gute Alternative zu Zombie-Games auf der Spielkonsole. Und: Alkohol und Drogen sind den Teilnehmern während des Spiels strengstens untersagt. Gerade in der Küstengemeinde, die im Sommer mit Sauftourismus zu kämpfen hat, ein klares Statement. 6.000 Euro lässt sich das Rathaus den Spaß kosten – nicht zuletzt, um endlich auch mal imWinter Leute anzulocken.

Der Plan, an den lange nur Dani Molina geglaubt hat – er rechnete mit etwa 200 Anmeldungen – geht mehr als auf: Allein vom Festland hat sich bereits ein ganzes Kreuzfahrtschiff mit Hunderten von Survival-Fans angekündigt, einige davon fahren jedes Wochenende auf ein anderes Zombie-Event. Molina: „Sie haben mehr Zombie-Erfahrung als viele Teilnehmer aus dem Dorf, dafür kennen sie aber weder den Ort noch Verstecke oder Abkürzungen." Auch Produzent González ist sich sicher: „Hier hat keiner einen Vorteil, es kann jeden treffen." Nur Einzelkämpfer hätten es schwer. Molina: „Ohne Teamwork geht es kaum. Wer überlebt schon allein eine Apokalypse?"

Karten gibt es bis Samstag auf http://zombies.es/entradas/survival-zombie-capdepera für 35 Euro. Kinder ab zehn Jahren dürfen nur in Begleitung von Erwachsenen teilnehmen, Jugendliche ab 14 Jahren nur mit schriftlicher Erlaubnis. Tipp: Festes Schuhwerk und Smartphone mitbringen!

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