24. Februar 2018
24.02.2018
40 Años

Ärzte ratlos: Warum wurde Alex Joligs Frau Britt so krank?

Alex Jolig war Big-Brother-Star der ersten Stunde. Seine Frau Britt, Ex-Model, sprang dem Tod gleich mehrfach von der Schippe. Gut, dass sie eine Frohnatur zur Seite hat

26.02.2018 | 11:53
Halten aneinander fest: Britt und Alexander Jolig, der sich kurz Alex nennt.

Im Jahr 2000 ließ sich Alexander Jolig vor laufenden Kameras einsperren. Er war Kandidat in der ersten Staffel der RTL-II-Show „Big Brother". Auf 153 Quadratmeter Wohnfläche trat er mit zeitweise 13 Bewohnern an, um 250.000 DM Preisgeld zu gewinnen. Prüfungen mussten in Live-Shows bestanden werden, um gutes Essen ins Haus zu holen. Am Ende wurde er nach 64 Tagen aus den Container rausgewählt, die Show endete nach 102 Tagen.

Nach 17 Jahren stand erneut eine Prüfung an, eine ungleich ernstere. Alexander Jolig kämpfte an der Seite seiner Frau Britt um nicht weniger als ihr Überleben. Das Paar ist seit 2012 verheiratet und pendelt zwischen Mallorca und Bonn. Sie waren gerade in Deutschland, als ihn seine Frau anrief: „Mir geht's nicht gut, komm bitte nach Hause." Er hatte allen Grund, alarmiert zu sein.

"Höllische Schmerzen"


Nachdem Britt im Jahr 2016 wegen eines bösartigen Tumors an der Brust operiert worden war, hatte man bei ihr Anfang 2017 eine Riesenzell­arteriitis mit zere­braler Beteiligung diagnostiziert. Eine Autoimmun­krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Britt fühlte sich ständig erschöpft, verlor stark an Gewicht, litt unter „­punktuell höllischen Schmerzen", die Ärzte stellten sogar einen kleinen Schlaganfall fest, den sie als Migräneanfall verbucht hatte.

Als Alexander Jolig in ihrem gemeinsamen Zuhause in Bonn ankam, fand er seine Frau im Badezimmer. Sie klagte über Schmerzen im Unterleib, war kurz davor, zu kollabieren. Gegen ihren Willen rief er einen Krankenwagen. In der Klinik wurde schnell klar, dass sich ihre Milz zersetzt hatte und sie schon begonnen hatte, innerlich zu bluten. Zwei Tage musste sie mit Blutkonserven aufgepäppelt werden, bevor die Milz in einer Not-OP entfernt werden konnte.

Und es sollte noch schlimmer kommen, wie uns die beiden an einem regnerischen Tag in ihrer Wohnung in Portocolom erzählen. Im Kamin brennt ein Feuer, der Blick vom Wohnzimmer aus auf die diesige Bucht lässt die kuscheligen Sessel noch gemütlicher ­erscheinen. Dass Britt Jolig das letzte Jahr nur knapp überlebt hat, merkt man ihr nicht an. Sie ist vielleicht etwas dünn, aber das ist nichts Ungewöhnliches für ein ehemaliges, international erfolgreiches Model. Nach ihrem Karriereende betrieb sie 2001 auf der Insel zunächst ein Land­hotel. 2002 eröffnete sie dann zusammen mit einem Geschäftspartner die Vermittlungsagentur fincas4you.com, wo die 50-Jährige heute noch Geschäftsführerin ist.

Alexander Jolig und sie haben 2012 geheiratet. Zum ersten Mal waren sie sich schon 1983 begegnet, als er in Bonn als Türsteher der Disco „Die Falle" arbeitete. Viel zu tun miteinander habe man damals aber nicht gehabt und sich erst sehr viel später wieder getroffen. „Ich war damals 16, aber er hat uns immer in die Disco gelassen", sagt sie.

Alexander Jolig stand an derselben Tür, als das Schicksal anklopfte und der damalige Besitzer der „Falle" den Laden abgeben wollte. Zusammen mit seinem Türsteher-Kollegen Wilfried Dung übernahm er die Disco, nach und nach erweiterten sie ihr Engagement, bis ihnen neben der „Falle" auch die Lokale „Kaisercafé", „Imperatore", „Stumpf", „Casa del Gatto", „Stadtgarten", „Rheinlust" und „Rhein­garten" gehörten.

Der mit der Schwimmweste

Alexander Jolig sei damals ein auffälliger Typ gewesen, der auch mal eine Schwimmweste trug, sagt Britt. „Äußerlich war ich schon immer sehr extrovertiert, dabei bin ich eher zurückhaltend", ergänzt er. Was daran liegen würde, dass er in der Schule nicht gut Deutsch sprechen konnte und daher lieber geschwiegen habe. Geboren wurde er zwar in Stuttgart, aufgewachsen ist er jedoch im Ausland.

Alexander Joligs Vater war Diplomat. „Als ich vier Wochen alt war, ist er mit uns nach Pakis­tan gezogen." Durch das ganze Land seien sie gereist, es gebe Filmaufnahmen, wo er zwischen Elefanten auf dem Töpfchen sitzt. Nach zwei Jahren wurde der Vater nach Brasilien versetzt, in Recife besuchte Alexander eine brasilianische Vorschule: „Ich konnte besser Portugiesisch als Deutsch sprechen, was schon an den ganzen Nannys lag." In Recife kam auch sein Bruder Andreas auf die Welt. Als Alexander acht wurde, ging es nach Madrid, wo er die Deutsche Schule besuchte. Über einen kleinen Umweg nach Laos (Nigeria) und Bremen landete er schließlich in Bonn, wo der Vater ein Mehrfamilienhaus besaß. Da war Alexander 14 Jahre alt. Bis zum 17. Lebensjahr besuchte er ein Internat im Odenwald, „aber nicht die Odenwald-Schule!", und absolvierte nach dem Abschluss eine Druckerlehre.

„Der Plan war, dass ich entweder nach Brasilien gehe, wo ein Freund der Familie eine Druckerei besaß, oder nach Kapstadt, wo mein Onkel die Metalldruckerei Metalgrapho gegründet hatte." Doch dann fing er an, als Türsteher zu jobben und machte im Jahr 2000 bei „Big Brother" mit.

Fanbasis im Iran

Jolig nutzte die damalige mediale Erfolgswelle, nahm die Single „Ich will nur dich" auf, die auf den dritten Platz der deutschen Charts landete, spielte in B-Movies in den USA eine Rolle („Pythons 2") und war bei der Reality-Show von ProSieben „Die Burg" zu sehen. Privat sorgte er für Schlagzeilen, nachdem nach einer kurzen Liaison mit Jenny Elvers der gemeinsame Sohn Paul zur Welt kam und sich das Paar schnell wieder trennte. 2008 hatte er noch einmal einen Auftritt mit seinem Erfolgs-Song in Dubai, in der Region habe er noch eine Fan-Basis, ebenso wie im Iran. „Warum, weiß ich selbst nicht."

Heute ist der 55-Jährige Chef der Moto Lifestyle GmbH, organisiert für den größten Partner Suzuki Promotion-Touren oder Messeauftritte und gibt das deutsche Club-Magazin des Motorradherstellers heraus. Als Selbstständiger ist er Herr über seine Zeit. Britt begegnete er 2011 wieder in Bonn, sie verliebten sich, heirateten. „Vaddi", wie sie ihn vielleicht mal scherzhaft, aber jetzt vollen Ernstes nennt, ist seither an ihrer Seite. Zum Glück.

Neue Not-OP am Herzen

„Eine Woche nach der Milzoperation, ich war wieder zu Hause und konnte nicht schlafen, habe ich mit einem Freund telefoniert und merkte, dass ich mich komisch anhöre." Sie ging zum Bade­zimmerspiegel und sah, dass ihre Gesichtszüge hingen. „Ich hatte plötzlich keine Kontrolle mehr über meine Hand, konnte kaum noch sprechen." Sie lief zu ihrem Mann und schrie: „Ich habe einen Schlaganfall." Wieder ging es ins Krankenhaus, dort stellte man am Herzen ein Vorhofflimmern fest. Doch am Landeskrankenhaus Bonn hatte man keinen Kardio­logen, es musste erst einer aus dem Partner­krankenhaus kommen. „Da ­Pfingsten war, haben sie mich zwei Tage liegen lassen."

Als der Kardiologe kam, stellte man fest, dass sich ihre Herzklappe zersetzt hatte. Es musste sofort operiert werden, sieben Stunden dauerte der Eingriff, bei dem ihr das Brustbein durchgesägt und eine neue organische Herzklappe eingesetzt wurde. „Schwein gehabt", sagt sie. Die Klappe stamme von einem Tier. „Als Veganerin kann ich nicht mehr leben", sagt sie und lacht. Es sei wichtig, bei allem Ernst der Lage den Humor nicht zu verlieren.

Was folgte, war eine monatelange Reha, an deren Ende sie das Schreiben, Sprechen und Lesen wieder lernen musste. „Das ist heute noch meine einzige Angst, dass ich noch einen Schlaganfall erleide." Aber ansonsten funktioniere sie tipptopp und müsse auch nur eine Pille zur Blutverdünnung nehmen, alle anderen Medikamente konnte sie absetzen. Darunter auch die starke Kortisonbehandlung, mit der die Autoimmunkrankheit bekämpft wurde.

Die Frage, die die beiden heute noch beschäftigt, ist: „Warum ist diese Krankheit ausgebrochen?", sagt Alexander Jolig. Vielleicht hat sie sich einen Keim im Krankenhaus eingefangen, der über das Herz das nächstliegende Organ, die Milz, angegriffen habe. Genau können das die Ärzte nicht sagen.

Was die beiden wissen, ist, dass sie jeden Moment im Leben ­genießen wollen. Sie habe schon im Krankenhaus immer gesagt: „Ich bin so froh, dass wir die letzten sieben Jahre so viel unternommen haben." Genau so wollen sie auch weitermachen.

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