01. Juli 2018
01.07.2018

Mallorca-Liebe: Schloss aus Sand statt Eigenheim

Klare Prioritäten: Christel und Günter Blatz reisen für ihr Leben gern. Dafür verzichten sie im Alltag auf Luxus. Nach 50 Jahren urlaubte die Familie wieder gemeinsam auf Mallorca

01.07.2018 | 01:00
Familie Blatz in Palma de Mallorca: Jürgen, Wolfgang, Christel, Günter und Michael

Günter und Christel Blatz haben sich nie ein Eigenheim gegönnt, nie einen Führerschein gemacht, nie im Luxus gelebt. Er habe damals, kurz nach ihrer Hochzeit vor fast sechs Jahrzehnten, zu ihr gesagt: „Wie bauen uns kein Haus. Aber an den schönsten Stränden der Welt baue ich dir immer eine Sandburg." Oder hatte er den Satz als Frage formuliert? So ganz genau wissen die beiden es heute nicht mehr. „Ich war auf jeden Fall einverstanden, und er hat sein Versprechen auch eingelöst", sagt Christel Blatz und grinst. Mehr als 80 Länder haben die Heidelberger bereits bereist, vielleicht auch 90. Es gibt keinen Kontinent, den die mittlerweile Anfang 80-Jährigen nicht schon mehrmals betreten haben, auch auf Mallorca waren sie oft, und überall baut Günter seiner Christel Burgen, bis heute. „Auch wenn sie immer kleiner werden", sagt er und lacht.

Wenn die Blatz erzählen, dann ergänzen sie sich gegenseitig. Sie sind ein eingespieltes Team, der ehemalige Eisenbahner im öffentlichen Dienst und die einstige Apothekenhelferin, das merkt man sofort. „Der erste Urlaub ging damals an die Nordsee", so Christel. „Die Reiselust lag bei mir in der Familie", erklärt Günter. „Vor 150 Jahren reisten meine Groß­eltern mit dem Dampfzug bis nach Hamburg, das war damals eine richtige Tour. Vor 100 Jahren fuhren meine Eltern nach Österreich und in die Schweiz." Und vor 50 Jahren, ergänzt Christel, seien sie beide mit ihren kleinen Söhnen nach Mallorca gekommen. Eine der ersten Reisen, auf der die junge Familie zusammen unterwegs war. Ein altes Schwarz-Weiß-Foto erinnert an die Zeit.

„Jetzt ist das erste Mal, dass wir wieder in der gleichen Besetzung auf der Insel sind", sagt Wolfgang, der Mittlere der Blatz-Sprösslinge. Auf dem 50 Jahre alten Bild ist er fünf, sein großer Bruder Michael neun und sein kleiner Bruder Jürgen zwei Jahre alt. Sie gucken freudig-erstaunt in die Kamera des Straßenfotografen. Heute genießen sie Café und Cola auf dem Borne. „Cola durften wir im Urlaub auch als Kinder immer trinken, das war toll", sagt Wolfgang und grinst. Die drei schenkten ihren Eltern die Mallorca-Reise zu Weihnachten. „Eine Kopie des alten Fotos war zerschnitten, und wir mussten es zusammensetzten, um zu erraten, was das Geschenk ist", sagt
Christel Blatz.

Diesmal stiegen sie in den Ferienflieger. Vor 50 Jahren reisten sie mit dem Zug von Deutschland nach Barcelona. Im Schlafwaggon, mit Lunchpaketen und Schlauchboot im Gepäck und schicker Garderobe am Leib: „Blazer und Hemd waren normale Reisekleidung", so Mutter Blatz. Dann ging es mit dem Schiff weiter auf die Insel. „Für mich war es wohl das erste Mal am Mittelmeer", so Michael. Er ist der Einzige unter den Brüdern, der sich noch wage an den Hotelaufenthalt erinnern kann. Auch seine Liebe zur Insel ist geblieben: Seit zwei Jahren hat er eine eigene Wohnung in Palma, die er als Zweitwohnsitz nutzt. Der Jüngste, Jürgen, trainiert regelmäßig für seine Triathlon-Wettkämpfe auf Mallorca, und Wolfgang hat eine Spanierin geheiratet. „Obwohl meine Eltern so viel gereist sind und so viele Länder besucht haben, ist Spanien das Land unserer Liebe", sagt Wolfgang.

„Mir gefällt es immer dort am besten, wo ich gerade bin", sagt sein Vater mit verschmitztem Gesichtsausdruck. Vielleicht ist es diese lebensbejahende Einstellung, die das Rentnerpaar bis heute fit hält. „Wir pflegen uns gegenseitig", sagt Christel und zwinkert ihm zu. Und natürlich ihre Neugier und ungebrochene Reiselust. Drei, vier Mal im Jahr verlassen sie Heidelberg. Während andere mit dem Eintritt ins Rentenalter in ein Loch fallen, nutzten die beiden ihre freie Zeit. „Dieses Jahr waren wir schon in Thailand und der Türkei, jetzt sind wir ein paar Tage hier auf Mallorca." Und im September gehe es in die Arabischen Emirate. „Noch bevor Günter von einer Reise zurückkommt, hat er immer schon die nächste gebucht", sagt Christel. Für Langeweile sei da gar keine Zeit – vor allem, weil er die Reisen vorher immer genau plane. Denn einfach nur im Hotel herumliegen, das ist nicht so sein Ding.

Seit dem Familienbesuch vor 50 Jahren ist das Ehepaar noch fünf, sechs weitere Male auf der Insel gewesen, teils mit einem der Söhne, aber nie wieder mit allen zusammen. „Wir kennen so ziemlich alle Ecken", sagt Günter Blatz. Erst am Vortag hätten sie eine Ganztagestour unternommen. Von Palma nach Andratx über Banyalbufar, Valldemossa und Sóller wieder zurück nach Palma. „Wir wollen immer etwas Neues sehen. Es ist doch schön, wenn man sich dann nachher darüber austauschen kann", findet Christel.

Nicht nur mit der Planung, sondern auch mit der Nachbereitung der Urlaube hat Günter Blatz einiges zu tun. Früher filmte er mit einer Super-8-Kamera. Mittlerweile hat er auf eine Digicam umgestellt und verbringt die Tage nach der Reise damit, die Aufnahmen zusammenzuschneiden und mit erklärendem Text zu unterlegen. „Das muss man sofort machen, sonst vergisst man die Einzelheiten wieder", sagt er. Die Blatz-Söhne wissen nicht, wie viele Filme aus Indien, der Südsee, Australien und Co. sie schon angesehen haben, bei denen stets ihre Mutter in die Kamera lächelt. „Aber es ist doch schön, sich darüber zu unterhalten", findet Christel. Auch mit ihren Enkeln, die mittlerweile erwachsen sind und ähnlich reiselustig zu sein scheinen.

Trotz der Abenteuerlust: Auszuwandern kam den Eheleuten Blatz nie in den Sinn. „Wir wollen doch nah bei unseren Kindern sein." Tatsächlich wohnen Michael, Jürgen und Wolfgang bis heute nur wenige Kilometer von der Mietswohnung ihrer Eltern bei
Heidelberg entfernt – wenn sie nicht gerade auf Mallorca oder dem spanischen Festland unterwegs sind.

„Wir haben immer bescheiden gelebt, um uns die Reisen leisten zu können", sagt Christel. Und mit einem Seitenblick auf ihre Söhne: „Erben werden die nichts." Das Lachen der Männer klingt ehrlich, liebevoll. „Doch, einen großen Stapel Reise­filme", entgegnet Michael. Und letztlich seien es doch die Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, fremde Menschen, Tiere und Länder, die ihnen allen bleiben. „Die kann einem niemand wegnehmen."

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