28. Juli 2018
28.07.2018

Auswandern nach Mallorca, ohne abzuschalten

Die Düsseldorferin Petra Manuela Steiner zog 1999 nach Mallorca. Einfach nur "Happy-Ferieninsel-Feeling" liegt ihr nicht. Sie engagiert sich im Tierschutz und im Lions Club

28.07.2018 | 01:00
Hat ein Herz für Tiere und für Menschen: Petra Manuela Steiner

„Jetzt machen wir noch eine vegane Sobrassada", sagt Petra Manuela Steiner und greift nach einem Glas eingelegter Tomaten und einer Schüssel voller Sonnenblumenkerne. Es ist Donnerstagnachmittag und Steiner hat mit ihrer Freundin Prinzessin Astrid zu Stolberg zu einer kleinen Spendenaktion auf Mallorca aufgerufen: ein Küchengespräch, bei dem Frauen zusammenkommen. Zum Kochen und um einem kleinen Vortrag über den balearischen Dachverband der Tierschutzorganisationen, Baldea, zu lauschen, den Steiner vorbereitet hat. Der Tierschutz ist ein wichtiger Teil in Steiners Leben – wenn auch nicht das Einzige, für das sie sich einsetzt.

„Wir kochen heute vegan oder zumindest annähernd vegan. Man muss es ja nicht übertreiben, wir sind ja alle keine Fanatiker", sagt Gastgeberin Stolberg, die Steiner seit Jahren kennt. Die beiden sind Nachbarn in Binissalem.

„Mein Mann Rainer und ich kamen Ende 1999 nach Mallorca", erzählt Steiner und legt für das Interview eine kurze Kochpause ein. Steiner ist 56 Jahre alt, studierte Biologin, Schwerpunkt Umweltschutz. Wenn sie redet, wirkt sie bestimmt, aber auch angenehm offen und bodenständig. Schon immer war die Düsseldorferin eine Tierfreundin, schon immer wollte sie etwas bewegen. Unmittelbar vor ihrer Auswanderung engagierte sie sich bei Bündnis 90/Die Grünen auf Kommunal- und Landesebene. „Heute habe ich größte Hochachtung vor Leuten, die in der Politik mitmischen, bei den Hasstiraden, die man durch die sozialen Netzwerke erfahren muss", sagt sie. Mit Menschen die meckern, aber untätig bleiben, kann sie nicht viel anfangen. Ihr Motto: Halt die Klappe und mach es besser!

Als Steiner auf die Insel kam, dauerte es nicht lange, bis sie auch hier auf Dinge stieß, vor denen sie nicht die Augen verschließen wollte, erinnert sie sich. Auf den angeketteten und verängstigten Mallorquinischen Schäferhund, auf den sie bei Wanderungen durch die Tramuntana stieß. Auf Katzenbabys in Mülleimern, auf einsame abgemagerte Esel, auf Schafe und Ziegen, die mit aneinandergebundenen Füßen gehalten wurden. Schnell wurde ihr klar: Hier muss sich etwas grundlegend ändern.

Ihre erste Anlaufstelle, die Grünen-Partei Els Verds, sei keine große Hilfe gewesen. Doch sie leitete Steiner im Jahr 2007 an den zwei Jahre zuvor gegründeten Tierschutz-Dachverband Baldea weiter. Dort engagierte Steiner sich für eine Petition für strengere Tierschutz-Auflagen, die schließlich von den rund 20 teilweise zerstrittenen Vereinen mitgetragen wurde und auch bei der damaligen Inselrats-Präsidentin und heutigen Ministerpräsidentin Francina Armengol Gehör fand.

Seitdem ist Steiner Schatzmeisterin bei Baldea, plagt sich mit den Spendengeldern herum („die sind oft knapp und kommen unregelmäßig") und freut sich über die gemeinsam erzielten Erfolge. Über das Kastrationsmobil für Straßenkatzen zum Beispiel: „Da haben wir 2013 einen alten Krankenwagen bekommen. Ich weiß noch, wie ich im Schweiße meines Angesichts die alten Markierungen abschrubbte, um ihn neu bemalen zu können." Über Schulprojekte und Plakataktionen. Über die Hundewanderungen und den Erfolg, den Baldea erzielte, als Palmas Stadtbuslinie 6 zur ersten Spaniens wurde, in der die Mitnahme von Hunden erlaubt war. „Man kann etwas bewegen. Wir sind quasi die Lobbyisten der Tierschützer. Und die jungen Mallorquiner denken schon anders als die älteren Generationen. Aber es wäre schön, wenn unsere Arbeit irgendwann überflüssig wäre."

Steiner gehört nicht zu jenen militanten Tierschützern, die Tiere für die besseren Menschen halten. „Durch den Tierschutz habe ich viel tierisches Elend kennengelernt, aber oft gepaart mit menschlichem Elend", sagt sie. Vielleicht ging sie deshalb 2009 auf eines der Treffen des deutschsprachigen Lions Club in Palma, auf das sie ein Bekannter aufmerksam gemacht hatte. Auf der ganzen Welt setzen sich die Lions Clubs für in Not geratene Menschen ein. „Ich dachte immer, die Lions wären elitär und schickimicki, aber ich habe sofort gemerkt, dass es hier anders ist", sagt Steiner und grinst.

Sie blieb dabei, unterstützte das lokale Lebensmittelprojekt „Comida para todos" (Essen für alle), brachte sich ein. Seit vergangenem Jahr ist sie sogar die Vorsitzende in Palma und hat einiges vor. „Wir wollen uns zunächst einmal probeweise mit dem englischsprachigen Lions Club aus Calvià zusammentun. Denn es fehlt uns einfach an Manpower und finanziellen Mitteln." Die Verzahnung zum Tierschutz ist ihre persönliche Note. „Nicht allen im Lions Club sind Tiere wichtig, und das ist in Ordnung. Aber wir haben schon mehrmals Kontakte hergestellt und Verbindungen geschaffen."

Die Frauen bei den Küchengesprächen haben ihr Kochen mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. Ein köstlicher Duft zieht aus der Küche. „300 Euro sind für Baldea zusammengekommen und jede Menge gute Gespräche", sagt Gastgeberin Stolberg vergnügt und lächelt Steiner an. „Danke, Petra."

www.baldea.org
www.lionsclubpalma.com

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