29. Juli 2018
29.07.2018

Blind nach Mallorca: Urlaub als Herausforderung

Susanne Emmermann ist blind und Single. Trotzdem will die Berlinerin auf die Insel reisen – wenn es sein muss auch allein. Doch ein bischen Hilfe käme ihr gelegen

29.07.2018 | 01:00
Susanne Emmermann (Mitte) auf einem Mallorca-Urlaub in Port d´Alcúdia. Damals reiste sie in Begleitung

Susanne Emmermann reist gerne. Sie mag das mediterrane Klima, den Strand, das Meer auf Mallorca. Doch es ist nicht das Türkis des Wassers oder die Aussicht über die Tramuntana, die sie reizen, sondern der Duft des Salzwassers und die klare Berg-luft. Emmermann ist blind. Fünf Mal war die Berlinerin bereits auf Mallorca, immer in Begleitung. Jetzt würde sie gerne alleine reisen.

„Ich war 32, als ich die Diagnose bekam", erzählt Emmermann. Netzhautablösung. Ihr Augenlicht wurde immer schwächer, bis sie schließlich komplett erblindete. 27 Jahre ist das jetzt her. „Es war kurz nach der Wende, und ich bin im Osten aufgewachsen. Als ich das erste Mal nach Mallorca kam, habe ich also bereits nichts mehr gesehen."

Die 59-Jährige hat eine erwachsene Tochter und arbeitet als kaufmännische Angestellte. „Früher bin ich häufig mit meiner Tochter gereist, jedes Jahr irgendwohin." Doch mittlerweile habe die Tochter natürlich andere Interessen, als mit Mama in den Urlaub zu fahren. Und so bleibt Susanne Emmermann oft zu Hause. „Einen Partner habe ich nicht. Und allein bin ich noch nie gereist. Auf Mallorca könnte ich mich beispielsweise gar nicht zurechtfinden. Es wäre toll, wenn ich ein bisschen Hilfe auf der Insel finden könnte."

Nicht die Hin- und Rückreise an sich seien das Problem. „An den Flughäfen gibt es Angestellte, die Menschen mit Behinderungen begleiten. Bis in den Flieger und dann am Zielflughafen bis zum Kofferband und zum Ausgang." Ab dann jedoch seien blinde Reisende auf sich allein gestellt. „Natürlich könnte ich mich einer Blindenreisegruppe anschließen. Aber ich möchte doch auch Menschen ohne Behinderung um mich haben", sagt Emmermann. Land und Leute kennenlernen eben. Ganz normal.

Veranstalter von herkömmlichen Single-Reisen lehnten ihre Anfragen rigoros ab. „Sie sagten alle, sie hätten keine Zeit, sich um mich zu kümmern", so Emmermann. Dabei ist sie davon überzeugt, dass ihre Anwesenheit auch für Sehende eine große Bereicherung sein kann. „Seit ich nicht mehr sehe, habe ich meine anderen Sinne geschärft", erklärt sie. Sie nimmt Gerüche wahr oder
ertastet Dinge, auf die Sehende oft nicht achten. „Davon können sie profitieren."

Einmal, erinnert sich Emmermann, sei sie mit ihrer Tochter im Kloster Lluc gewesen. „Der Gang durch den botanischen Garten war etwas abenteuerlich, da hatten schon Nicht-Blinde Schwierigkeiten, nicht zu stolpern", erzählt sie. „Aber dieses Gefühl, der Gesang im Kloster, das Klima – es war einfach toll."

Eigentlich habe sie gar nicht so viel Hilfe nötig. In Hotelzimmern kann Emmermann sich schnell allein zurechtfinden, auch die nähere Umgebung kann sie je nach Standort alleine erkunden, wenn jemand sie anfangs unterstützt. „Aber eine helfende Hand am Büfett wäre nett. Ein Ansprechpartner im Hotel. Und für gelegentliche Ausflüge jemand, der mich für ein kleines Taschengeld herumführt."

Die letzten zwei Mal auf Mallorca kam Emmermann gemeinsam mit zwei anderen Blinden und einer sehenden Begleiterin aus Deutschland. „Wir haben ihr den Flug und die Unterkunft gezahlt", erinnert sie sich. Günstiger wäre es für sie, den Assistenten direkt auf der Insel zu finden. Studenten vielleicht, die sich etwas dazuverdienen wollen – und im Idealfall Deutsch oder Englisch sprechen. Denn die Krankenkasse zahle zu normalen Urlaubsreisen keinen Cent dazu. „Da muss ich mich um Stiftungsgelder bemühen, aber auch das ist nicht immer möglich", sagt Emmermann.

Auch würde sie gerne eine Unterkunft – ein kleines Hotel oder eine Pension – in der Nähe des Meeres finden, die für die Bedürfnisse Blinder offen ist. Gerade in kleineren Küstenorten, in denen sie sich schnell einen Überblick verschaffen kann und wo die Entfernungen kurz sind, fühlt sie sich wohl. „Toll wäre auch ein Bauernhof, in dem man in die Familienstruktur aufgenommen wird", so Susanne Emmermann. „Vielleicht findet sich ja jemand, der bereit dazu wäre." Die Mandelblüten sind etwas, das ihr nicht aus dem Kopf geht. Oder die Orangenblüten. „Ich habe gehört, dass sie wunderbar riechen sollen. Das einmal zu erleben wäre wirklich schön."

Tipps für passende Unterkunft oder Ausflugsbegleiter über E-Mail an susanne_em@freenet.de

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