03. Oktober 2018
03.10.2018

Top-Wissenschaftlerin von Mallorca eröffnet Tapas-Bar in Berlin

Maria del Mar Reinés Bennàssar ist Postdoktorandin am Max-Planck-Institut und betreibt eine solidarische Tapas-Bar am Alexanderplatz

03.10.2018 | 01:00
Mar Reinés und ihr Mann Ubaldo Valverde in ihrer Tapas-Bar in Berlin.

Maria del Mar Reinés Bennàssar ist 34, ginge mit ihrem Wuschelkopf an Karneval auch unverkleidet als Kleiner Prinz durch und will demnächst am Berliner Alexanderplatz Ensaimadas unter die Leute bringen. Nicht um damit reich zu werden, sondern um Kindern in Malawi eine Schulmahlzeit zu ermöglichen. Außerdem ist sie Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und eine dieser nachgefragten Wissenschaftler, die mit Stammzellen hantieren und mit der CRISPR/ cas9-Methode DNA zu verändern wissen. „Bennàssar mit zwei ,n´ und zwei ,s´", unterstreicht die Jüngste von drei Geschwistern aus Campanet im Inselinneren. „Ich bin Mallorquinerin durch und durch."

Berlin Alexanderplatz an einem Samstagnachmittag im August: Das ist ein einziges Gewusel zwischen Fernsehturm, U- und S-Bahnhöfen, Einkaufszentren, Kinos und Imbissen. Herumirrende Touristen, eilige Passanten, zwielichtige Gestalten. Kein Ort, an dem man sich als Bewohner der Stadt gern aufhält.

Eine "Oase" am Alexanderplatz


El Colmado, wörtlich: der Krämerladen, also die Tapas-Bar, die Mar Reinés gemeinsam mit ihrem Mann Ubaldo Valverde seit Oktober 2017 betreibt, liegt ein wenig abseits, fast schon am Roten Rathaus. Radio Eins, der viel gehörte Sender der Hauptstadt, hat sie jüngst als eine „Oase" in all dem Trubel bezeichnet, als einzigen Ort, an dem man noch verweilen möchte. Mar Reinés ist mächtig stolz darauf.

Der café solo kostet 2,10 Euro, der bocadillo mit Schinken, 5,50 Euro, die Flasche mallorquinischen Weins „AN/2" 27,60 Euro. Es gibt Cabrales-Käse aus Asturien, Schinken aus der Extremadura, Anchovis aus Kalabrien, alles zum Mitnehmen oder auch zum Verzehr vor Ort an den Tischen draußen oder unter einem Orangenbaum aus Plastik im Innenraum. Viele der Köstlichkeiten stammen von kleinen, ausgesuchten Betrieben in Spanien, die Reinés und Valverde direkt angesprochen haben. „Es ist nicht schwer, sie zu überzeugen. Der Gedanke, mit ihren Produkten mitten in Berlin vertreten zu sein, macht ihnen Freude", sagt Reinés. Andere Angebote – wie die ein paar Tage haltbare Ensaimada, die demnächst ausliegen soll – beziehen sie über einen Berliner Großhändler mit spanischen Produkten, Pedro Homar, ebenfalls ein Mallorquiner.

Reinés und ihr Mann haben sich an einem kalten Januartag an möglichen Standorte in Berlin gestellt und Passanten gezählt, um möglichst viel Laufkundschaft mitzunehmen. Ubaldo Valverde stammt aus León und ist ein 30-jähriger Wirtschaftsanwalt, der schon bei der Deutschen Bank gearbeitet hat und derzeit bei Bombardier beschäftigt ist. El Colmado ist vor allem sein unternehmerisches Projekt, und es ist professionell angelegt. Ähnlich wie bei Es Rebost in Palma – dem Projekt des Deutschen Helmut Clemens – ist mittelfristig eine Franchise-Kette geplant. Neben dem Essen vor Ort bieten die sechs Mitarbeiter – „alle Spanier, das ist Voraussetzung" – auch Catering an. Zu den Kunden gehören die spanische Botschaft und das nahe spanische Kulturinstitut. Spanier glucken im Ausland ebenso zusammen wie andere Nationalitäten in der Fremde auch. Auf Deutsch könne sie so ein Gespräch wie dieses nicht führen, sagt Mar Reinés. Neben Spanisch spricht sie im Alltag vor allem Englisch.

Mit jeder Bestellung Gutes tun


Jede Bestellung, egal in welchem Wert, das ist das Versprechen, trägt dazu bei, in Malawi fünf Tage lang ein Kind zu ernähren. „Ein Besuch bei uns macht Sinn, weil du nicht nur isst, sondern auch etwas gibst", heißt es in der Eigendarstellung im Netz. „Das ist kein Marketing, das ist unser Ernst", sagt Maria Reinés. Bis Anfang September habe man der schottischen NGO Mary´s Meals auf diese Weise 13.487 Euro für Schulspeisen in dem ostafrikanischen Land überweisen können. „Dass ich hier El Colmado betreibe, hat einzig mit dem solidarischen Aspekt zu tun", sagt die Top-Wissenschaftlerin. „Was soll ich denn über die Ursachen von Magenkrebs forschen, wenn anderswo noch Menschen verhungern?"

Die einstige Einser-Schülerin (Note bei der Selectividad, der Berechtigung zum Hochschulzugang: 9,1 von 10 Punkten) beweist, dass das spanische Bildungssystem funktioniert – und auch wieder nicht. „Ich bin von meinem 16. bis zu meinem 28. Lebensjahr mit Stipendien gefördert worden, aber der spanische Staat versäumt es, zu verfolgen, was aus Leuten wie mir wird." Mar Reinés ging auf eine öffentliche Schule – die IES Pau Casesnoves in Inca – und studierte dann an der Balearen-Universität Biologie. Sie promovierte auf Mallorca bei einem Spitzenforscher – dem mittlerweile in Belfast tätigen Biomediziner José Bengoechea – , kam danach für ein paar Monate bei einem Forschungsinstitut in Madrid unter – und musste schließlich ins Ausland gehen, weil sie allenfalls auf die Warteliste der infrage kommenden spanischen Wissenschaftsstipendien gekommen wäre.


Zurück nach Spanien geht es nicht

„Die Gutachter selbst rieten mir dazu, mich im Ausland zu bewerben." Nach einem Sommer Bedenkzeit auf Mallorca tat sie das dann auch: „Ich verschickte sieben E-Mails – und hatte sofort vier Zusagen." Seit November 2013 erforscht sie mit einem Team vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, wie ein Bakterium namens Helicobacter pylori Magenkrebs auslösen kann. „Madre mía, was habe ich anfangs gestaunt, was die hier für Ressourcen haben." Mar Reinés steht kurz vor der Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse – und wird danach weiterziehen an eine andere, möglichst Berliner Forschungseinrichtung.

Wegen El Colmado die Wissenschaft aufgeben will Mar Reinés auf keinen Fall. Auch eine Rückkehr nach Spanien schließt sie aus, sie fühle sich pudelwohl in Berlin. Zumal sie ja häufig auf Mallorca ist und ihre Mutter, Familie und Freundinnen in Campanet besucht: Mar Reinés schätzt die gleichen guten Flugverbindungen, die auch vielen Mallorca-Deutschen ein Leben zwischen den Welten ermöglichen.

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