16. Oktober 2018
16.10.2018

Als Mallorca-Auswanderer ist man nicht allein

Die Facebook-Gruppe „Lebenslustiges Mallorca " vernetzt Residenten auf der Insel – einmal im Monat auch ganz real. Jetzt traf man sich zum 50. Mal

16.10.2018 | 01:00
Eva Maria Risse kam vor elf Jahren per Segelboot nach Mallorca. Die Bayerin hatte Deutschland bereits 1996 verlassen

Der Grund, warum Eva Maria Risse vor viereinhalb Jahren die Facebook-Gruppe „Lebenslustiges Mallorca – Alles von den 'schönen Künsten'" gegründet hat, ist eigentlich ein trauriger. Die 60-jährige Mallorca-Auswanderin hatte kurz zuvor einen schweren Autounfall gehabt, wegen dem sie ein Jahr lange nicht arbeiten konnte. „In der Zeit war ich viel auf Facebook unterwegs. Ich war schockiert darüber, dass die Mitglieder von bereits bestehenden Auswanderer-Gruppen dort so häufig gestritten und sich gegenseitig beleidigt haben." Also startete sie den Versuch, es besser zu machen. Seither treffen sich einige Mitglieder der Gruppe regelmäßig am letzten Samstag eines Monats. Am vergangenen Wochenende fand im My Thai an der Playa de Palma die 50. dieser Runden statt, 27 Mitglieder waren mit dabei.

Unter den aktuell über 3.000 Nutzern der Gruppe sind auch einige Künstler. Risse, die selbst Innenarchitektur studiert hat und Malerin und Bildhauerin ist, wollte durch den Zusatz beim Gruppennamen („Alles zu den 'schönen Künsten'") bewusst Gleichgesinnte ansprechen. Bei den Treffen kommen also sowohl Menschen zusammen, die sich wie Ramona Kirschbaum, die schon seit 15 Jahren auf Mallorca lebt, für Kunst interessieren, als auch Kunstschaffende selbst. Letztere residieren oft nur teilweise auf der Insel, etwa weil sie auch in Deutschland ein Atelier oder im Ausland Ausstellungen haben, wie etwa Bildhauer Norbert Jäger. Er ist am Samstagabend zum ersten Mal Teil der bunten Truppe, aber, wie er sagt, „bestimmt nicht zum letzten Mal". „Networking und der Austausch durch den persönlichen Kontakt sind mir lieber als sinnloses Gelike in den sozialen Netzwerken. Ob sich am Ende tatsächlich ein Auftrag ergibt oder nicht, spielt erst einmal keine Rolle", so Jäger, der in Lloret de Vistalegre bei Sineu sein Atelier hat.

Auf den Tischen liegen sowohl Flyer der an diesem Abend anwesenden Künstler als auch solche von „PC-Thorsten", wie Risse Thorsten Behrendt bei der Vorstellungsrunde nannte. Seit 2016 bringt er als Selbstständiger auf der Insel den Menschen Excel, Windows10 oder Word bei oder ihre defekten Geräte wieder zum Laufen. Seine Website und die von Risse, die seit sieben Jahren auf der Insel Filteranlagen für die Wasseraufbereitung vertreibt, sind verlinkt. Das ist bei den Mitgliedern der Runde öfter der Fall.

Noch nicht verlinkt, aber vielleicht bald, ist Stefanie Sharivas Praxis für energetische Heilmethoden. Shariva ist ihr spiritueller Name, den sie bei einer Klostermeditation bekommen hat, wie sie sagt. Seit vier Jahren lebt Shariva fest auf der Insel und bietet unter anderem Reiki und Klangschalen-Therapie an. Wenn alles klappt, ist sie ab kommender Woche offiziell autónoma (Selbstständige). Die Therapeutin hat nach der Trennung von ihrem Mann auf der Insel ein neues Leben begonnen. „Ich kannte hier niemanden. Also habe ich mich bei Facebook angemeldet und geschaut, wie ich Kontakte knüpfen kann", erzählt sie. Nachdem sie aus persönlichen Gründen einige Zeit nicht zu den Treffen gekommen war, sucht sie nun wieder regelmäßig den Austausch – zum Beispiel darüber, ob sich eine Privatversicherung für sie lohnt.

Manchmal geht die Kunstinteressierte mit den anderen Teilnehmern auf eine der zahlreichen Ausstellungen oder Konzerte der Insel, die online in der Gruppe geteilt werden. Oft, so Risse, würden auch sehr junge Menschen auf Facebook Beitrittsanfragen für die Gruppe stellen. „Sie kommen, weil sie denken, wir machen Halligalli. Was alle Gruppenteilnehmer gemeinsam haben, ist schon Lebenslust, aber eben nicht im Ballermann-6-Stil", erklärt die 60-Jährige, die schon Ideen für das nächste Treffen sammelt.

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