18. November 2018
18.11.2018

Zum Tod von Jens Büchner: Wo die Kunstfigur aufhört

Der Fernsehauswanderer und Ballermannsänger ist am Samstag (17.11.) im Alter von 49 Jahren gestorben

18.11.2018 | 10:54
Paintbrushbild von Jens Büchner und seiner Frau Daniela im Café Faneteria in Cala Millor.

Auch wenn man nie eine Folge "Goodbye Deutschland", "Dschungelcamp" oder "Das Sommerhaus der Stars" gesehen hat, wusste man als Leser deutschsprachiger Zeitungen, wer Jens Büchner war. Malle-Jens. Einer, der nach Mallorca gezogen ist, verschiedene Geschäfte versucht hat aufzubauen, am Ballermann sang und sich zwischendurch von einer Frau getrennt und dann eine neue gefunden hat. So viel kriegen wohl viele Deutsche über seine Biografie zusammen. Und das ist bemerkenswert.Über wie viele andere Angestellte einer Heizungsfirma, Badehosenmodels und Cafébetreiber kann man das schon sagen?

Jens Büchner war sicherlich nicht der Erste, der diesen neuen Typus Berühmtheit verkörpert hat. Aber sicherlich einer, der es im deutschsprachigen Raum am eindrucksvollsten hingekriegt hat. Ein bisschen gaga, ein bisschen assi, aber halt immer auch gleichzeitig ziemlich normal und sympathisch. Kein gestählter Körper, kein besonders schönes oder hässliches Gesicht. Vielleicht keiner, dem man unbedingt nacheifern will. Aber in dessen Kummer und Freud man sich wiederfinden kann, auch wenn man sich manchmal fremdschämt.

Ein Arbeiter, auch wenn sein Ruf vielleicht ein anderer war. Der MZ hat er im Laufe der sieben Jahre, in denen er seit 2011 vor der Kamera stand, zwei Interviews gegeben. Zuletzt im Mai diesen Jahres beim Besuch in seinem Café Faneteria in Cala Millor. Das erste war vor etwas über drei Jahren. Er traf den MZ-Reporter zum Interview in seinem Auto an einer Tankstelle am Kreisverkehr in Son Servera. Er erzählte damals von seinen kommenden Engagements: "Schon bald steht auch ein Auftritt in Geesthacht bei Hamburg in einem McDonald's-Restaurant bei einem Geburtstag an. Er freue sich schon darauf." Das ist der Arbeitsethos von einem, der sich nicht zu schade ist, sich die Finger dreckig zu machen.

Der 1969 im sächsischen Zwenkau geborene Auswanderer polarisierte. Wann immer die MZ online einen Artikel über Büchner postete - was eher selten vorkam -, schossen die Klickzahlen in die Höhe, ebenso wie die Facebook-Kommentare, die sich darüber echauffierten, warum wir denn über "so einen" überhaupt berichtet. Ein wenig erschien es. als sei es etwas Unanständiges, sich dafür zu interessieren, gleichzeitig konnte man es aber auch nicht lassen. Etwas, was man im Browser im privaten Modus anklickt.

Gleichzeitig aber hatte Jens Büchner auch viele Fans, die sich aufrichtig über ihn freuten. Die dafür sorgten, dass sein letztes Projekt, die Faneteria, allen Erkenntnissen nach gut lief. Fans, die in ihrer Begeisterung die ganzen intellektuellen Diskussionen, ob das jetzt in Ordnung ist, dass das Fernsehen solche Leute zu Berühmtheiten macht, irgendwie auch obsolet werden ließen. Jede Zeit hat die Helden, die sie verdient. Und es gibt sicher schlimmere Menschen in der Öffentlichkeit als ein etwas tollpatschiger Auswanderer, der sich für ein bisschen Ruhm zum Affen macht.

Und dennoch, die vergangenen Tage haben die Herausforderungen gezeigt, die eine solche Rolle mit sich bringt. Der Mensch, der sein Privatleben nur minimal gefiltert nach außen gegeben hat, war plötzlich in einer sehr ernsten Lage. Die Familie bat verständlicherweise um Zurückhaltung. Und doch erschien dieser Mangel an Information über seinen Gesundheitszustand ungewöhnlich. Man hatte sich daran gewöhnt, dass spätestens am zweiten Tag, wenn irgend etwas war, wenigstens die "Bild-Zeitung" Näheres darüber berichten würde. Aber dieses Mal ging es nicht um die Kunstfigur Jens Büchner. Es ging um den echten Menschen.

Jens Büchner ist am Samstag (17.11.) im Alter von 49 Jahren gestorben. Er hinterlässt eine Ehefrau und acht Kinder. /pss

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