21. November 2018
21.11.2018

Auf Mallorca plastikfrei durch den Alltag

Mit Produkten aus ihrem Online-Shop erleichtert eine Engländerin ein möglichst plastikfreies Leben

21.11.2018 | 01:00
Hannah Russell aus Alaró und einige ihrer Produkte.

30 Meter aufgewickelte Zahnseide in einem wieder befüllbaren Mini-Glas, klebendes Wachspapier, mit dem man etwa eine Schüssel mit Essen abdecken kann, wieder verschließbare Beutel aus Silikon für das Pausenbrot, kleine Taschen aus organischer, nicht gebleichter Baumwolle mit einem Zugband in verschiedenen Größen für die Markteinkäufe, Trinkhalme aus Bambus mit Putzstab im Täschchen zum Mitnehmen, waschbare Baumwollflanell-Abschminkpads. Alle der aufgezählten Produkte haben eines gemeinsam: Sie sind nachhaltig, beinhalten, so weit es geht, kein Plastik, und werden bewusst auch nicht darin eingepackt geliefert. Vertrieben werden sie von Hannah Russell.

Seit einem Jahr leitet die 36-Jährige aus Newcastle in England von Alaró aus den Online-Shop namens Viveco (www.viveco.co), eine Zusammensetzung aus „viv" von „vivir" (span. leben) und „eco" (engl. ökologisch). „Auf Mallorca leben so viele verschiedene Nationen. Da sollte auch der Name nicht nur in einer Sprache sein", erzählt Russell. Nach neun Jahren Arbeit als Servicekraft und Um-die-Welt-Segeln auf Superyachten ließ sich die Engländerin vor vier Jahren auf der Insel nieder, da sie schwanger war. Es sei erschreckend gewesen, zu sehen, wie viel Plastik allein sie und ihr Sohn konsumierten. „Und egal, an welchem Strand ich war, auch dort habe ich nur noch Plastikmüll gesehen. Gerade wenn man auf einer Insel lebt, fragt man sich dann doch, was langfristig mit den Müllbergen passiert", erinnert sich Russell.

Als sie ihren Lebensstil dann Stück für Stück verändern und zunehmend plastikfreier leben wollte, habe sich das Bestellen von nachhaltigen Toilettenartikeln und Küchenutensilien für den täglichen Gebrauch auf die Insel als mühsam und vor allem nicht wirklich plastikfrei erwiesen. „Amazon etwa lieferte mir zwei Zahnbürsten aus Holz in reichlich Plastik und Luftblasenfolie verpackt." So reifte in Russell die Geschäftsidee zu Viveco.

80 Produkte lieferbar
Das Sortiment hat sie nach und nach erweitert. Die meisten der derzeit 80 lieferbaren Produkte, bezieht sie nach einem gründlichen Selbsttest von nachhaltigen Firmen aus dem Ausland. Da wäre etwa ein ökologischer Deostift von „Ben und Anna", einem Label aus Deutschland, eine Menstruations-Tasse von OrganiCup aus Dänemark, eine Bambus-Zahnbürste von HumbleCompany aus Schweden oder eine Zahncreme von Georganics aus dem Vereinigten Königreich. Oft suche sie bewusst Firmen aus, sagt Russell, die nicht nur an dem Produkt verdienen, sondern sich auch – etwa über eine Stiftung – im Bereich Nachhaltigkeit engagieren.

Viele dieser Hersteller produzieren nur ein einziges Produkt ­­– würde man dieses einzeln bei ihnen bestellen, fielen auch jeweils Versandkosten und mehr Verpackungen an. Da ist eine Sammelbestellung bei Viveco sinnvoller. Für 2,25 Euro verschickt Hannah Russell die Wunschartikel mit so wenig Verpackung wie möglich innerhalb der Balearen. 5,05 Euro zahlt man für den Versand per Einschreiben. Wer ganz ökologisch vorgehen möchte, kann die Artikel nach Terminvereinbarung kostenlos bei Viveco in Alaró oder im Co-Working-Space „The Hub" im Santa-Catalina-Viertel in Palma abholen. Ab Anfang des kommenden Jahres sollen Kunden Produkte aus Russells Shop dann an einigen Tagen der Woche direkt in einem eigenen Ladenlokal im Szeneviertel kaufen können.

Bisher bietet die Unternehmerin nur wenige Produkte an, die direkt von der Insel stammen, wie etwa die Edelstahlflasche von Cleanwave. Doch das soll sich langfristig ändern. „Denn genau genommen ist der Versand nach Mallorca auch in Mengen nicht wirklich nachhaltig", sagt Russell.

Bad, Küche und Aufbewahrung
Ökoprodukte sind auf der Insel mittlerweile keine Seltenheit mehr. Vor allem in Palma gibt es zahlreiche Läden: etwa Biokalma, Ecoilla, Mister Eco, Bioreshop oder Veritas. Die meisten von ihnen sind allerdings auf Nahrungsmittel spezialisiert. Bei Russell hingegen liegt der Schwerpunkt auf den Bereichen „Bad", „Küche" und „Aufbewahrung". Für das billigste Produkt, einen Edelstahl-Trinkhalm, zahlt der Kunde zwei Euro. Auch die Bambus-Zahnbürste ist mit 4,50 Euro im Vergleich zu einer handelsüblichen aus Plastik noch erschwinglich.

Beliebt bei Kundinnen, sagt Russell, sei auch die Menstruations-Tasse aus Silikon für 21,50 Euro, die zwölf Stunden lang im Körper der Frau bleiben kann und mit der sie sich Tampons und Binden spart. Frauen, die bereits ein Kind bekommen haben, sollten Größe B benutzen. Für Kinderlose eignet sich die A-Version. Um Extrapapier zu vermeiden, ist die Anleitung des Produkts direkt auf die aufklappbare Kartonverpackung gedruckt.

Das teuerste Produkt ist mit 135 Euro ein Kit zur Mischung und Wiederbefüllung von Flüssigkeiten zum Putzen von Fenstern, Oberflächen, dem Badezimmer und fürs Händewaschen. Dafür stehen eine 300 Milliliter große und drei 500 Milliliter Flaschen sowie Essig und essenzielle Öle bereit. Die Verschlüsse der Flaschen sind eines der Beispiele, in denen sich an Russells Produkten dann doch Plastik finden lässt. „Manchmal ist es einfach nicht ganz zu vermeiden. Trotzdem spart man sich durch die Nutzung des Sets ständige Neukäufe von in Plastikflaschen abgefüllten Putzmitteln, und die Flasche, in dem die Seife ist, ist beispielsweise schon recycelt", verteidigt die 36-Jährige das von ihr angebotene Set.

Ein Stück Seife tut's auch
Ihr Lieblingsprodukt ist allerdings eine Seife, die ein Duschgel in Plastikflasche ersetzen soll. „Vor fünf Jahren hätte ich gesagt, das ist so old fashioned. Mittlerweile benutze ich nur noch diese Seife." Auch alle anderen Produkte (außer einer Küchenrolle) nutzt die Unternehmerin in ihrem Haushalt selbst. In dem in ihre Website integrierten Blog gibt sie regelmäßig Tipps dazu und empfiehlt, etwa die Bambuszahnbürste nicht im Becher mit Wasser zu lagern, da sie sonst schneller kaputtgeht.

Sechs Artikel, darunter leicht faltbare und Netztaschen, die im Supermarkt die Plastiktüten für Obst und Gemüse ersetzen können, hat Russell selbst entworfen. Erst einmal sollen keine weiteren hinzukommen. Stattdessen will sich die Mutter eines vier Jahre alten Sohnes dafür einsetzen, dass ihre Beutel bald an noch mehr Orten als nur dem Unverpackt-Laden La Granoteca in Santa Catalina gekauft und direkt verwendet werden können.

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