05. Dezember 2018
05.12.2018

Auf Mallorca am eigenen Start-Up feilen

„Irgendetwas läuft immer schief." Junge Start-up-Unternehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in der Nähe der Playa de Palma ein Haus bezogen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen

05.12.2018 | 01:00
Gute Stimmung unter den Teilnehmern vom „Digital Founders Camp", unter anderem Julia Derndinger (4.v.re.) und Feliks Eyser (re.).

Ein bisschen tot ist es hier ja schon, Mitte November in der Urbanisation Las Palmeras, zehn Autominuten südöstlich vom Flughafen entfernt. Doch hinter einem Einfahrtstor dringt deutsches Stimmengewirr hervor. Hier haben sich elf junge Gründer von Start-up-Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz getroffen, um sich im Rahmen des viertägigen „Digital Founders Camp" über ihre Erfahrungen, aber auch die Probleme und Zweifel auszutauschen, die die Selbstständigkeit mit sich bringen kann. Das Haus ist groß, die Zimmer werden geteilt, der Pool bleibt in der Jahreszeit eher unbenutzt.

Am Vormittag des MZ-Besuchs ging es vor allem um das Thema Führungskompetenzen, die man als Unternehmenschef erlernen muss. Die Teilnehmer sitzen an einem langen Tisch, es gibt Kaffee, Tee und Mandarinen. Florian Sikoda, Geschäftsführer von Prodecon – einem Hersteller von Outdoor-Zubehör wie Schlaf- oder Rucksäcken – erklärt, wie durch offene und direkte Kommunikation die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht werden kann. Aus dem Vortrag entwächst eine Diskussion darüber, wie viel Selbstbestimmung für die Mitarbeiter sinnvoll ist. Kann es sein, dass Freiheit manche auch unter Druck setzt? Und wo müssen notwendigerweise Grenzen gesetzt werden? Katharina Mayer von der Firma Kuchentratsch – die kürzlich in der Vox-TV-Show „Die Höhle der Löwen" Investitionen in der Höhe von 100.000 Euro verbuchen konnte, berichtete, dass ihre Mitarbeiter unbegrenzten Urlaub nehmen können. Sie habe gute Erfahrungen damit gemacht. Ausgenutzt werden würde das nicht.

Kein kommerzielles Angebot

„Es ist das vierte Mal, dass wir das Gründercamp machen", erzählt der Initiator des Treffens, Feliks Eyser, der als Gründer im Jahr 2010 die Marketing-Plattform RegioHelden ins Leben gerufen hat. „Es geht darum, voneinander zu lernen sich auszutauschen." Eyser organisiert das Treffen zusammen mit Julia Derndinger, die hauptberuflich als „Gründertrainerin" hauptsächlich ältere Unternehmer berät. „Das Digital Founders Camp ist kein kommerzielles Angebot", so Derndinger. „Wir sehen uns nicht als Trainer und Schüler, sondern als Lernpartner." Die anfallenden Kosten für das Seminar werden unter allen Teilnehmern geteilt.

Was die einzelnen Gründer in ihrem Alltag genau machen, ist sehr unterschiedlich. Marketing-Agenturen sind genauso dabei wie ein Vertrieb für Elektrogeräte, eine Entwicklungshilfe-Organisation und eine Plattform für ­erotische Hörgeschichten für Frauen. Ebenso zahlreich sind die Gründe, warum die jungen Leute – zwischen 24 und 43 Jahren – überhaupt Unternehmen auf die Beine gestellt haben: Unzufriedenheit im Angestelltenverhältnis wird ebenso genannt wie die Übernahme des Familienunternehmens. Nina Julie Lepique von der Plattform Femtasy sagt, sie habe sich „einfach in die Idee verliebt", eine Streamingplkattform zu gründen, auf der erotische Geschichten angeboten werden, die für Frauen geschrieben sind. Alle gemeinsam hätten sie die Leidenschaft, etwas erschaffen zu wollen, so Elisabeth Erker, die in Wien den Onlinehandel für elektronische Geräte ausderbox betreibt. „Man muss viel Durchhaltevermögen haben, denn es läuft immer irgendwas schief."

Ähnliche Sorgen

Trotz der Unterschiedlichkeit der Branchen seien die Sorgen häufig ähnlich, erzählen die Teilnehmer. Etwa, nach welchen Kriterien das Personal eingestellt werde. Auch der Zeitpunkt, wie und wann man Aufgaben abgibt wird diskutiert. Und wie man bei der ganzen Begeisterung und dem Stress um das eigene Unternehmen sich und seine Gesundheit nicht außer Acht lässt. Fünf bis sechs Stunden dauern die nach Themenblöcken sortierten Sessions, bei denen jeder der Teilnehmer einen Vortrag halten muss. „Aber die Gespräche gehen dann in kleinen Gruppen weiter", sagt Florian Sikoda.

Dass es in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine Anerkennung für jungen Unternehmergeist gibt, wie es manchmal heißt, können die Teilnehmer des Camps nicht bestätigen. „Viele haben mir gesagt, dass sie das sehr mutig von mir finden", sagt etwa Magdalena Mues, die die Online-Marketing-Agentur Calneo betreibt. „Die können sich gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man 21 Mitarbeiter hat."

Besonders erfreulich bei dieser Ausgabe des „Digital Founders Camp" sei der mit fünf Teilnehmerinnen hohe Anteil an Frauen, findet Julia Derndinger. „Es gibt Studien, nachdem nur 14,8 Prozent der Gründer von deutschen Start-ups weiblich sind."

Weitere Informationen über das Digital Founders Camp finden Sie im Internet unter der Adresse
www.digitalfounders.camp.

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