25. Dezember 2018
25.12.2018

Frosch Carlota hilft den kleinsten Flutopfern auf Mallorca

Noch immer leiden Kinder unter den Eindrücken der Katastrophe im Inselosten. Jetzt hat eine Erzieherin ein Bilderbuch herausgebracht, das helfen soll

25.12.2018 | 01:00
Isabel Rivas mit ihrer Geschichte „Sa Granota Carlota" (Der Frosch Carlota) in ihrer Kindertagesstätte Ca´s Mestre Fornaris in Son Servera

Die Flutkatastrophe in Sant Llorenç und in anderen Gemeinden im Osten von Mallorca hat nicht nur die Erwachsenen getroffen, sondern auch die Kinder. Die Angst der Erwachsenen, die dramatischen Szenen am Abend des 9. Oktober, der Verlust von Haustieren, Spielzeugen, dem eigenen Haus – all das ist für einige Kinder auch Monate nach der Katastrophe nur schwer zu verarbeiten. „Ein Großteil hat sich mittlerweile an die neue Realität gewöhnt, aber einige sind noch immer in psychologischer ­Betreuung", berichtet Javier Torres von der balearischen Psychologenkammer. Als Koordinator war er mit rund sieben Kollegen fast vom ersten Moment an vor Ort. Neun Tage lang ­befassten sie sich in den Räumen der Grundschule mit den Minderjährigen, aber auch mit den ­Eltern und Lehrern. „Unser Ziel war es, die Normalität so schnell wie möglich wiederherzustellen und die Erwachsenen dabei zu unterstützen, die Kinder in dieser Situation angemessen zu behandeln. Es ist wichtig, nichts vor ihnen zu verbergen und ihnen zu erklären, was passiert ist."

Isabel Rivas erinnert sich noch gut an die Angst, die sie am Abend der Flut gespürt hat. Die Erzieherin und Leiterin der Kindertagesstätte Ca's Mestre Fornaris lebt zwar im Nachbarort Son Servera, das von den Wassermassen verschont blieb, doch auch sie musste um Angehörige bangen, die in einer Finca nahe eines überlaufenden torrents leben. „Letztlich ist niemandem etwas passiert, aber es war ein schlimmes Gefühl, nicht zu wissen, was mit ihnen passiert." Auch ihre siebenjährige Tochter Maria bekam mit, dass etwas nicht stimmte. „Ich habe offen mit ihr darüber geredet. Wir haben nichts vor ihr versteckt, ihr auch Fotos und Videos gezeigt und versucht, sie zu beruhigen." Trotzdem ging Maria abends weinend ins Bett. Ein paar Tage später nahm ihre Mutter sie zum Aufräumen mit nach Sant Llorenç. „Ich wollte, dass sie sieht, was passiert und die Hilfsbereitschaft spürt. ,Siehst du all diese Leute? Das ist Solidarität', sagte ich zu ihr."

Mehrere Tage hintereinander packte Rivas mit an, befreite die Möbel und Häuser von Freunden in Sant Llorenç vom braunen Schlamm. „Die Erwachsenen waren unter Schock, sie brauchten all ihre Kräfte, um voran­zukommen. Das Aufräumen hatte Priorität und die Betroffenen kaum Zeit und Energie, es den Kindern angemessen zu erklären."

Und so setzte Rivas sich hin und erfand die Geschichte vom Frosch Carlota, der mit seiner Familie glücklich an einem Fluss in Sant Llorenç lebt, bis plötzlich ein großes Unwetter aufzieht und alles überschwemmt. Die Froschfamilie muss auf Bäumen ausharren, bis die Flut vorüber ist, und erlebt die Hilfsbereitschaft anderer Tiere, als es ans Aufräumen geht. Carlota bangt um ihr Kuscheltier, das sie erst nach mehreren Tagen wiederfindet und glücklich in die Arme schließt.

„Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Solidarität, aber auch über den Respekt, den wir vor der Natur haben sollten", sagt ­Rivas. Sie will, dass sich die Kinder mit Carlota identifizieren und dem Geschehenen einen Namen geben können. Der Tod kommt im Bilderbuch nicht vor, und es gibt ein Happy End. „Die Kinder, die die Geschichte hören, sollen die Natur nicht pauschal als etwas Bedroh­liches wahrnehmen, sondern die Dinge verarbeiten, die passiert sind und nach vorn ­schauen." Auch deshalb ist auf der letzten ­Seite des kleinen Büchleins, das Rivas selbst mit liebevollen Bildern illustriert hat, Platz, damit die Kinder ihre eigenen Erlebnisse aufmalen, reflektieren und ansprechen können. „Kindern fällt es oft schwer, die Bilder in ihrem Kopf in Worte zu fassen, aber es ist wichtig, dass sie über ihre Emotionen reden."

Dem stimmt auch Psychologe Javier Torres zu. „Märchen und Geschichten sind ein wichtiges therapeutisches Werkzeug, mit dem auch wir arbeiten. Die kindgerechte Sprache ermöglicht einen guten Zugang, um Erlebtes aufzuarbeiten."

4.000 Exemplare ließ Rivas drucken. Die Kosten übernahm eine lokale Druckerei. 3.000 Büchlein gehen jetzt an die Grundschulen in Sant Llorenç, Artà, Son Servera, Capdepera und S'Illot. „Ich hoffe, dass die Geschichte ihnen hilft, irgendwann keine Angst mehr vor dem Regen zu haben."

Das Heft „Sa Granota Carlota" ist auf Katalanisch erschienen und kostet 4 Euro. Es ist unter anderem erhältlich in Buchläden in Manacor (Mon de llibres), Capdepera (Lletras), Artà (La lluna de paper), Sant Llorenç (Espai 36) und Son Servera (Ca's Mestre Fornaris).

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