05. Januar 2019
05.01.2019

Der Grandseigneur von Santa Ponça

Santa Ponça ist heute einer der beliebtesten Urlaubsorte auf Mallorca. Das ist vor allem dem Bankier Miguel Nigorra zu verdanken, der Ende Dezember verstarb

05.01.2019 | 10:41
Miquel Nigorra Oliver (1929–2018) auf dem Golfplatz in Santa Ponça

Die einen bewunderten ihn als zielstrebigen Geschäftsmann, die anderen rieben sich an seiner konservativen politischen Überzeugung. In einem Punkt aber sind sich alle einig: Miquel Nigorra Oliver, der am Donnerstag (27.12.) im Alter von 89 Jahren gestorben ist, hat das heutige Mallorca entscheidend mitgeprägt. Das gilt insbesondere für Santa Ponça: Es war Miguel Nigorra, der ab den 70er-Jahren aus dem gleichnamigen Riesenanwesen seiner Familie einen bei Einheimischen, Residenten und Urlaubern gleichermaßem beliebten Küstenort schuf.

Miguel Nigorra kam 1929 in Santanyí zur Welt. Sein Vater Juan Nigorra Reinés war ein mit dem Finanzier Joan March befreundeter gelernter Apotheker, der 1953 die Leitung der balearischen Geschäftsbank Banco de Crédito Balear übernahm und seinem Sohn das Jurastudium an den Festland-Universitäten von Deusto und Valladolid ermöglichte.

Miguel Nigorra stieg zunächst als Rechtsberater und dann als Vizepräsident bei der Banco de Crédito Balear ein. Die Leitung übernahm der vereidigte Grundbuchführer 1970. Er sollte sie bis zur Auflösung der im 19. Jahrhundert gegründeten Geschäftsbank in der Banco Popular im Jahr 2008 inne­haben. Hinzu kamen weitere Posten, etwa der Aufsichtsrats-Vorsitz beim Ausbau des Hafens von Palma zwischen 1970 und 1978.

Vor allem aber gestaltete Nigorra maßgeblich den heutigen Südwesten der Insel mit. Schon sein Vater hatte 1951 über eine Gesellschaft in die
Possessió Santa Ponça investiert. Das noch auf die Zeiten der christlichen Eroberung zurückgehende Landgut umfasste zu seinen Hochzeiten 4.360 Hektar, knapp ein Drittel der heutigen Fläche der Gemeinde Calvià. Nigorra, der mit seiner andalusischen Frau Corona Cobián und seinen fünf Kindern in dem Herrenhaus wohnte, erkannte den touristischen Wert des Besitztums und machte ihn mit dem Bau von Villensiedlungen, Hotels und Golfanlagen zu Geld. Dass er dabei neben seinem persönlichen Vorteil auch das kollektive Wohl im Auge behielt, hoben dieser Tage zahlreiche Nachrufe hervor.

Bei der Erschließung dieser Gegend der Insel stand viel auf dem Spiel, und nicht immer ging es dabei mit rechten Dingen zu. So erinnerte die Tageszeitung „El Mundo" anlässlich des Todes von Nigorra an den Skandal von Son Massot. Im Jahr 2004 betrieb der ebenfalls kürzlich verstorbene Verleger Pedro Serra gemeinsam mit der damaligen Inselratspräsidentin, der wegen Korruption noch immer im Gefängnis sitzenden Maria Antònia Munar, die rechtswidrige Umwidmung zu Bauland eines weiteren großen Anwesens in der Gemeinde Calvià namens Son Massot. Nigorra, dem das Rathaus zu diesem Zeitpunkt jede weitere Bebauung untersagt hatte, machte den Skandal öffentlich und nahm dafür die erbitterte Feindschaft des einflussreichen Verlegers in Kauf.

Der Hobby-Historiker, Golfclub-Präsident und passionierte Segler war „diskret, kultiviert und ausgeglichen", schreibt sein Freund Román Piña in einem anderen Artikel in „El Mundo". Selbst seine Widersacher erkennen ihn als Grandseigneur an. Einer, dessen Einfluss so weit ging, auf seinem Landgut 1984 eine brisante Gesprächsrunde vermitteln zu können: ein fünfstündiges Treffen zwischen dem umstrittenen libyschen Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi, dem spanischen Ministerpräsidenten Felipe González und dem österreichischen Kanzler und Nigorra-Freund Bruno Kreisky.

„Ich erinnere mich an keine einzige Unterhaltung über Politik, in der ich mit Miquel Nigorra einer Meinung gewesen wäre", schreibt Matías Vallés in einem Kommentar in der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca". Alles, was mit katalanischem Kulturgut einhergeht, habe Nigorra strikt abgelehnt, auch ökologische Einhaltsrufe im Bauboom habe er meist überhört. Zudem gilt Nigorra als einer der Initiatoren der rechts-konservativen Vereinigung „Círculo Balear", die sich im Sommer 2018 auf den Balearen zum rechtsextremen Parteienbündnis Actúa-Vox formiert hat. „Nigorra und Co. kämpfen seit Jahrzehnten dafür, dass so etwas wie Vox auftaucht. Nun haben sie es", so Vallés. Der Nachruf von Román Piña endet deutlich wohlwollender: „Auf dass sein vorbildliches Verhalten auch uns eines Tages in einen sicheren Hafen führe."

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