12. Februar 2019
12.02.2019

"Bauchi" ist zurück auf der Finca von Boris Becker

Die MZ konnte am Dienstag (12.2.) live den Konflikt miterleben, der sich zwischen den Besetzern des verwahrlosten Anwesens des Tennis-Stars abspielte. Wut, Lügen und ein Polizeieinsatz

12.02.2019 | 15:39
"Bauchi" ist zurück auf der Finca von Boris Becker

Auf der riesigen Finca Son Coll bei Artà im Nordosten von Mallorca, die einst Tennis-Star Boris Becker gehörte, gibt es schon wieder Streit: Georg "Bauchi" Berres, der im Mai 2018 durch die Besetzung des 217.000 Quadratmeter großen Anwesens für riesiges Medien-Echo sorgte, nach wenigen Wochen aber wegen Streits mit seinen Mitbesetzern die Finca verließ, ist zurück. Eine andere Besetzerin will nun ein Räumungsverfahren einleiten.

Eigentlich war die MZ am Dienstagmorgen (12.2.) zum Anwesen gefahren, weil Elisaweta Wall, die schon wenige Tage nach der Erstbesetzung ebenfalls auf die Finca gezogen war, zugesagt hatte, die Reporter über das Gelände zu führen und zu zeigen, was sich in den vergangenen Monaten so alles getan hat. Schließlich waren sie und "Bauchi" sich zumindest in dem Punkt von Anfang an einig: Das einst luxuriöse Anwesen, das seit Jahren verfällt, muss gerettet und instand gesetzt werden.

Als die MZ auf den holprigen Zufahrtsweg einbiegt, der zum abseits gelegenen Haus führt, wartet dort bereits eine aufgebrachte Elisaweta Wall. "Bauchi" sei zurück, berichtet sie. "Ich kam gerade dort an, da standen sie zu dritt am Tor und ließen mich nicht rein. Er will versuchen mich rauszubuxieren und sie sagen ich bin unerwünscht."

Zum Hintergrund: Die 60-jährige Wall hatte schon mehrmals für Aufsehen gesorgt, weil sie neben der Becker-Finca seit Jahren auch Grundstücke in der spanischen Stadt Marbella besetzt hält. An beiden Standorten, das betont sie immer wieder, habe sie ihren eigenen Liebesstaat "State Love" gegründet, ein angebliches und konfus klingendes Steuerparadies, das den Menschen den Weltfrieden näher bringen soll.

Insgesamt seien in den vergangenen acht Monaten etwa 20 bis 30 Besetzer mit verschiedensten Vorstellungen auf der Finca gewesen, berichtet Wall weiter. "Ich war es, die die Leute finanziell über den Winter gebracht hat." Zuletzt seien nur sie sowie Stephanie "Stephi" Griesbach (eine gute Freundin von "Bauchi" und seit der ersten Minute mit dabei) und der Münchener Michael "Hasel" Haselbach auf der Finca geblieben. "Wir haben erst vor ein paar Tagen einen Vertrag unterschrieben, in dem wir festgehalten haben, dass jeder seinen Bereich und seine Aufgaben hat", so Wall. Während sie "State Love" voranbringen wolle, habe "Hasel" geplant, Rucksacktouristen gegen Geld Fotos auf der Finca schießen zu lassen und auch Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten. Für die Aktion warb er in den vergangenen Wochen sogar mit handgeschriebenen Plakaten, die er in Artà aufhängte.

"Ich habe die Guardia Civil gerufen, es kann ja nicht sein, dass sie mich jetzt nicht mehr reinlassen", so Wall verärgert. Tatsächlich kommt wenige Minuten später ein Streifenwagen an und fährt nach kurzer Unterhaltung mit Wall weiter zum Tor. Rund 15 Minuten später kehren die Beamten unverrichteter Dinge zurück - gegen Hausbesetzer sind sie machtlos, solange diese nicht auf frischer Tat ertappt wurden. "Jetzt weiß ich, wie machtlos sich die Menschen fühlen, deren Eigentum besetzt wird", so Wall. Sie wolle zur Guardia Civil fahren. "So einfach kommen die mir nicht davon, ich werde rechtliche Schritte einleiten." Sie will einen Räumungsbeschluss erwirken, um die Eindringlinge auf die Straße zu setzen. Immerhin habe sie bereits im Sommer Kontakt mit den Anwälten von Boris Becker aufgenommen, und - weil diese nicht reagierten - angeblich ein Nutzungsrecht im spanischen Grundbuchregister eingetragen.

"Was ein Quatsch", sagt Bauchi, der wenig später mit seinen zwei Mitbesetzern ans große Eingangstor kommt. Einlassen will man die MZ nicht. Das bleibt der Mitarbeiterin eines überregionalen Boulevardmediums vorbehalten. Immerhin erklärt man sich aber bereit, ein Interview auf der Grundstücksmauer zu geben.

Angeblich habe er es schon lange geplant, wieder zurück zu kommen, so "Bauchi", um den es in den vergangenen Monaten still geworden war. Auch das Buch, das er nach dem Verlassen der Finca schrieb, sei nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, um andere Besetzer glauben zu lassen, er habe das Projekt aufgegeben. "Für mich ist das hier kein Neuanfang, mir war immer klar, dass ich wiederkomme", behauptet "Bauchi" nun. Der Streit zwischen ihm und "Stephi" scheint beigelegt, auch "Hasel" betont, mit "Bauchi" in einem Team zu sein und gibt zu: "Die Sache mit den Rucksacktouristen war eher Fake."

Stattdessen wolle man nun so weitermachen, wie man es in den ersten Wochen begonnen hatte: Damit, einen Ort zu schaffen, an dem es "richtig schön war und keinen Streit gab". Nur eine neue Regel komme nun hinzu: "Trittbrettfahrer sind ab sofort verboten, und Elisaweta Wall ist die erste, die das zu spüren bekommt", sagt "Bauchi". Dass diese in den vergangenen Monaten finanziell alles alleine gestemmt habe, dementieren die drei. Man wolle es nicht mehr dem Zufall überlassen, wer sich auf der Finca einquartieren darf, das Tor bleibe nun ersteinmal zu. "Ich habe aber schon ein schönes Team gecastet, auf das ich mich verlassen kann. Sie werden in den nächsten Tagen kommen und wollen das gleiche wie wir", so "Bauchi". 

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