05. April 2019
05.04.2019

Ein Jahr Stiftung Herztat, erste Bilanz

Paten, die sich um vereinsamte Menschen kümmern, haben sich schon viele gemeldet. Jetzt müssen noch mehr Betroffene ihre Hemmschwelle überwinden

05.04.2019 | 01:00
Zwei Hände, die sich zusammentun. Das Logo der Stiftung steht für eine Hilfe, die vom Herzen kommt.

Seit einem Jahr vermittelt die Stiftung Herztat auf Mallorca Kontakte zu Menschen, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, dass allein­stehende deutschsprachige Residenten nicht vereinsamen. Ein guter Grund, um bei einer Informationsveranstaltung in der Seniorenresidenz Es Castellot in Santa Ponça auf Mallorca vergangenen Freitag (29.3.) Bilanz zu ziehen.

Etwa zwanzig Paten haben sich bei der 2017 unter dem Dach des Dekanats der Evangelischen Kirche Worms gegründeten Stiftung bereits gemeldet. „Das sind deutlich mehr Betreuer als bedürftige Senioren", sagt Roland Werner, Leiter der Aktivitäten auf Mallorca. „Das Thema Einsamkeit ist eben unsexy. Niemand will so recht zugeben, Hilfe zu brauchen." Daher bedürfe es häufig der Initiative von Personen aus dem näheren Umfeld, damit betroffene Senioren den Mut fassen, sich bei Herztat zu melden. „Wenn es uns gelingt, dass diese Menschen dank der Stiftung wieder mehr Lebensfreude entwickeln, hat sie ihren Zweck schon erfüllt", sagt Roland Werner.

Die Geschichte, die die Bedürftigen in die Einsamkeit führe, sei meist ähnlich: Vor vielen Jahren noch mit dem Partner hierher gezogen, haben sich ihre Lebensumstände inzwischen stark verändert – etwa, weil der Lebensgefährte gestorben oder Freunde und Bekannte weggezogen sind. Plötzlich haben die Auswanderer niemanden mehr, mit dem sie sich austauschen oder etwas unternehmen können.

Hier setzt das Angebot von Herztat an: Ein Besuch zu Hause, gemeinsame Ausflüge, Konzertbesuche. Es sind die kleine Dinge, mit denen die Freiwilligen die Senioren wieder in ein aktives soziales Miteinander zu integrieren versuchen. „Die Helfer sind zudem geschult im Umgang mit Alleinstehenden und wissen, wie sie schnell ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen können", sagt Roland Werner. Er schildert den Fall von Dorothee S. aus Llucmajor, die sich nach dem Tod ihres Mannes „wie entwurzelt" fühlte, weil die beiden so aufeinander fixiert waren. Dorothee S. zog sich immer mehr zurück und merkte gar nicht, wie sie vereinsamte. Ein Bekannter habe die Frau auf das Angebot der Stiftung aufmerksam gemacht. Relativ schnell erkannte Dorothee S. ihre Chance, so wieder am sozialen Leben teilhaben zu können. Sie traf sich mit Patin Bettina H., die sie Schritt für Schritt auch in ihr privates Umfeld integrierte. „So lernte sie neue Menschen kennen und hatte viel Spaß bei gemeinsamen Wanderungen und Besuchen von Ausstellungen", sagt Roland Werner. Herztat habe sie gewissermaßen wieder zurück ins Leben geschubst.

„Diese Geschichte ist beispielhaft für viele Fälle, in denen wir helfen konnten", sagt Roland Werner und bittet vor allem alle Alleinstehenden, die sich angesprochen fühlen, sich unter der Telefonnummer 634-04 16 68 oder per E-Mail (roland.werner@herztat.de) bei ihm zu melden.

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