24. April 2019
24.04.2019

Wie es ist, zwischen Deutschland und Mallorca aufzuwachsen

Eine Kindheit zwischen den Welten: Sabina Pons hat ihre MZ-Kolumnen jetzt auch als Buch veröffentlicht

24.04.2019 | 01:00
Sabina Pons mit Bildern ihres mallorquinischen Vaters und ihrer deutschen Mutter.

So schön wie die Journalisten Sabina Pons (Köln, 1967) hat noch keiner über das bikulturelle Aufwachsen auf Mallorca geschrieben. Ihre humorvollen Erinnerungen an eine Kindheit an der Playa de Palma, eine resolute rheinländische Mutter, einen gewieften mallorquinischen Vater und deren bemerkenswerten Familien erschienen 2016 und 2017 zuerst in der Mallorca Zeitung. Jetzt sind sie, auf Spanisch, auch als Buch erhältlich („Madre alemana, padre mallorquín, Editorial Sloper, 164 Seiten, 16 Euro).

Frau Pons, fühlen Sie sich eigentlich als Deutsche?
(Pons überlegt lange) Nein, ich fühle mich als Spaniern, als Mallorquinerin. Aber es gibt einen Teil in mir, der zutiefst deutsch ist.

Wie manifestiert er sich?
Wenn andere schlecht über Deutschland oder die Deutschen reden. Da werde ich besessenene Verteidigerin des Landes. Ich selbst kann Deutschland aber bis zur Karikatur kritisieren.

Das klingt doch eher mallorquinisch. Schlecht über die Insel reden, aber wehe, einer von außerhalb sagt was.
(lacht) Das kann sein. Aber mal im Ernst: Wenn ich in Deutschland bin, fühle ich eine gewisse Vertrautheit.

Sie haben eine deutsche Mutter, sind in der Nähe der Playa de Palma aufgewachsen. Haben Ihre Eltern darauf Wert gelegt, Ihnen deutsche Kultur näherzubringen?
In meiner Kindheit sind wir viel nach Deutschland gereist. Das hat dazu geführt, dass ich mich der Kultur nah gefühlt habe. Auch haben wir Weihnachten und Ostern zu Hause sehr deutsch gefeiert. Und das Essen war nicht unbedingt mallorquinisch. Aber meine Mutter wollte sich ja auch hier integrieren, deshalb hat sie mir nie eine Sehnsucht nach Deutschland vermittelt. Höchstens punktuell, wenn sie sich etwa daran erinnert hat, wie schön es ist, eine Heizung zu haben.

Und Ihr Vater?
Er hat die deutsche Kultur und deren Eigenschaften sehr bewundert, besonders den zivilen Umgang miteinander. Das heißt nicht, dass er sich daran selbst gehalten hätte. Er machte immer, was er wollte. Aber er fand es gut.

Wie haben Sie Deutschland als Kind gesehen?
Alles war irgendwie neuer dort. Ein dummes Beispiel: der Asphalt in Deutschland war schwarz und glatt. Hier war er grau und abgenutzt. Die Bäume waren leuchtend grün. Das hat mich beeindruckt.

Haben Sie jemals erwogen, nach Deutschland zu ziehen?
Nein, da bin ich zu sehr Mallorquinerin. Ich kann zehn Tage wegfahren, dann zieht es mich zurück auf meinen Felsen.

Ihr Vater hatte Hotels an der Playa. Haben Sie die Deutschen, die Urlaub machten, anders erlebt als die Deutschen in ihrer Heimat?
Nein, als Kind nicht. Die Deutschen, die herkamen, waren dieselben wie in der Heimat. Das änderte sich, als die Playa sich in Richtung Sauftourismus entwickelte. Irgendwas passiert mit einigen Deutschen bei der Ankunft am Flughafen, sie verwandeln sich.

Wie hat sich das Verhältnis der Deutschen und der Mallorquiner entwickelt?
Ich glaube, wir Menschen sind nicht besonders gut darin, uns woanders zu integrieren. Man bleibt lieber unter sich. Das hat nichts mit der Nationalität zu tun. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die das wirklich schaffen.

Was hat es Ihnen gebracht, mit zwei Kulturen aufzuwachsen?
Ich glaube, es hat mir geholfen, offener für neue Dinge zu sein und mich nicht sofort zu verschließen.

Wann erscheint das Buch auf Deutsch?
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