30. April 2019
30.04.2019

Konrad Adenauers Enkel macht Mode auf Mallorca

Andreas Adenauer weitet auf der Insel das Geschäft mit seinen „Strandhäusern" aus, in denen er seine Kollektionen vertreibt

30.04.2019 | 01:00
Alles, was man gut am Wasser tragen kann: Andreas Adenauer zeigt Teile seiner Kollektion.

Wenn es Robert Lembkes (1913–1989) TV-Rateshow „Was bin ich?" um Berufe und Persönlichkeiten noch geben würde, Andreas Adenauer (57) wäre ein toller Gast gewesen. Zum einen hat der Gründer der Bekleidungsmarke „Adenauer & Co" mit insgesamt 30 Geschäften in Deutschland und Österreich einen spannenden Berufsweg beschritten, der ihn von Deutschland über die USA bis in die Altstadt von Palma geführt hat. In der Carrer dels Paraires, 4, hat er im Juni 2018 das jüngste seiner sogenannten „Strandhäuser" eröffnet. Erst vor einer Woche ist ein Designer-Team nachgezogen, um in Palma Kollektionen zu entwerfen. Zum anderen trägt er den Nachnamen des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (1876–1967), der wie kaum ein anderer Politiker mit der DNA der Bundesrepublik verknüpft ist. Andreas Adenauer ist ein Enkel des Mannes, der die Geschicke der jungen Bundesrepublik von 1949 bis 1963 bestimmt hat.

„Wir waren viel in seinem Haus in Rhöndorf", sagt Andreas Adenauer. „Ich kann mich noch gut an den riesigen Polizeihund der Wache erinnern, mit dem ich in der Küche gespielt habe." Sein Vater, Georg (87), ist das jüngste noch lebende Kind der acht Kinder von Konrad Adenauer. „Als Knirps habe ich miterlebt, wie der französische Präsident Charles de Gaulle zu Besuch kam", so Andreas Adenauer. Er habe zwar nicht realisiert, wie wichtig de Gaulle oder die andere Staatschefs gewesen seien. Aber er habe immer den Respekt und die Liebe gespürt, mit denen die Menschen dem Kanzler begegnet seien.

Konrad Adenauers Wunsch auf dem Sterbebett

Noch immer treffen sich die 24 Enkel und ihre Familien jedes Jahr zu Weihnachten in dem mittlerweile zu einem Museum umgewandelten Adenauer-Haus in Rhöndorf, einem Stadtteil von Bad Honnef, bei Bonn. „Das war der Wunsch meines Großvaters auf dem Sterbebett." Um die 80 bis 90 Verwandte kommen so jährlich zusammen. „Ich liebe es, in sein altes Schlafzimmer zu gehen", sagt der zweitjüngste Enkel. „Es ist so bodenständig. Das Bett ganz klein, nicht so wie die von heute. Auf dem Nachttisch liegt seine Bibel." Den Glauben an Christus und Gott teile er mit dem Mitbegründer der CDU, der einst für die katholische Zentrumspartei Oberbürgermeister von Köln war (1917–1933).

Als die MZ Andreas Adenauer an einem Sonntagmittag auf Mallorca trifft, kommt er von einer Messe der freien Kirche Community Church. Sein Vater habe ihm erzählt, dass als Konrad Adenauer 1955 nach Moskau reiste, um mit Nikita Chruschtschow und Nikolai Bulganin über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und über die Heimkehr der verbliebenen 9.626 deutschen Kriegsgefangenen zu verhandeln, er die Nacht zuvor in einer Kirche verbracht habe. „Mit Gottes Hilfe hat er die Last der enormen Verantwortung getragen", glaubt sein Enkel. Er selbst habe zum Christentum gefunden, als er 2004 zwei Jahre lang Präsident der Modemarke Esprit für Nordamerika war.

Flohmärkte als Fundgrube

Zum Thema Mode war er schon etwas früher gekommen. „Als ich 13 Jahre alt war, habe ich es geliebt, auf Flohmärkten nach Klamotten zu stöbern", sagt er. Nach der Schule und dem Wehrdienst als Fernmelder sei er 1985 seiner Leidenschaft gefolgt und habe einen kleinen Jeans- und Freizeitklamottenladen in Schleiden eröffnet, einem Ort in der Eifel, wo sein Vater damals als Landnotar gearbeitet hat. Die Bank gab 100.000 DM Startkapital. „Meine Mutter ist Schwedin und stammt aus einer großen Handelsfamilie", sagt Adenauer. Das Kaufmännische liege ihm irgendwie im Blut. Zudem habe ihn damals ein alter jüdischer Textilverkäufer aus dem Ort „an die Hand genommen", ihn in die Modebranche eingeführt und mit auf Messen genommen.

Immer wieder kamen auch Handelsvertreter in sein Geschäft. „Einer von denen glaubte an meine Qualitäten als Verkäufer und überzeugte mich 1987, für eine holländische Firma einen schmalen Streifen als Handelsvertreter von Leverkusen bis an die Nordseeküste zu übernehmen." Von da an war er mit seinem Golf 1 auf der Straße unterwegs, bot Händlern Mode aus dem Kofferraum an. „Im ersten Jahr habe ich 120.000 DM brutto gemacht." Sein angefangenes BWL-Studium brach er ab, wechselte 1992 zur deutschen Firma Street One. „Das Tolle war, dass sie im Jahr zwölf Kollektionen herausbrachte. Es gab jeden Monat frische Ware." Bald gehörte Nordrhein-Westfalen zu seinem Einzugsgebiet. „Ich prägte die Kollektionen mit, wurde den Geschäftsführern dann wohl zu teuer und bin 1997 raus."

Esprit war damals zu langsam

Die aus Kalifornien stammende Modemarke Esprit nahm ihn unter Vertrag, um ihr Geschäft in Deutschland zu beleben. „Esprit war damals langsam. Um eine Kollektion auf den Markt zu bringen, brauchten sie zehn Monate." Adenauer bekam eine Task-Force, mit der er es schaffte, zwölf Kollektionen im Jahr herauszubringen. „Der Profit verdreifachte sich. 2004 kam der nächste große Schritt, Esprit ernannte ihn zum Geschäftsführer für Nordamerika. Dort hatte die Marke stark an Ansehen eingebüßt. Doch diesmal blieb der Erfolg aus. „Innerhalb des Unternehmens traf man die Entscheidungen aus politischen Motiven heraus", sagt er. Das habe ihn ausgebremst.

Er verließ den Konzern. Von 2007 bis 2009 arbeitete er in Holland für den US-amerikanischen Hersteller von Surfbekleidung O'Neill. „Doch das Geschäft lief eher rückwärts als vorwärts." Um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, verbrachte er 2009 ein halbes Jahr in Sóller auf Mallorca. Hier verfestigte sich die Idee, eine eigene Firma aufzumachen. „In Amerika hatte ich gelernt, dass gute Geschäfte immer auch eine Geschichte erzählen. Von O'Neill habe ich die Liebe zum Strand, aus Schweden die zum Wasser mitgenommen."

2012 gab er seine erste Kollektion unter dem Namen „Adenauer & Co" heraus. Das erste maritim eingerichtete Geschäft mit Strandmode eröffnete er nach einigen Testläden auf Sylt. Seine Firma sitzt in Meerbusch bei Düsseldorf, wo er auch wohnt. „Fünf Tage die Woche bin ich in Deutschland oder geschäftlich unterwegs", sagt er. An den Wochenenden kommt er gerne nach Mallorca, wo er in Sóller ein Ferienhaus besitzt und Zeit mit seiner Frau und ihren drei gemeinsamen Kindern verbringt. Heute steht nach der Kirche und dem Treffen noch ein wichtiger Termin an:?Die Kinder wollen in den Kletterpark. Aus dem Enkel Adenauers ist längst auch ein Papa geworden.

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