05. Mai 2019
05.05.2019

Wie eine Familie in Camp de Mar Tourismusgeschichte schrieb

Vor 50 Jahren hat Miguel Bauzá die Chance genutzt und die Bar Bagarí eröffnet

05.05.2019 | 01:00
Von li. nach re.: Miquel Bauzá, seine Enkelkinder Miquel und Xisco, Oma Catalina Umbert. Hinten: Maria Bauzá mit ihrem Mann Paco.

Eines Tages, als Maria Bauzá Umbert in den zweiten Stock hoch zu der Wohnung ihrer Eltern über der Bar Bagarí in dem Ort Camp de Mar ging, war das Meer verschwunden. „Ich erinnere mich noch, wie ich mich erschrocken habe", sagt die heute 34-Jährige. „Das muss Ende der 80er-Jahre gewesen sein, als der Bauboom hier richtig losging und plötzlich ein Hotel vor unserer Haustür stand."

Die Bar Bagarí feierte im Frühjahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 1969 ist das Lokal in der zweiten Meereslinie angesiedelt (Via Francisca Capllonch Plomer, 8). Bevor das Hotel Roc Gran Camp del Mar gebaut wurde, sogar mit Blick aufs Meer. Maria Bauzá Umbert ist heute zusammen mit ihrem Mann, Paco Martínez Moreno die Chefin, sie leitet den Service, er die Küche.

Gegründet haben das Familienunternehmen ihre Großeltern, die Eltern ihres Vaters, Miguel Bauzá Gari. „Der Name Bar Bagarí setzt sich aus unseren Nachnamen zusammen", sagt der 76-Jährige, als die MZ ihn und seine Familie an einem Donnerstagmorgen auf einen Kaffee besucht. Statt eines Familienalbums holen sie die Speisekarte hervor, die mit Fotos des Ortes aus einem halben Jahrhundert geschmückt ist. „Auf dieser Finca haben meine Eltern als Bauern gearbeitet", sagt Miguel Bauzá Gari und zeigt auf eines der Bilder. Seine Frau Catalina Umbert Pujol (71) ergänzt: „Es gab dort Viehzeug, sie haben Tomaten, Zwiebeln und Paprika angebaut."

Als Bub hat Miguel Bauzá Gari die Kühe morgens und abends gemolken und ist mit dem Fahrrad nach Peguera gefahren, um die Milch zu verkaufen. Heute gibt es die Finca nicht mehr, an der Stelle steht das Fünf-Sterne-Golfhotel Steigenberger Golf & Spa Resort Camp de Mar. Dort, wo heute wohlhabende Touristen weiße Bälle versenken, hat Miguels Familie den Acker bearbeitet. „Damals gab es hier nur das Gran Hotel", sagt er. „Das hatte ein hohes Prestige", so seine Frau.

Die meisten Touristen seien damals Franzosen gewesen und ein paar Engländer. „Die fuhren mit ihren schicken Autos vor", erinnert sich Miquel. Und im Laufe der Jahre kamen immer mehr. „Da beschlossen meine Eltern 1968, das Stück Land hier zu kaufen, um eine Bar aufzumachen, weil sie im Tourismus eine Chance sahen, von ihrer Scholle herunterzukommen." Er habe sie bei der Idee befeuert. „Ich war 26, als wir die ersten Gäste bewirtet haben", sagt Miquel. Zwei Monate später eröffnete das zweite Hotel in dem Ort. Die Bar Bagarí war lange Zeit neben dem Restaurant Illeta auf der vorgelagerten Insel, einem Kiosk am Strand und einer Bowlingbahn einer der wenigen Anlaufpunkte in Camp de Mar. Seit 1979 inklusive eines Billardtisches.

„Die Urlauber sind vor allem zum Trinken zu uns gekommen", sagt Miquel. „Für die Arbeiter gab es bocadillos", so seine Frau. Sie hat bis in die 80er-Jahre zehn Jahre in der Küche des Restaurants Illeta gearbeitet, lernte Miquel kennen und heiratete ihn. Sie bekamen zwei Kinder, Tomeu (36), der heute in Palma in einer Bank arbeitet und Maria.„Heute ist das Geschäft ein völlig anderes", sagt sie. „Als ich klein war, hat mein Vater auf der Terrasse nur Getränke ausgeschenkt. Meine Mutter war mit uns Kindern abends oben im Apartment." Heutzutage dreht sich alles um die Küche, und die könne bei den Essgewohnheiten der Urlauber eigentlich nie schließen. Die Familie vermietet noch sechs Wohnungen, die sie ab Ende der 70er-Jahre nach und nach über dem Lokal gebaut haben.

Maria und ihr Mann Paco haben zwei Kinder im Alter von sieben und drei Jahren. Ob die Sprösslinge den Familienbetrieb eines Tages übernehmen werden? „Nur wenn sie damit glücklich sind", sagt sie. Auch ihre Eltern hätten sie niemals gedrängt. Schön wäre es natürlich, wenn die Tradition weiter bestehen würde. „Sich als einfache Familie so etwas heutzutage mit all den politischen Vorgaben noch einmal aufzubauen, ist schließlich unmöglich."

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