02. August 2019
02.08.2019

Village People vor ihrem Mallorca-Konzert: "Wir sprechen nicht nur Schwule an"

Den Song „Y.M.C.A" kennen selbst jene, die die 70er-Jahre nicht genossen (oder erlitten). Jetzt lässt Victor Willis, Gründer und Frontmann, seine Männertruppe beim Port Adriano Music Festival wieder aufleben. Ein Gespräch über ewige Partyhits, Comebacks und homosexuelle Rollenbilder

02.08.2019 | 01:00
Victor Willis (4. v. li.) ist der Mitgründer, Frontmann und Polizist von Village People.

Es gibt Lieder und Tänze, die beinahe die ganze Welt kennt. Die Band Village People sagt vielleicht nicht jedem etwas, ihr Hit „Y.M.C.A." hingegen schon. Es ist ein Song, der förmlich dazu einlädt, die Arme hochzureißen und die Buchstaben zu formen. Das Lied hat Victor Willis mitgeschrieben. Der 68-Jährige aus Dallas war und ist nun wieder der Kopf von Village People. 1980 hatte er die Gruppe, die in der Folge mit verschiedenen Ersatzmännern tourte, verlassen. 2017 feierte er mit einer neu zusammengestellten Band sein Comeback. Er habe immer noch seine kraftvolle Stimme, versichert Willis im MZ-Interview. Die Village People treten am Samstag (3.8., 22 Uhr, Karten ab 27,50 Euro: www.mallorcatickets.com) beim Port Adriano Music Festival auf. Neben „Y.M.C.A." erklingen dann alle alten Hits wie „Go West", „In the Navy" und „Macho Man".

Was kann das Publikum in Port Adriano erwarten?
Es wird eine tolle Show voller Energie und mit viel Spaß. Die Leute werden es genießen.

Sie sind nach 37 Jahren wieder zu Village People zurückgekehrt. Wie kam es zu dem Comeback?
2017 begingen wir das 40-jährige Bestehen der Band. Ich beschloss, die Village People wieder aufleben zu lassen. Die Band sollte wieder so sein, wie sie Jacques Morali und ich einst gegründet hatten.

Nach Ihrem Abschied 1980 kam ziemlich schnell die Disco-Musik aus der Mode. Jetzt sind Sie wieder da, die Disco-Musik auch?
Disco ist für mich nie gestorben. Es gab diesen kleinen Zwischenfall im Comiskey Park...

Bei einer später als Disco Demolition Night bekannt gewordenen Werbeaktion für ein Baseballspiel am 12. Juli 1979 in Chicago kamen die Besucher vergünstigt ins Stadion, wenn sie eine Schallplatte mit Disco-Musik mitbrachten. Mit 60.000 Zuschauern kamen drei Mal mehr Zuschauer als sonst. Als Highlight des Spiels wurden die Disco-Schallplatten in die Luft gesprengt.

...Das hat die Discomusik aber nicht umgebracht. Tanzbare Musik gab es schon immer, auch bevor sie Disco hieß. Mein Comeback wird sie nun wieder etwas in den Vordergrund rücken.

Für das Comeback haben Sie eine neue Gruppe von Sängern und Tänzern zusammengestellt. War es denn nicht möglich, sich mit den früheren Bandmitgliedern zu vereinen?
Das war nicht wirklich notwendig, auch nicht für die Aufmerksamkeit der Leute. Die Hälfte von der früheren Band ist schon gar nicht mehr am Leben, andere haben ihre Karriere beendet. Ganz am Anfang verkörperte ich allein Village People. Und mit mir als Frontmann soll die Band jetzt wieder aufpoliert werden.

Der frühere Indianer der Band, Felipe Rose, sagte in einem Interview vor einem Monat, dass die Gruppe damals von einem Produzenten zusammengestellt wurde und sich nie Freundschaften entwickelt hätten. War das ein Problem?
Ich kommentiere keine Dinge, die andere Leute sagen.

Wird es neue Songs von Ihnen geben?
Wir arbeiten an einem neuen Album. Für die Show in Port Adriano greifen wir aber auf die alten Hits zurück.

Ihr größter Hit ist „Y.M.C.A.", eine Lobeshymne auf die Young Men's Christian Association (Christlicher Verein Junger Menschen). Wie stehen Sie heute zu der Organisation?
YMCA ist als Treffpunkt heute immer noch populär. Ich habe das Lied aber nicht als Lobeshymne geschrieben. Es war mehr ein Song, der einfach einen Ort in der Nachbarschaft präsentieren sollte, wo man Basketball spielen und mit den Jungs rumhängen konnte. Ich bin glücklich, dass sich „Y.M.C.A." zu einer Hymne entwickelt hat. Als ich den Song geschrieben habe, war ich oft dort. Heute habe ich mein eigenes Fitnessstudio bei mir zu Hause und muss da nicht mehr hin.

Sie sind der Polizist bei Village People. Haben Sie sich das Outfit selbst ausgesucht?
Ja, ich habe es selbst ausgesucht und geschaffen. Ich trage bei den Konzerten zudem den Anzug eines Admirals der Navy. Mit den Outfits der anderen Bandmitglieder habe ich aber nichts zu tun.

Village People werden oft mit der Schwulenszene in Verbindung gebracht. Ihre früheren Bandmitglieder hatten in Interviews immer konträre Meinungen, ob die Band für dieses Publikum konzipiert wurde oder nicht. Wie sehen Sie das?
Wie Sie schon sagen: Da hat jeder seine eigene Meinung dazu. Einige der Bandmitglieder haben sich als schwul geoutet. Ich bin heterosexuell und verheiratet. Sie stellen mir Fragen, zu denen ich keine Diskussion anfangen möchte. Wir sind Künstler und treten auf der Bühne auf. Die Sexualität geht uns da nichts an.

Ist es nicht offensichtlich, dass beim Outift mit männlichen Rollenbildern gespielt wird, die nicht zuletzt ein schwules Publikum ansprechen?
Das ist Ihre Meinung. Ich habe noch nie davon gehört, dass eine Polizistenuniform oder ein Indianergewand schwul sein sollen. Das gleiche gilt für den Bauarbeiter und den Soldaten. Ich würde sogar sagen, dass Sie die Leute beleidigen, wenn Sie das als schwule Outfits bezeichnen. Höchstens bei dem Biker im Lederdress ließe sich darüber streiten.

Welche Bedeutung haben homosexuelle Rollenbilder dann bei Village People?
Village People spricht nicht nur Schwule an, sondern alle Menschen. Wir lieben es aber, dass wir so viel Zuspruch von Homosexuellen haben.

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