08. November 2019
08.11.2019

Scarlet Flairs Verwandlung am Ballermann

Svenja-Scarleticia Bannagott wäre beinahe Bestatterin geworden. Jetzt hofft sie auf eine Megapark-Karriere. Als Scarlet Flair hat sie die erste Saison schon hinter sich

08.11.2019 | 01:00
Früher hatte sie rote Haare, heute ist sie blond. FOTO: KREYE

Es kommt nicht oft vor, dass jemand sagt, der Ballermann habe ihn zu einem besseren Menschen gemacht. Bei Scarlet Flair (27) ist das so. Die Sängerin aus Lauf an der Pegnitz (Bayern), die seit 2016 auf Mallorca wohnt, hat gerade ihre erste Saison im Megapark mit rund 20 Auftritten beendet. „Ich gehe offener auf Menschen zu, bin nicht mehr so ängstlich, lächle häufiger. Früher galt ich als arrogant, dabei war ich nur schüchtern. Jetzt bin ich glücklicher. Der Ballermann hat mir geholfen", sagt sie. Und da ist noch mehr.

Obwohl um sie herum ordentlich gebechert wird, hält sie sich zurück. „Seitdem ich am Ballermann arbeite, trinke ich kaum noch Alkohol. Ich habe viele junge Fans und sehe mich auch in einer Vorbildrolle. Da kann ich nicht betrunken von der Bühne torkeln." Zudem sei sie fitter als früher. „Bevor die Saison losging, habe ich Gesangsstunden genommen und ein Bootcamp mit Marc Terenzi gemacht. Wir sind vom Balneario 12 im Pendellauf zum Sechser gerannt. Dann runter in die Show-­Arena des Megaparks auf die Bühne, um ein Lied zu performen. Vor dem nächsten Song ging es im Sprint eine Runde durch die Arena zurück auf die Bühne. Das Ganze neunmal. Dreimal die Woche haben wir uns getroffen, zwei Monte lang. Danach bist du fit", sagt sie. Und wie war sie früher?

Lange Zeit wohnten zwei Seelen in ihr. Da war Svenja-Scarleticia Bannagott, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt: „Svenja-Scarleticia war nicht gern mit Menschen zusammen, hatte kurze rote Haare." Schon in der Schulzeit gab es da aber auch Scarlet Flair: „Ich war als Sängerin einer Schulband auf den Bühnen Süddeutschlands unterwegs." Nach der Schule zog sie nach Wiesbaden, um eine Ausbildung als Bestatterin anzufangen. „Ich war schon früh mit dem Tod konfrontiert, habe Freunde durch Autounfälle oder Suizide verloren. Meine Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin, hat neben einem Friedhof gewohnt. Das war mein Spielplatz." Der Tod und der Umgang mit dem Unausweichlichen hat sie fasziniert. „Ich mochte die Arbeit, sie ist sehr abwechslungsreich und besteht nicht nur aus Leichen." Tagsüber organisierte sie Bestattungen, führte Trauergespräche, nachts erwachte ­Scarlet Flair zum Leben. „Ich war Sängerin der Hardrockband Iron Guns, eine Mischung aus Iron Maiden und Guns N' Roses."

Die Zeit in L.A.


Doch irgendwann wollte das Alter Ego Scarlet Flair nicht mehr nur nachts raus. „2010 wurde ich nach einer Online-Bewerbung eingeladen, für den Fernsehsender Viva an einer Castingshow in Los Angeles teilzunehmen." Die Low-Budget-Produktion hieß „The Flatstars" und war eine Mischung aus „Big Brother" und „DSDS". Sie blieb vier Monate in den USA, schmiss ihre Ausbildung in Deutschland. Doch den Plattenvertrag bei einem Top-Produzenten gewann jemand anderes.

Zurück in Wiesbaden hatte sie nichts mehr und fiel in ein tiefes Loch. Scarlet Flair hatte sie im Stich gelassen, übrig blieb Svenja-Scarleticia, die sich in einen Mann verliebte. „Er hat mir aus der schwierigen Zeit herausgeholfen." Im Fünf-Sterne-Hotel Hilton begann Svenja-Scarleticia mit 21 Jahren eine Ausbildung als Restaurantfachfrau, schloss diese ab. Ende gut, alles gut?

Da war ja noch Scarlet Flair. „Mein Freund las damals in der Zeitung, dass ganz in der Nähe ein Casting für ,Popstars' stattfand. Er legte mir das Taxigeld auf den Tisch und ich bin da hingefahren." Scarlet Flair schaffte das Casting, die Recalls in Deutschland und fuhr mit einem TV-Team nach Ibiza. Zwei Monate lang konnte sie ihren Freund nicht sehen. Aus Liebeskummer verpatzte sie ihre Auftritte, zwei Runden vor dem Finale flog sie raus. Doch diesmal wurde sie nicht wieder zur bürgerlich braven Svenja-Scarleticia – Scarlet Flair hatte ihr Leben zu sehr aufgemischt. Daran scheiterte auch die Beziehung. „Als ein Freund nach Mallorca gezogen ist, habe ich für ihn mit dem Auto seine Sachen rübergefahren und bin einfach geblieben." Erst arbeitete sie in einem Restaurant, dann als Sängerin auf Hochzeiten oder Hotel-Events. Da wurde sie auch vom ­Megapark entdeckt. „Sie sprachen mich an, ob ich mir vorstellen könne, dort aufzutreten." Nach kurzem Zögern sagt sie Ja. Am Ballermann war sie vorher nur zweimal in ihrem Leben.

Das Ballermann-Publikum ist skrupellos ehrlich

„Das Publikum dort ist schwieriger, weil es skrupellos ehrlich ist. Das kann einem Künstler schnell das Genick brechen." Doch die neue Scarlet Flair mit ihren langen blonden Haaren, bauchfreien Tops und Leggins kam gut an. Zudem kann sie auch noch singen. Keine Selbstverständlichkeit am Ballermann. Jetzt startet sie in die Saison der Aprés-Ski-Partys, gerade war sie in Hintertux in Tirol. Und was ist mit Svenja-Scarleticia? „Für das introvertierte Mädchen von früher ist kein Platz mehr. Sie ist in Scarlet Flair aufgegangen", sagt die 27-Jährige bestimmt.

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