26. November 2019
26.11.2019

Karin Köller: "Ich bin schon ein bisschen auf Mallorca verwurzelt"

Die Konsulin über ihre Rückkehr auf die Insel, die anstehenden Herausforderungen für das Konsulat in Palma und ihre Sicht auf die deutschen Residenten

26.11.2019 | 01:00
Konsulin Karin Köller vertritt seit Juli wieder die Bundesrepublik auf Mallorca.

Die Fotos aus ihrer ersten Mallorca-Zeit zwischen 2002 und 2007 hängen schon an der Wand im Büro am Paseo Marítimo. Jetzt fehlen noch die Fotos aus Madagaskar, meint Konsulin Karin Köller, als sie zum Interview empfängt. Der ostafrikanische Inselstaat war neben Berlin und dem türkischen Antalya eine der beruflichen Stationen, bevor Köller im Juli wieder nach Palma zurückkehrte. Die 61-jährige gebürtige Hessin, die unter anderem auch schon in Teheran, Brasilia, Uganda oder an der Elfenbeinküste die Bundesrepublik vertrat, will in ihrer zweiten Mallorca-Amtszeit neben dem Bürgerservice auch gesellschaftliche Akzente setzen.

Wie kam es dazu, dass Sie nach all den Jahren nach Mallorca zurückgekehrt sind?
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich in dieser Funktion zurückkommen darf. Es ist bei uns ausgesprochen ungewöhnlich, dass man an einen Standort zurückkehrt. Ich hatte mir einen Ort gewünscht, der nicht allzu weit von Deutschland entfernt ist, nachdem ich ja viele Jahre auch an Krisenorten verbracht habe. Auf meiner Liste stand auch Las Palmas de Gran Canaria, damit hätte ich eher gerechnet als mit Mallorca. Ich hatte zunächst auch gezögert.

Warum?
Man verbindet mit dem vorherigen Aufenthalt bestimmte Bilder. Und die muss man loslassen, wenn man wiederkommt. Man kann zwar an Dinge anknüpfen, das ist ein Privileg. Aber trotzdem muss man neu anfangen. Da habe ich mir schon überlegt, ob ich mich dieser Herausforderung stellen will.

Wie kann man bei Mallorca zögern?
Die Welt kennenlernen zu dürfen, war für mich einer der großen Anreize, den Beruf überhaupt zu wählen. Ich hatte überlegt, ob ich noch einmal etwas ganz anderes machen könnte. Vielleicht noch mal nach Afrika? Oder einen ganz neuen Kontinent kennenlernen? Ich habe dann eine klassische Pro-und-Kontra-Liste aufgeschrieben, und am Ende schlug das Pendel ganz klar nach Mallorca aus.

Welche Punkte standen auf dieser Liste?
Auf der Pro-Seite stand, dass ich mich schon auskenne. Wenn wir an einen neuen Auslandsdienstort gehen, ist das auch immer mit einer komplett neuen Infrastruktur verbunden, man muss sich alles neu erschließen. Ich war die ganzen Jahre auch privat auf Mallorca und habe hier Freunde. Außerdem wusste ich, was hier auf mich zukommt. Das ist aber gleichzeitig auch ein Kontra–Punkt, denn ich kannte natürlich das damalige Arbeitsvolumen im Konsulat, und ich wusste, dass es seitdem nicht gerade weniger geworden ist.

Das Konsulat platzt aus allen Nähten – was machen die Umzugspläne?
Wir sondieren weiter. Sie wissen, wie schwierig es ist, hier auf der Insel Büroraum zu finden. Wir brauchen eine bestimmte Größe, wir müssen gut erreichbar sein, es gibt Sicherheitsvorgaben, wir können nicht unendlich viel zahlen. Das macht die Suche nicht leicht.

Haben die räumlichen Probleme Folgen für Ihre Arbeit, etwa bei der Personalstärke?
Das Personal ist, trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen, angesichts des Arbeitsvolumens zum Glück schon aufgestockt. Wir sind elf Mitarbeiter, davon vier sogenannte Entsandte, also Personal, das rotiert. Aber es ist natürlich für alle eine Belastung, so beengt arbeiten zu müssen. Wir schaffen das Arbeitsvolumen gerade so. Seit meinem Weggang haben sich die Touristenzahlen fast verdoppelt. Die Arbeit ist komplexer geworden. Wir sind jetzt ein eigenständiges Konsulat und nicht mehr dem Generalkonsulat Barcelona unterstellt und zudem haben wir inzwischen auch die Zuständigkeit für die gesamten Balearen. Auf Ibiza gibt es derzeit keinen Honorarkonsul, auch nach dort dehnen wir unseren Bürgerservice aus.

Inwiefern hat sich Ihre Arbeit im Vergleich zu damals verändert?
Damals war ich regelmäßig am Schalter. Durch die Personalaufstockung habe ich jetzt hoffentlich mehr Zeit für andere Aufgaben. Ich halte Kontakt zu den balearischen Stellen, und das für die gesamten Balearen. Zudem wird mein Augenmerk der Förderung der deutschen Sprache, insbesondere der Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und Casa Planas gelten, und ich werde die weitere Entwicklung der deutschsprachigen Schulmöglichkeiten begleiten. Und ich möchte schauen, wie wir mit unseren Möglichkeiten beim Deutschland-Bild auf den Balearen, das ja vor allem die Touristen prägen, neue Akzente setzen können.

Bei der Gedenkfeier für die deutschen Verstorbenen zu Allerheiligen war nur ein halbes Dutzend Besucher da. Was sagt uns das über die Mallorca-Residenten?
Ich war auch überrascht. Aber wir erleben auch in Deutschland, dass die Kirchen nicht mehr so voll sind. Nichtsdestotrotz gibt es auf Mallorca eine sehr aktive Ökumene der deutschsprachigen Gemeinden. Die soziale Unterstützung, wie ich sie damals durch den inzwischen verstorbenen José Rodríguez vom Deutschen Sozial- und Kulturverein erlebt habe, hat sich sozusagen institutionalisiert. Es gibt einen festen Krankenbesuchsdienst, einen Inhaftierten-Besuchsdienst. Das sind sehr fordernde Ehrenämter, die nicht hoch genug gewürdigt werden können. Für uns ist das eine unschätzbare Unterstützung.

Stimmt es, dass auf Mallorca die Zahl der Sozialbestattungen besonders hoch ist?
Das Gefühl hatte ich auch, als ich kam. Aber man muss bedenken, dass es keine deutsche Auslandsvertretung gibt, die so viele Sterbefälle hat wie wir. Ich denke, das ist ein Stück weit auch eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Angehörige – so wir sie denn finden – sagen uns: Wir haben schon so lange keinen Kontakt mehr und möchten nicht für die Bestattungskosten aufkommen.

Stichwort Verwaltung: Inwieweit sind im Konsulat Online-Behördengänge denkbar?
Einen digitalen Behördenservice wie in einigen deutschen Städten wird es auch hier möglicherweise irgendwann geben. Aber wir sind da nicht eigenständig, sondern hängen am IT-Netz des Auswärtigen Amts, über das wir seit einigen Jahren auch ein Terminbuchungssystem anbieten können.

Wie zufrieden sind Sie mit den „Kunden"?
Wichtiger ist doch die Frage, wie zufrieden sind die Kunden mit uns. Soweit ich das nach der kurzen Zeit beurteilen kann, hat sich vieles deutlich verbessert. Viele Kunden informieren sich vorab im Netz, in den Informa­tionsblättern kann man im Vorfeld viel nachlesen. Dennoch rufen viele Kunden noch zusätzlich an und wollen bestätigt haben, dass die Informationen auch korrekt sind, oder benötigen zusätzliche Auskünfte. Diese geben wir gern, aber das führt natürlich immer mal wieder zu Wartezeiten am Telefon.

Wie viel Handlungsspielraum haben Sie, wenn es mit der spanischen Bürokratie hakt, Stichwort Ausländerbehörde?
Das Thema habe ich bereits bei den zuständigen Stellen angesprochen. Wir tauschen uns auch im konsularischen Netz aus und machen die ein oder andere Aktion gemeinsam, um Gehör zu finden. Tatsächlich ist die Zahl der Bearbeiterplätze jetzt erhöht worden, was natürlich auch mit dem möglichen Brexit zu tun hat. Auch in unserer Bürokratie sind wir immer wieder in der Situation, dass es, wie offensichtlich auch hier, schlicht an Personal fehlt.

Können Sie sich vorstellen, auf Mallorca Wurzeln zu schlagen?
Ich habe doch schon welche, ich bin schon ein bisschen verwurzelt. Wie es weitergeht, ist ganz offen – jetzt bin ich erst einmal da und freue mich darüber.

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