31. Dezember 2019
31.12.2019

Menschen, die das Leben auf Mallorca bereichert haben

Auf das abgelaufene Jahr zurückzublicken, heißt auch, sich derer zu erinnern, die von uns gingen. Wir stellen neun von ihnen noch einmal vor

31.12.2019 | 01:00
Damià Seguí, ein Strippenzieher am Spielfeldrand.

Damià Seguí baggerte Mallorca zur Volleyballelite

Das Engagement des Unternehmers Damià Seguí für den Volleyball auf Mallorca begann vor knapp 50 Jahren. Als er 1970 den Club Son Amar gründete – ihm gehörte auch die gleichnamige Showbühne – war er dort Spieler, Trainer und Schiedsrichter zugleich. „In Paris habe ich Netz und Ball gekauft und alles nach Mallorca mitgebracht", so Seguí. Mit seiner Belegschaft der Showbühne Son Amar begann er, Volleyball zu spielen. Son Amar Palma wurde zu einem echten Spitzenclub: Sieben Liga-Titel, sechs Pokalsiege und Teilnahmen an der WM der Clubs machten Son Amar zum erfolgreichsten Volleyball-Verein des Landes. So drückend war die Überlegenheit, dass sich Real Madrid dazu entschloss, sein Team aus der Superliga abzumelden.1991 löste Seguí den Verein auf, später trennte er sich auch von der Showbühne – aber nicht vom Volleyball. Zwischen 2003 und 2008 führte er CV Pòrtol zu drei Liga-Titeln und zwei Pokalsiegen. Und 2016 glückte ihm mit der Dorfmannschaft aus Esporles der Aufstieg in die Superliga. Dort gewann das Team unter dem Namen Can Ventura Palma Meisterschaft und Pokal. Im Sommer 2017 zog sich Seguí aus gesundheitlichen Gründen zurück. Der Nachfolgeclub Urbia Palma spielt weiterhin erfolgreich in der Eliteliga. Am 3. Januar ist Damià Seguí 83-jährig in Palma gestorben.

Marina Schwezova machte Kunst erst möglich


Voller Energie war Marina Schwezova, als die MZ sie und ihren Mann, den Maler Nils Burwitz, im Januar 2019 in ihrem Haus in Valldemossa besuchte. Eine Ausstellung von Burwitz in Pollença stand bevor. Marina Burwitz hatte schon alles vorbereitet. Sie war eine „force of nature", eine Urkraft, fungierte als Managerin, Verlegerin und Archivarin für ihren Mann. „Ich hatte nie Interesse an Kochen und Putzen", sagte sie. Und fast schien es, als wäre sie die Interviewte. Voller Leidenschaft erzählte sie Geschichten und erklärte das künstlerische Universum von Nils Burwitz, während der Maler selbst eher still neben ihr saß.

Marina Schwezova und ihr Mann Nils Burwitz. FOTO: PRIVAT

Marina Ariadna Vladimirovna Schwezova de Burwitz kam als Tochter von russischen Immigranten am 20. November 1939 im südafrikanischen Potchefstroom zur Welt. Sie studierte Kunst an der Universität im Westkapland und machte einen Abschluss als Hochschullehrerin. 1965 heiratete sie den Maler Burwitz. Als sich die politische Situation in Südafrika zuspitzte, zog das Paar 1976 nach Mallorca. Nach mehreren Jahren im Schuldienst wechselte Marina zur französischen Fluglinie UTA, wo sie in der PR-Abteilung arbeitete. Sie war wie geschaffen für einen internationalen Job. Neben ihrer Muttersprache, einem „kultivierten Russisch", wie sie stets betonte, sprach sie sechseinhalb weitere Sprachen. Marina Schwezova ist am 6. Oktober im Alter von 79 Jahren gestorben.

Niki Lauda flog uns in den Urlaub

Wie er denn auf die Insel gekommen sei, fragte die MZ im August 2005 Niki Lauda. „Als Pilot natürlich", antwortete der ehemalige Formel-1-Rennfahrer. Mit seiner Airline Niki betrieb der Wiener damals ebenso wie die mit ihm verbündete Air Berlin ein Drehkreuz für die Weiterflüge auf das Festland oder nach Portugal. Als Unternehmer erlebte Lauda Höhen und Tiefen, blieb aber immer im Geschäft, beispielsweise mit seiner ersten Fluglinie Lauda Air, die er Ende der 90er-Jahre verkaufte. Oder mit der von ihm 2002 gegründeten „Fly Niki", bei der Lauda 2011 ausstieg, bevor sie im Dezember 2017 mit Air Berlin in die Insolvenz ging.

Stets bewies Lauda Kampfgeist: Im Januar 2018 übernahm er die insolvente Fly Niki unter dem Namen Laudamotion erneut, brachte sie als Mallorca- Flieger an den Start – und verkaufte sie wenig später an Ryanair. 34 Jahre ist es her, dass der dreimalige Formel-1-Weltmeister (1975, 1977, 1984) seine Rennfahrerkarriere beendete. Die Älteren mögen sich an die Fernsehbilder aus dem Jahr 1976 erinnern, als Lauda, nur ein Jahr nach seinem ersten Weltmeisterschaftssieg in der Formel 1 am Nürburgring schwer verletzt aus seinem brennenden Rennwagen gerettet werden musste. Der Unfall zeichnete Lauda sein Leben lang. Am 20. Mai ist der berühmte Österreicher im Alter von 70 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben.

Aina Moll belebte die katalanische Sprache 

Sich mit Sprache zu beschäftigen, lag bei ihr in der Familie. Ihr Vater Francesc de Borja Moll war der Verfasser eines monumentalen Katalanisch-Valencianisch-Balearischen Wörterbuchs. Schon als Jugendliche begleitete sie den Papa in den 40er-Jahren auf seinen Reisen durch Spanien, um einen Atlas der Dialekte zu erstellen. Ihre wichtigste Arbeit leistete Aina Moll nach dem Ende der Franco-Diktatur. Von 1981 bis 1988 war die mallorquinische Tochter von Menorquinern die Generaldirektorin für Sprachpolitik der katalanischen Regionalregierung in Barcelona. In dieser Funktion war sie entscheidend daran beteiligt, das sogenannte Immersions-Unterrichtsmodell zu entwickeln, das der unter Franco ins Abseits gedrängten katalanischen Sprache neues Leben einhauchte.

Seither werden in den meisten öffentlichen Schulen, auch auf Mallorca, die Kinder so gut wie ausschließlich auf Katalanisch unterrichtet. Aina Moll hat elf Jahre als Schuldirektorin an der Gesamtschule Joan Alcover gearbeitet und den Sprachverein Obra Cultural Balear mitbegründet. Sie war Trägerin des Georgskreuz der katalanischen Regionalregierung (1988), erhielt den Ramon-Llull-Preis der Balearen-Regierung (1997), die Ehrendoktorwürde der Universitat Oberta de Catalunya (2012) sowie die Goldmedaille des Inselrats von Mallorca (2015). Auch eine Schule in Palma ist nach ihr benannt. Aina Moll starb am 9. Februar im Alter von 88 Jahren in Palma.

Miquel Riera zog die Abenteuerlustigen an

Von dem mallorquinischen Kletterer Miquel Riera stammt der Satz: „Es gibt nur zwei Wege: nach oben oder nach unten." Er hielt die Dinge gerne einfach und liebte es, sich ohne Seil an den Felsvorsprüngen über dem Meer über die Klippen zu ziehen. Miquel Riera gilt als Begründer des sogenannten Psicobloc-Kletterns, das auf Englisch Deep Water Soloing (kurz: DWS) heißt.

Bereits Ende der 70er-Jahre hatte er diesen Sport betrieben, die weltweitere Kletterer-Szene kannte seinen Namen. Besonders in den USA hatte der Mallorquiner viele Fans. „Miquel war für sich genommen schon ein Tourismusfaktor", sagt Francisco Colom, Präsident des balearischen Kletterverbands. „Viele Kletterer kamen, um ihn zu treffen und seine Technik zu lernen." Als dann das Internet erfunden und sich spektakuläre Videos von dem Sport verbreiteten, wurde Miquel Riera zur Legende. Am 9. Oktober ist er im Alter von 56 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben. 

Guillermo Mordillo brachte uns zum Lachen

Humor sei die Zärtlichkeit der Angst, sagte Guillermo Mordillo einmal,  und: „Wenn wir in einer glücklichen Welt leben würden, würden wir Humoristen nicht existieren." Der für seine Figuren mit Knollennasen berühmte Argentinier machte sich zunächst in Paris mit Karikaturen einen Namen. Er arbeitete sich in seinen Zeichnungen an Themen wie Fußball oder der Beziehung von Mann und Frau ab.

Der Umstand, dass er kaum Französisch sprach, führte dazu, dass er seinen Arbeiten keine Texte gab. Genau dies begünstigte seinen  internationalen Erfolg. In den 80er-Jahren zog er mit seiner Familie nach Mallorca. Auch in Monaco hatte er noch eine Unter-kunft. Er stellte zweimal in Palma aus, 1989 und 2009, beide Male im Casal Solleric. Guillermo Mordillo verstarb im Alter von 86 Jahren am 30. Juli in Palmanova.

Tomeu Estaràs traf den richtigen Ton

Seine erste Flöte bekam Tomeu Estaràs als Kind geschenkt. Es war das Instrument, das sein Leben prägen sollte. 1959 gründete er mit seinen Brüdern Rafel und Bernat die Band Los Existencialistas de Valldemossa, die sich bald in Els Valldemossa umbenannte. Els Valldemossa spielten im Tito's und im Tagomago, den großen Tanzclubs in Palma. Der Erfolg bei den Urlaubern ermöglichte es ihnen, mit Hits wie „Fiesta" und „El parado de Valldemossa" durch Großbritannien und Deutschland zu touren.

1969 begleiteten die drei Brüder als Chor die Sängerin Salomé beim Eurovision-Wettbewerb. Mit „Vivo cantando" gewann Spanien zum bislang letzten Mal das Wettsingen. Els Valldemossa bliebt dann noch weitere 50 Jahre mit ihrer mallorquinischen Folkmusik im Geschäft. Am 21. September starb Tomeu Estaràs im Alter von 78 Jahren. 

Regine Peñalver kam aus Liebe auf die Insel


Erst im April hatte die Familie Peñalver gemeinsam den 80. Geburtstag  des spanischen Künstlers Gustavo gefeiert. Der für seine bunten Bilder berühmte Mallorca-Fan hatte eigens eine Ausstellung eröffnet, die er seiner deutschen Frau Regine widmete. „Ich hoffe, uns bleiben noch viele schöne Jahre", sagte er. Die Eröffnung einer weiteren Ausstellung in der Bar Can Patilla erlebte Regine Peñalver nicht mehr.

Die Berlinerin war 43 Jahre lang in zweiter Ehe mit Gustavo Peñalver verheiratet. Regine und Gustavo hatten sich auf einem Flug von Frankfurt nach Berlin kennengelernt, sie arbeitete als Stewardess bei Pan Am. Aus Bekanntschaft wurde Liebe. 1985 zog das Paar auf die Finca Son Turó nahe Capdepera, dem Ort, in dem schon Gustavos Bruder Fernando lebte. Am 8. Juni ist Regine Peñalver im Alter von 80 Jahren in Capdepera gestorben.

Costa Cordalis hat uns prächtig unterhalten

Seine Familie bedeutete ihm alles. Mit seiner Frau Ingrid zeugte Sänger Costa Cordalis drei Kinder; sein Sohn Lucas und seine Tochter Angeliki sind ebenfalls im Showgeschäft. 1944 in Mittelgriechenland geboren, war Costa Cordalis mit 16 Jahren nach Frankfurt am Main gezogen und später nach Mallorca.

Cordalis, der 1976 mit seinem Schlager-Hit „Anita" die Herzen von Millionen „Hitparade"-Zuschauern eroberte, in den 80er-Jahren aber von der Neuen Deutschen Welle ins mediale Aus katapultiert worden war, schaffte sein Comeback in den 90er-Jahren, nicht zuletzt durch seine Auftritte am Ballermann. 2004 gewann er die erste Staffel des RTL-„Dschungelcamps". „Mallorca erinnert mich an Griechenland", heißt es in seiner 2014 erschienenen Autobiografie. Am 2. Juli ist er im Alter von 75 Jahren in Santa Ponça gestorben. 

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