12. Februar 2020
12.02.2020

Wenn der US-Konsular-Agent auf Mallorca aus dem Nähkästchen plaudert

Kathedralenbesuch mit Bill Clinton und Duett mit Frank Sinatra: Tumi Bestard hat seine Memoiren präsentiert

12.02.2020 | 01:00
Weiß viele Geschichten zu erzählen: Tumi Bestard.

So etwas passiert einem US-Präsidenten nur auf Mallorca: Da steht man als mächtigster Staatschef der Welt, beflankt von einem Dutzend finster dreinblickender Bodyguards vor der Kathedrale von Palma de Mallorca - und bekommt die Tür vor der Nase zugeschlagen. „Bill Clinton? Keine Ahnung, wer das ist. Aber er kann wie alle anderen morgen um acht wiederkommen!", soll der Kirchendiener damals Tumi Bestard schroff geantwortet haben, nachdem er für Clinton und dessen Gefolge um eine spontane Privatbesichtigung gebeten hatte.

Es ist eine von zahlreichen Anekdoten, die der ehemalige Konsular-Agent Bartolomeu „Tumi" Bestard Cladera während seiner 45-jährigen Tätigkeit als offizieller Vertreter der Vereinigten Staaten in Palma erlebte. Und die er am 12. Februar unter dem Titel „Memorias de un viejo cónsul" der Öffentlichkeit präsentiert. Seine Memoiren erzählen auf rund 200 Seiten und anhand von mehr als 230 Fotos die Geschichte eines Mannes, der zwischen 1962 und 2007 ungezählte illustre Persönlichkeiten der US-Regierung auf und über die Insel hofierte, darunter gleich drei ehemalige Präsidenten: Jimmy Carter (1992), George Bush Sr. (1993) und Bill Clinton (1997).

Zu verdanken hat der 1935 in Palma de Mallorca geborene Bestard seine außergewöhnliche Lebensgeschichte einem Zufall. „Ich war damals 26 Jahre alt und bereitete mich auf die Abschlussprüfung für den Posten als Beamter in der spanischen Nationalbank vor", erinnert er sich. In einer Bar in Palma de Mallorca lernte er eine Gruppe von US-Unternehmern kennen. Dank seiner guten Englisch-Kenntnisse kam man ins Gespräch. „Sie waren auf der Suche nach einem Baugrundstück in Santa Ponça, und ich bot ihnen meine Hilfe an." Statt Geld für seine Unterstützung schenkten die Investoren ihm anschließend eine dreimonatige Weltreise. „Das war mein größtes Abenteuer", schwärmt der 84-Jährige.

Bei der Beantragung des Einreise-Visums für die USA lernte er den damaligen US-Konsul in Bilbao kennen. Und der schlug ihm schließlich vor, doch die Repräsentanz der geplanten Consular Agency in Palma de Mallorca zu übernehmen. Bestard willigte ein, musste sich jedoch zuvor als erster Regierungsrepräsentant ohne US-amerikanische Staatsbürgerschaft einem mehrwöchigen Vorbereitungskurs zum Erlernen der diplomatischen Gepflogenheiten in Washington unterziehen.

Bestard eröffnete die US-Konsular-Agentur 1962 in Palma de Mallorcas Einkaufsmeile Jaume III., in den 90er-Jahren zog die Vertretung dann in die Nachbarschaft des deutschen Konsulats am Fährhafen Porto Pí. „Zu meinen Aufgaben zählte damals das Ausstellen von Visa sowie die Betreuung US-amerikanischer Soldaten", sagt Bestard. Ein Fulltime-Job. Im Kalten Krieg liefen zwischen 1965 und 1980 bis zu 50 US-Kriegsschiffe pro Jahr die Buchten von Palma und Pollença an. „Außerdem kamen in den ersten Jahren der Konsular-Agentur auch viele Politiker oder deren Angehörige auf die Insel, um hier Urlaub zu machen." Zu ihnen zählten neben der Gattin von US-Präsident Lyndon Johnson, Lydia Johnson, auch mehrere Angehörige des Kennedy-Clans.

Ob es nun an der südländischen Lebensfreude Mallorcas oder Bestards sonniger Art lag: Der Mallorquiner entwickelte sich im Laufe der weiteren Jahre zu einem geschätzten und beliebten Kontakt von Onkel Sam in Europa. „Ich wurde im Laufe meiner Dienstzeit mehrmals nach Washington zu diversen Feierlichkeiten, Banketten oder anderen Regierungsveranstaltungen eingeladen." Dabei lernte Bestard unter anderem Frank Sinatra kennen. „Auf einem gemeinsamen Ausflug über die Fifth Avenue fragte mich Sinatra, ob ich singen könnte. Ich antwortete, dass eines meiner Lieblingslieder „Strangers in the night" sei. Darauf begann er mit mir im Duett auf offener Straße seinen Evergreen zu singen."

Die Anekdoten sprudeln nur so aus Tumi Bestard heraus. Als er auf einer Reise zum Wallfahrtsort des mallorquinischen Missionars Junípero Serra in Kalifornien Clint Eastwood kennenlernte, fragte er den Hollywoodstar, ob er nicht auf Kosten der Landesregierung Mallorca besuchen wolle. „Ich bin derzeit leider zu beschäftigt, und muss demnächst nach Asien reisen", antwortete Clint Eastwood. Bevor Bestard übersetzen konnte, hatte ein mit am Tisch sitzender spanischer Journalist die Antwort schon in den falschen Hals bekommen - und titelte am nächsten Tag: „Clint Eastwood glaubt, dass Mallorca in Asien liegt."

Apropos Junípero Serra. Der in Petra auf Mallorca geborene Heilige (1713-1784) gilt als Gründervater Kaliforniens und spielt für Tumi Bestard und seine Biografie eine wichtige Rolle. „Alle Einnahmen aus dem Verkauf meiner Memoiren kommen der Junípero-Serra-Stiftung zu-gute", sagt Bestard, der die Stiftung seit vielen Jahren leitet.

Wer in seinem Buch auch nur einen Hauch von Kritik an der Außenpolitik der derzeitigen US-Regierung erwartet, wird übrigens enttäuscht. Die Demonstrationen in Palma de Mallorca gegen den Golfkrieg im Irak 2003 unter George Busch jr. oder die zwei Jahre später von der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" aufgedeckten Mallorca-Zwischenstopps von Flugzeugen der CIA, in denen vermeintliche El-Kaida-Terroristen anschließend zum Teil in das US-Gefangenenlager Guantánamo geflogen wurden, finden keine oder kaum Erwähnung.

Zu Wort kommt dagegen der ehemalige Oberbefehlshaber der NATO und früherer US-Sicherheitsberater von Präsident Obama, General James Jones, der bei der Buchvorstellung am 12. Februar im Hotel Meliá Palma Marina (Beginn 19 Uhr) zu Gast sein wird. „Tumi war nicht nur ein stets loyaler Repräsentant der US-Regierung und seiner Streitkräfte auf Mallorca, sondern auch der vielleicht sympathischste Konsular-Agent, den wir hatten", so James Jones im Vorwort des Buches.

Übrigens: Bill Clinton durfte an dem anfangs erwähnten Juni-Tag des Jahres 1997 doch noch - dank der Hartnäckigkeit von Bestard - einen Blick in die Kathedrale von Palma de Mallorca werfen. Und spielte anschließend sogar Saxofon in einem Café am Paseo Marítimo.

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