02. April 2020
02.04.2020
Mallorca Zeitung

Die Entscheidung im Pfarrer-Casting auf Mallorca ist gefallen

Die deutschsprachige evangelische Gemeinde auf den Inseln hat das Pfarrehepaar Mechels/Braun gewählt

02.04.2020 | 17:35
Holmfried Braun, Martje Mechels und die gemeinsame Tochter Mia bei ihrer Vorstellung auf Mallorca.

Das Ergebnis des Pfarrercasting bei der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde auf Mallorca steht fest, die Stimmen der Briefwahl sind ausgezählt. "Das Pfarrehepaar Mechels/Braun hat die ganz deutliche Mehrheit der Stimmen bekommen", teilt die derzeitige Pfarrerin Heike Stijohann in einer E-Mail vom Donnerstag (2.4.) mit.

Das Ehepaar Martje Mechels und Holmfried Braun samt der 16-jährigen Tochter Mia war am 13. März aus dem Rheinland nach Mallorca gekommen, um sich vorzustellen, die Veranstaltung wurde aber bereits von den Auflagen der Coronavirus-Pandemie überschattet. Durchsetzen konnten sich die beiden gegen einen weiteren Kandidaten aus dem Ruhrgebiet.

Nach dem Theologie-Studium in Hamburg, wo sich Mechels und Braun kennenlernten, teilten sie sich zu Beginn ihrer Laufbahn eine Pfarrstelle auf Burg Lichtenberg in Rheinland-Pfalz – eine Zeit, an die beide gerne zurückdenken. „Das ganze Ambiente hatte etwas von einer Playmobil-Burg", sagt Holmfried Braun. Deshalb habe es dort auch zahlreiche Anfragen für Hochzeiten gegeben. „Irgendwann wurden dann nur noch fünf Trauungen im Jahr für Auswärtige zugelassen", erinnert sich Braun, der womöglich nicht zufällig betont, wie gerne er diese Zeremonien abhält. Hochzeiten sind auf der Insel eine der Hauptbeschäftigungen der Pfarrer und eine wichtige Einnahmequelle der Gemeinde. Braun frohlockte bereits bei der Vorstellung auf Mallorca: „Hochzeiten auf einer Finca oder am Strand. Darauf freue ich mich. Das geht ja laut Kirchenrecht in Deutschland nicht."

Nach der Zeit auf Burg Lichtenberg verschlug es das Ehepaar, das neben Mia vier weitere ältere Kinder hat, ins Rheinland. Sie teilten sich 15 Jahre lang eine Pfarrstelle in Asberg, einem Stadtteil von Moers, bevor Martje Mechels vor drei Jahren zum sogenannten Gemeindedienst für Ökumene und Mission am Niederrhein in Krefeld wechselte. „Das war eine spannende Aufgabe, die ich ungern abgebe", sagte Mechels. Die 50-jährige Ostfriesin organisierte Partnerschaften mit Projekten auf der ganzen Welt, unter anderem für Frauen in Namibia oder Indonesien. „Es ging dabei viel um fairen Handel, aber auch etwa um Bildungsarbeit und Wertediskussion", sagt Mechels. Sie sei in dieser Zeit auch „sehr viel im Auto unterwegs" gewesen. Braun wiederum habe „viele Abende allein" verbracht. „Die Work-Life-Balance stimmte einfach nicht mehr", sagt er.

Weshalb der Wunsch aufkam, sich wieder eine Stelle zu teilen. „Sie bekommen mit uns keine zwei 100-Prozent-Pfarrer", will Braun gleich Missverständnissen vorbeugen. Selbstverständlich werde man aber auch nicht bei 50 Prozent aufhören zu arbeiten. Schließlich sei die Kirchengemeinde auf Mallorca eine deutlich kleinere als die in Asberg, wo Braun zuletzt Personalchef über 17 Mitarbeiter war und einen Jahresetat von 1,5 Millionen Euro verwaltete. Da konnte er viele Aufgaben auch delegieren, was auf Mallorca nicht möglich sein wird.

Wie sie ihre Mission auf der Insel verstehe? „Wir haben uns sehr gefreut, dass die Stelle auch 50 Prozent für die Gemeinde beinhaltet", sagte Mechels – die andere Hälfte ist für Tourismusseelsorge gedacht. „Ich brauche eine Basis, es ist mir sehr wichtig, die Gemeinschaft hier zu pflegen." Man wolle die Website noch aktueller halten und die neuen Medien stärker nutzen, um mit der Gemeinde zu kommunizieren. Errungenschaften wie etwa den Krankenhausbesuchsdienst wolle man auf jeden Fall aufrechterhalten. „Wir haben als Gemeindepfarrer die Leute immer im Krankenhaus besucht", so Braun.

Bei der Frage, was die Kirche gegen den chronischen Mitgliederschwund unternehmen könne, gibt es keine klaren Antworten. Es handle sich um einen allgemeinen Trend, den man nicht mit einfachen Mitteln aufhalten könne, sagt Mechels. Klar sei aber, dass erheblicher Reformbedarf beim Gottesdienst bestehe. „Wir müssen wieder lernen, mehr miteinander zu feiern und zu trauern", sagt Braun. Die Gläubigen müssten ihre Zuschauerhaltung verlassen und mitmachen. Vorbild könnten etwa afrikanische Länder sein, wo Menschen im Gottesdienst ausgelassen tanzen.

(Mit Auszügen des Artikels aus der Printausgabe vom 19. März)

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