08. Mai 2020
08.05.2020
Mallorca Zeitung

Wenn die Corona-Krise Mallorca-Paare und -Familien trennt

Sich in wenigen Tagen oder Wochen wiedersehen war der Plan. Dann aber wurde die Insel wegen der Corona-Krise abgeriegelt. Wie Insel-Residenten und deren Partner und Familienmitglieder nun mit der Situation umgehen

08.05.2020 | 01:00
Andreas Adenauers Trost während der Corona-Krise: die Zeit mit seinem Sohn Noah.

Hätten sie gewusst, dass sie sich wegen der Ausgangssperre wochenlang nicht sehen können, hätten sie sich wohl anders voneinander verabschiedet oder sich vielleicht sogar dafür entschieden, die Quarantänezeit an einem Ort zu verbringen. Viele Paare und Familien, bei denen ein Partner oder Familienmitglied nicht fest auf Mallorca lebt, sind von den zu Beginn der Corona-Krise von einem Tag auf den anderen beschlossenen Bestimmungen überrascht worden. Alle waren erst einmal überfordert. Zwei Paare und eine Familie erzählen, wie die Coronavirus-Krise ihre Pläne auf den Kopf gestellt hat.

Die Zimmermanns

Am 8. März verabschiedeten sich Kai und Bernd Zimmermann an ihrem letzten Urlaubstag in Marrakesch – in voller Vorfreude, schon wenige Wochen später zu Ostern auf Mallorca Bernds Geburtstag gemeinsam feiern zu können. Kai reiste zurück auf die Insel, auf der er nach einer Krebserkrankung seit 2011 seinen Ruhestand verbringt, Bernd zu seinem Erstwohnsitz in Hamburg. Er betreibt dort einen technischen Großhandel im ­Baugewerbe. Seit neun Jahren sind die beiden verheiratet. „Wir waren noch nie so lange ­voneinander getrennt wie jetzt", sagt Kai ­Zimmermann. Besonders getrübt sei die Stimmung um Bernds Geburtstag herum gewesen. „Es war das erste Mal, dass wir diese Tage nicht miteinander verbringen konnten."

So oft man auch miteinander telefoniere oder sich per Videokonferenz sehe – die persönliche Begegnung sei kaum zu ersetzen, so der 51-jährige berentete Beamte. Vor allem zu Beginn der Ausgangssperre sei er oft traurig gewesen und habe seinen Mann sehr vermisst. „Es ist nicht so, dass sich zwischen uns danach etwas verändert hat. Die Situation war nur einfach so aussichtslos", sagt er.

Mittlerweile ist die Stimmung wieder ­besser. Kai hat für den 7. Mai einen Flug nach Deutschland gebucht und plant, am 25. Mai wieder zurück auf die Insel zu fliegen. Der Hund ist bei einem Freund untergebracht. „Ich bin allerdings etwas skeptisch, dass das ­alles so klappt. Daher werde ich alles so vor­bereiten, dass ich nicht nur zwei Wochen, sondern auch zwei Monate wegbleiben kann", ­erzählt Kai Zimmermann. Er wohnt auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück bei Son Carrió. „Das muss natürlich eigentlich auch gepflegt werden, aber falls ich in Hamburg bleiben muss, liegt es eben brach. Kein Weltuntergang."

Das Paar Schneider*?–?Wagner

Mareike Schneider* (Name von der Red. geändert) hatte schon in der Vergangenheit Fernbeziehungen und sich immer wieder gut mit der Distanz zu ihrem Partner arrangiert. Die Corona-Krise ist für sie dennoch eine besondere Herausforderung: „Während einer vorherigen Fernbeziehung nach Singapur, habe ich meinen damaligen Partner auch mehrere ­Monate lang nicht gesehen. Dennoch hatten wir immer schon ein festes Datum für unser Wiedersehen und konnten darauf hinarbeiten. Gerade macht mir die Unsicherheit besonders zu schaffen", so die 31-Jährige, die Mitte März auf der Insel einen neuen Job angetreten hat, was sie schon Monate im Voraus geplant hatte. „Meinen Partner und mich hat die ­Corona-Krise wirklich eiskalt erwischt", sagt die gebürtige Stuttgarterin. Bis zum 14. März verbrachte das Paar noch gemeinsam ein paar Tage auf der Insel. „Als ich meinen Freund zum Flughafen gebracht habe, hatte ich schon ein komisches Gefühl", so Schneider. Am Tag danach trat spanienweit die Ausgangssperre in Kraft. Schnell war klar, dass sich die beiden nicht zu Ostern und schon gar nicht in Drei-Wochen-Abständen besuchen können, wie es eigentlich geplant war.

Für ihren Freund Tassilo Wagner, der sie von Anfang an in ihren Auswanderungsplänen unterstützt hat, ist es die erste Fernbeziehung. „Ich wusste, dass ich in den sauren Apfel beißen muss, aber jetzt ist er durch Corona saurer als gedacht", beschreibt der 35-Jährige seine Situation. Bis zu Schneiders Wegzug aus München hat sich das Paar trotz getrennter Wohnungen fast täglich gesehen. „Wenn wir das überstanden haben, wird die normale Fernbeziehung ein Klacks", trösten sich die beiden jetzt und warten darauf, dass Spanien und Deutschland Maßnahmen ergreifen, die miteinander kompatibel sind. „Es würde ja nicht helfen, wenn hier die Flughäfen öffnen und Deutschland keine Flüge anbietet", so Schneider. Die dauerhaft angespannte Stimmung habe sich in der Anfangszeit auch bei den Telefonaten niedergeschlagen. Mittlerweile versucht das Paar, die täglichen Video­telefonate mit Spielen oder gemeinsamem Netflix-Schauen kreativer zu gestalten und so auch mal wieder bewusst schöne Momente miteinander teilen zu können.

Familie Adenauer


Andreas Adenauer spendet gerade vor allem sein 14-jähriger Sohn Noah Trost. Während dessen sechs und acht Jahre alten Geschwister mit Adenauers Partnerin auf Mallorca sind, verbringt der Berufspendler zusammen mit Noah gezwungenermaßen die ganze Quarantänezeit in Deutschland. Normalerweise ist er am Wochenende auf der Insel, unter der Woche lebt und arbeitet er in Düsseldorf.

Seit fünf Wochen hat der 58-Jährige, der in Deutschland, Österreich und auf Mallorca insgesamt 35 Läden der Bekleidungsmarke Adenauer & Co betreibt, seine Frau und die beiden jüngsten Kinder nun nicht gesehen. „Ich bin sehr familienfokussiert und verbringe unheimlich viel Zeit mit meinen Kindern. Ab Freitagabend gehöre ich ihnen. Wenn du das so viele Jahre so lebst und es dann plötzlich weg ist, ist das wie ein Entzug", sagt Adenauer. Dennoch sei es die richtige Entscheidung ­gewesen, bis zur Lockerung in Deutschland zu bleiben, um sich vor Ort um die Firma ­kümmern zu können. „Ich muss flexibel sein in meinem Job", so Adenauer. Wäre er nach Mallorca geflogen, um die Familie zu besuchen, hätte er nach dem Rückflug von der ­Insel in Deutschland womöglich zwei Wochen in Quarantäne verbringen müssen. Das habe ihn abgeschreckt.

Während seine Frau und er gut mit der ­Situation umgehen könnten, macht er sich Sorgen um die jüngsten Kinder und wie sie die Krise erleben. „Mein achtjähriger Sohn hat mir kürzlich im Hinblick auf seinen Geburtstag gesagt, dass er hofft, dass ich nicht noch länger wegbleiben muss. Er ist im September."


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