30. Mai 2020
30.05.2020
Mallorca Zeitung

Die Deutschen in Santanyí wollen die Not in der Krise mit einer neuen Initiative lindern

In der Gemeinde im Südosten bauen internationale Residenten gemeinsam mit Spaniern eine Essensausgabe auf. "Hope Mallorca" will zudem kleine Betriebe unterstützen

30.05.2020 | 01:00
Heimke Mansfeld (2. v. li.) hat Hope Mallorca ins Leben gerufen. Hier mit Damia Pons Adrover (li.), Elvira Urbach, Claudia Radke und Susanne Menke (re.).

Immer wieder haben Leser in den vergangenen Wochen die MZ gefragt, welche Geschäfte während des Alarmzustandes geöffnet haben. Eine Übersicht gab es bislang nicht. Die Initiative Hope Mallorca will sie nun erstellen. „Wir wollen die kleinen Unternehmen unterstützen. Die großen Geschäfte auf der Insel kennt jeder, die kleinen Familienbetriebe aber kaum. Und gerade denen geht es in der Krise schlecht", sagt Heimke Mansfeld. Die Friseurin aus Santanyí, Mutter des Inselsängers Dennis Mansfeld, hat mit ihrer Freundin Jasmin Nordiek und weiteren spanischen und ausländischen Mitstreitern das Projekt gestartet. Neben einer Online-Plattform hat die internationale Gemeinschaft im Ort zudem eine Lebensmittelausgabe auf die Beine gestellt. Hope Mallorca sucht nun engagierte Residenten, die in anderen Gemeinden das Konzept adaptieren möchten.

Liefern trotz Quarantäne

Der Geburtstag der Mutter von Jasmin Nordiek habe den Ausschlag gegeben, erzählt Heimke Mansfeld. „Sie hat ihr per Lieferdienst während der Quarantäne Blumen geschickt. Als diese ankamen, war die Mutter überrascht, dass Geschäfte geöffnet haben und hat uns gefragt, was sie sich sonst noch alles liefern lassen kann." Mitte April haben die beiden Deutschen daraufhin mit der Facebook-Gruppe Hope Mallorca begonnen. „Wir hatten erwartet, dass wir vielleicht 50 Leute erreichen. Wir wurden aber förmlich überrannt", sagt Mansfeld. Mehr als 2.000 Mitglieder hat die Gruppe mittlerweile.

Das Prinzip ist simpel. Die Unternehmer können die Reichweite der Online-Plattform als Werbefläche nutzen. „Wir beschränken uns dabei nicht auf Santanyí. Jedes Unternehmen kann sich bei uns kostenlos eintragen." Auf der Facebookseite können so Aktionen beworben werden oder auch einfach darauf hingewiesen werden, dass man während des Alarmzustandes geöffnet hat. Mansfeld und Nordiek übertragen die Geschäfte auf die dreisprachige Website hope-mallorca.com, die seit Dienstag (19.5.) online ist. Interessierte finden dort die Läden in verschiedene Katagorien unterteilt. „Ich lebe seit 20 Jahren auf der Insel. Dass es in Inca eine Familie gibt, die in einer Garage Hausschuhe näht, hatte ich nicht gewusst."

Not in einer reichen Gemeinde

Als Friseurin hört Heimke Mansfeld viele Geschichten. „In der Cala Llombards hat sich ein Paar ein Haus gebaut. Sie sollten in einem Hotel arbeiten. Da das nicht geöffnet hat, sind sie nun auf Sozialhilfe angewiesen. Sie haben ein schönes Heim, aber kein Essen für ihre drei Kinder." Die Deutsche hat ihre Kontakte genutzt, um den Bedürftigen zu helfen. „Wir dachten, dass in Santanyí die Not eher klein ist, da hier viele kaufkräftige Deutsche leben. Wir wollten schnell anderen Dörfern helfen. Doch bei der ersten Essensausgabe vergangene Woche sind wir fast schon an unsere Grenzen gestoßen."

„Die Krise hat die Insel zum schlimmsten Zeitpunkt erwischt", sagt Mansfeld. „Die Leute haben sich auf die Urlaubssaison vorbereitet und Investitionen getätigt, die im Nachhinein gesehen wohl unnötig waren. Wäre die Krise im Oktober gekommen, hätten die Leute zumindest Rücklagen gehabt, mit denen sie sich über Wasser halten könnten."

In der Not steht Santanyí zusammen. Von Bekannten hat Hope Mallorca kostenlos eine kleine Garage im Carrer del Roser zur Verfügung gestellt bekommen, der als Lagerraum funktioniert. „Bürgermeisterin Maria Pons war von unserer Idee begeistert. Das Rathaus hat uns mit Tischen ausgeholfen und die Essensausgabe abgesegnet."

Freiwillige holen Lebensmittel von den örtlichen Geschäften ab. Spenden gehen nach dem System ein, das in Süditalien als Caffè sospeso (aufgeschobener Kaffee) bekannt ist. „Wer sich beim Bäcker ein Brot kauft, bezahlt zwei. Das zweite geht als Spende an uns", erklärt Mansfeld.

20 ehrenamtliche Helfer haben sich gefunden, die montags, mittwochs und freitags (10 bis 13 Uhr) Tüten packen und verteilen. „Da wir weder Strom noch Wasser haben, müssen wir auf haltbare Lebensmittel zurückgreifen. In die Tüten kommen Reis, Nudeln, Mehl, Tomatensauce, Hülsenfrüchte, Wasser, Milch und Obst." Spenden werden gern eine halbe Stunde vor Öffnungszeit angenommen. „In der kommenden Woche wollen wir in eine größere Garage im Carrer del Mar umziehen, wo wir auch kochen können. Dafür mangelt es uns noch an Einwegschalen."

Wer die Hilfe nötig hat, muss an der Ausgabe nur den Namen und die Personenanzahl angeben. „70 Familien haben sich am Freitag Tüten abgeholt. Damit haben wir 170 Personen erreicht. Die Leute hatten Tränen in den Augen, als wir ihnen das Essen gegeben haben. Sie schlossen uns in ihre Gebete ein."

Wie kann ich helfen?

Mindestens bis zum nächsten Sommer sei die Essensausgabe notwendig, schätzt die Friseurin. „Uns steht ein harter Winter bevor." Bald will Hope Mallorca auch in Cala d'Or, Portocolom und Binissalem Essen verteilen. „Wer einen Standort und eine gewisse Helferzahl hat, kann sich gern uns anschließen. Die Organisation übernehmen wir." Den Kontakt zu Heimke Mansfeld gibt es per Mail an info@hope-mallorca.org.

Aus der Initiative soll zudem ein gemeinnütziger Verein werden, damit Hope Mallorca Spenden entgegennehmen darf. „Dann können wir auch Fördergelder beim Staat beantragen", sagt Heimke Mansfeld.

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