05. Juli 2020
05.07.2020
Mallorca Zeitung

Auf der Straße wegen Corona

Eine Barackensiedlung gegenüber der Meerespromenade von Palma beherbergt jetzt rund 40 Personen, doppelt so viele wie vor Ausbruch der Pandemie

05.07.2020 | 12:18
Provisorische Baracken.

Ein Musiker ohne Urlauber, die ihm Münzen geben, wenn er Saxophon in der Fußgängerzone spielt. Ein Koch ohne Hotel, wo er sich vorstellen kann. Ein Unternehmer, der wegen seiner Schulden sein Haus verlor. Arbeiter, die sich wegen der Jobkrise keine Miete leisten können. Rund 40 Personen haben sich gegenüber des Paseo Marítimo in Palma de Mallorca provisorisch eingerichtet - rund doppelt so viele wie vor der Corona-Krise. Die provisorischen Behausungen in einer Unterführung gegenüber des Parks Pocoyó bestehen bereits seit Sommer 2019.

"Im Leben kann sich alles von einem Tag zum anderen ändern", erzählt Biel, einer der Bewohner, der Reporterin der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". "Es kann jedem passieren. Diese Erfahrung, alles zu verlieren, wünsche ich niemanden". Das Schlimmste sei der erste Tag, wenn man nicht wisse wohin, wenn man das erste Mal zur Suppenküche gehe oder sich gespendete Kleidung anziehe. Und auch, wer schon vorher auf der Straße lebte, bekam die Corona-Krise zusätzlich zu spüren - einige Anlaufstellen schlossen, und die Schlafunterkünfte füllten sich schneller als sonst.

Zwar gebe es auch eine Handvoll Drogenabhängiger in der kleinen Siedlung, die weiteren Personen seien aber Arbeiter und Angestellte, die ihren Job verloren hätten, im Bausektor, im Gastrogewerbe, als Fahrer. Biel berichtet dem "Diario de Mallorca", wie sie ein eigenes System aufgebaut hätten, um Ordnung und Ruhe zwischen den Hütten aus Holz und Karton zu halten, Diebstählen vorzubeugen und zu verhindern, dass sich Drogenabhängige dort spritzen. Mit einem Thermometer messe man auch die Temperatur der Bewohner, man wisse bislang von keinem Covid-19-Fall.

Von den Behörden erhoffen sich die Bewohner, dass ihnen Sozialunterkünfte gestellt werden, bisher habe sich aber niemand um sie gekümmert. Allerdings schaut ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes regelmäßig vorbei, er verweist darauf, dass es mehrere Schlafstätten für Obdachlose gebe. Diese lehnen die Bewohner am Park jedoch wegen der strikten Öffnungszeiten ab - wenn man zu spät komme, werde man wieder auf die Warteliste gesetzt. /ff

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