18. Oktober 2020
18.10.2020
Mallorca Zeitung

Ein berittener Maskenbildner mit Hang zu Mallorca

MZ-Serie über Auswanderer in Corona-Zeiten, Teil 8: Der Berliner Marc Rieke fertigt Perücken und Haarteile für Film und Fernsehen, aber auch für Privatkunden. Auf die Insel zog ihn im Frühling noch etwas anderes: seine Liebe zu Pferden

18.10.2020 | 09:54
Auswanderer Marc Rieke und seine zwei Pferde.

Er hatte es sich so schön ausgemalt: Anfang des Jahres war die Wohnung in Berlin gekündigt, sämtliche Habseligkeiten in Container verpackt und per Spedition auf den Weg nach Mallorca gebracht. Im März wollte Marc Rieke samt seiner zwei Pferde dann hinterherreisen, um auf der Insel Extensions und Haarteile anzubieten sowie als Reitlehrer zu arbeiten.

Doch dann kam Corona, und die Auswanderungspläne des Diplom-Maskenbildners waren zunächst dahin. „Die Ausgangssperre auf Mallorca bremste mich voll aus", erzählt der 41-Jährige beim Besuch der MZ auf seiner Finca irgendwo im Niemandsland nördlich von Manacor. „Es stellte sich die Frage: Wo sollte ich hin? Denn all meine Möbel waren ja schon im Lager in Llucmajor." Also zog der gebürtige Niedersachse zu einer Freundin auf deren Ponyhof in Brandenburg. „Glücklicherweise war da gerade eine Ferienwohnung frei, in die ich übergangsweise einziehen konnte", so Rieke. „Das waren wirklich sehr spartanische Wochen für mich."

In der deutschen Hauptstadt betreibt Rieke bereits seit 20 Jahren das Unternehmen „mr", das sich auf die Haarausstattung für Film- und TV-Produktionen spezialisiert hat. In Filmen wie „Inglourious Basterds", „Ein russischer Sommer", „Der Baader Meinhof Komplex" oder verschiedenen Til-Schweiger-Filmen sind Perücken und Haarteile von Rieke und seinem Team zu sehen. Momentan arbeitet er für eine große Hollywood-Produktion, die in den Filmstudios in Babelsberg gedreht wird.

Seit rund zehn Jahren kommen aber auch Privatpersonen in den Genuss von Riekes Haarkreationen. Für Kunden erstellt er aus Echthaar vor allem Haarverlängerungen und -verdichtungen. Und genau die will er künftig auch auf Mallorca im Friseurgeschäft einer Bekannten sowie direkt bei den Kunden vor Ort an Mann und Frau bringen, während seine Mitarbeiter weiter von Berlin aus arbeiten.

Doch wegen der Corona-Pandemie konnte Rieke erst im Juni nach Mallorca umsiedeln. Zu diesem Zeitpunkt sollte sein neues Business auf der Insel eigentlich bereits laufen. Zumal auch die Geschäfte in Berlin in der Corona-Krise einbrachen: „Die Filmproduktionen sind locker um 50 Prozent weniger geworden – entsprechend hatten auch wir weniger zu tun." Einzig TV-Filme wie Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen sowie die „Tatort"-Krimis seien weitergelaufen. „Die sind den Deutschen schließlich heilig und deshalb äußerst wichtig für die TV-Sender", so Rieke. So seien die Aufträge zumindest nicht auf null gefallen.

Geplant hatte Rieke zudem, seine Liebe zur Reiterei auf Mallorca weiter auszubauen. Schon als Kind sei er leidenschaftlicher Reiter gewesen. „Das habe ich wohl von meinen Eltern geerbt, die selbst viel geritten sind." Nach einer mehrjährigen Pause habe er das Reiten dann als 30-Jähriger wieder aufgenommen und Ausbildungen in diesem Bereich absolviert. Als gelernter Pferdefachwirt und Reitlehrer gab er bis zu seiner Auswanderung auch in Deutschland Reitunterricht. Auf Mallorca will er dies nun auf seiner eigenen Finca tun. Rund drei Hektar Land gehören zu dem ländlichen Anwesen, auf dem er in den vergangenen Wochen eine Pferdekoppel und eine große Trainingsstätte errichtet hat.

Neben klassischem Reitunterricht, den er auch bei Interessierten vor Ort anbietet, will sich Rieke künftig unter anderem auf „Centered Riding" spezialisieren. Dabei werden Balance, Beweglichkeit und Koordination trainiert, um eine bessere Harmonie in der Bewegung mit dem Pferd zu erreichen. „Ich will mit dieser Methode auch Erwachsenen den Spaß am Reiten näherbringen, ohne den strengen und fast schon militärischen Stil, der oft bei jungen Reitern vorherrscht", erklärt der Berliner.

Diesen Sommer sollte eigentlich bereits ein erstes Reitcamp stattfinden, das er zusammen mit einer Kollegin veranstalten wollte. Geplant waren neben dem Reitunterricht auch Yoga-Einheiten. „Das Ganze sollte unter dem Motto ,Reiten und sich etwas Gutes tun' laufen", so Rieke. Dieses Angebot in Zusammenarbeit mit den Landhotels in der Umgebung wurde nun auf das kommende Jahr verlegt – „vorausgesetzt natürlich, dass sich bis dahin die Corona-Lage hoffentlich auch auf Mallorca wieder beruhigt hat", sagte Rieke.

Sorgen macht dem 41-Jährigen momentan noch die angekündigte Quarantänepflicht für Reisende aus Risikogebieten, zu denen Mallorca weiterhin gehört. Eigentlich war geplant, dass er mehrere Tage im Monat nach Berlin pendelt, um dort beispielsweise Arbeiten seiner Mitarbeiter abzunehmen und aufwendige Aufträge für Filmproduktionen zu überwachen und zu begleiten. „Doch was passiert, wenn ich längere Zeit in Quarantäne muss und nicht direkt wieder nach Mallorca zurückkommen kann? Wer kümmert sich dann um meine Pferde hier?", gibt Rieke zu bedenken, der sich auch wegen der guten Flugverbindungen zwischen der Insel und Berlin für Mallorca als neue Wahlheimat entschieden hatte. Damit seine Pferde nicht im Fall der Fälle womöglich unversorgt bleiben, verzichtet Rieke momentan auf Flüge nach Deutschland.

Dies gibt dem Selbstständigen aber auch die Möglichkeit, weitere Geschäftsideen auf Mallorca anzugehen: So plant er, neben seinen anderen Tätigkeiten für Kunden gebrauchte Sattel auszubessern. „Ich habe das Rüstzeug und Wissen, um ehemals gut angepasste Sattel auszumessen und optimal auf den Rücken eines Pferdes auszurichten", erklärt der Pferdefachwirt, der unter anderem Schafswolle beim Aufpolstern von Satteln verarbeitet. „Die Nachfrage nach solchen Arbeiten besteht auch hier."

Auch wenn die Corona-Krise die Pläne des Neu-Auswanderers ziemlich durchkreuzt haben, bleibt Rieke dennoch optimistisch. Er kann der aktuellen Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen: „Da es momentan hier auch arbeitstechnisch sehr ruhig für mich ist, hatte ich reichlich Zeit, in Ruhe hier anzukommen und mich einzuleben", sagt er. „Zugegeben: Wenn es Corona nicht geben würde, wäre sicher alles viel einfacher gewesen. Doch ich lasse mir jetzt einfach ein bisschen mehr Zeit, meinen Alltag wiederzubekommen."

www.marcrieke.de
www.mrforhorses.com

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