24. Juli 2008
24.07.2008
40 Años

Erst impfen, dann reisen

29.07.2008 | 11:38
Nebenwirkungen durch das Impfen treten eher selten auf.

Wichtiger als das Kofferpacken ist es, sich rechtzeitig vor Reiseantritt über die Krankheitserreger des Urlaubslandes und die besten Vorsorgestrategien zu informieren. Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten und wirkungsvollsten vorbeugenden Maßnahmen in der Medizin. Das Ziel hierbei ist es, einen körpereigenen Schutz vor Krankheitserregern aufzubauen und so einer Infektion vorzubeugen.

Der Umfang der vorbeugenden Maßnahmen hängt nicht nur vom Reiseziel, sondern auch vom Reisestil ab. Rucksacktouristen, die entlegene Bergregionen erkunden und dabei in einfachen Unterkünften wohnen, sind gefährdeter als Urlauber in großen Ferienanlagen. Wichtig sind außerdem Vorerkrankungen und das Alter, denn Kinder und ältere Menschen haben ein höheres Risiko. Ihr Schutz muss besonders hoch sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit (DGT) empfiehlt, alle Impfungen etwa 10 bis 14 Tage vor der Reise abzuschließen, damit der Impfschutz ausreichend Zeit hat sich aufzubauen und eventuell auftretende Reaktionen, wie Schmerzen im Arm oder Rötungen an der Impfstelle, nicht die ersten Urlaubstage beeinträchtigen. Die Impf-Rechnung zahlt der Patient erst mal selbst und reicht dann die Quittung unter Angabe des Urlaubsziels ein.

Risiken & Nebenwirkungen

Alternativen zur Impfung und Risiken gibt es nicht: Weder für eine der Reiseimpfungen, noch für die Malaria-Chemoprophylaxe gibt es homöopathische Alternativen. Die Risiken sind in der Regel begrenzt. Nach den meisten Impfungen kann es innerhalb der ersten 48 Stunden zu einer lokalen Reaktion kommen. Hautrötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle sind keine Seltenheit. Außerdem kann die Temperatur steigen, und es können leichte Schmerzen im Arm auftreten. Daher sollten sich Rechtshänder in den linken Oberarm impfen lassen und umgekehrt. Noch am Abreisetag können sich die Kurzentschlossenen impfen lassen, beispielsweise die Auffrischungen für Kinderlähmung, Diphtherie und Tetanus.

Hepatitis A und B

Eine Impfung gegen Hepatitis A wird allen nicht-geimpften Reisenden empfohlen, die in Regionen mit unzureichendem Hygienestandard fahren. Neben Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sind auch Osteuropa und einige europäische Mittelmeerländer betroffen. Das Hepatitis-A-Virus wird hauptsächlich durch den Genuss von mit Krankheitserregern kontaminierten Nahrungsmitteln oder Getränken und bei Kindern vor allem durch Schmierinfektionen übertragen. Bei der Hepatitis-A-Impfung sind zwei Dosen im Abstand von sechs bis zwölf Monaten erforderlich. Der Impfschutz setzt bereits wenige Tage nach der ersten Injektion ein und hält nach der zweiten Injektion mindestens zehn Jahre an. Im Gegensatz zu den Hepatitis-A-Viren werden Hepatitis-B-Viren durch den Austausch von Körperflüssigkeiten, zum Beispiel bei Intimkontakten, Blutentnahmen und Bluttransfusionen, übertragen und können zu einer chronischen Infektion führen. Die Hepatitis-B-Impfung besteht standardmäßig aus zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen und einer weiteren Dosis nach sechs Monaten. Zwei der drei Impfdosen sollten noch vor der Abreise verabreicht werden. Bei Last-Minute-Reisenden kann eine schnellere Immunisierung erforderlich sein. In diesem Fall kann der Abstand zwischen den beiden ersten Impfdosen auch weniger als vier Wochen, aber mindestens sieben Tage betragen. Die dritte Impfdosis erfolgt dann planmäßig nicht vor dem sechsten Monat. Problematisch wird es, wenn Impfnebenwirkungen auftauchen wie leichtes Fieber oder Unwohlsein. Es ist besser, wenn das zu Hause passiert.

Vorsichtsmaßnahmen

Auch für ausreichend Geimpfte gibt es einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: einen guten Mückenschutz verwenden, außerdem Moskitonetze vor den Fenstern und über dem Bett, Insekten übertragen viele Krankheiten. Der alte Grundsatz für Reisende gilt immer noch: „Cook it, boil it, peel it or forget it." Also Vorsicht mit ungekochten Nahrungsmitteln wie roher Milch oder Eiscreme. Meeresfrüchte wie Muscheln sind eine gutes Reservoir für Cholera und Hepatitis A. Fleisch und Fisch nur durchgebraten verzehren. Obst nur geschält essen, aber selbst schälen und nicht auf dem Markt bereits geschältes kaufen. Nicht in stehenden Gewässern und Lagunen schwimmen. Darin fühlen sich auch Cholera-Keime wohl.

Der Autor ist Internist und Kardiologe in der Clínica Picasso in Palma, Tel.: 971-22 06 66.

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