19. Februar 2018
19.02.2018
40 Años

Private Gesundheits-Versorgung auf Mallorca: ein hart umkämpfter Markt

Die private Gesundheitsversorgung auf Mallorca boomt – und weckt die Begehrlichkeiten großer Konzerne. Mittlerweile stehen sich zwei Klinik-Gruppen gegenüber. Ebenso wie die Facharztzentren buhlen sie um deutsche Residenten und Urlauber

20.02.2018 | 09:14
Auf Mallorca gibt es mehrere private Krankenhäuser

Vorsichtig lässt sich María auf einem Metallstuhl nieder und lehnt ihre Krücken an den leeren Nachbarstuhl. Seit Wochen verspürt die Mittsechzigerin Schmerzen im Fußgelenk. Aushaltbar, aber unangenehm. „Ich will endlich wissen, was es ist. Es könnte ja etwas Schlimmes sein", sagt sie. Kurzfristig hat sie in der Clínica Juaneda auf Mallorca einen Termin bekommen, jetzt stehen einige Untersuchungen an. „Das ist ja das Gute an der Privatversicherung, dass es hier schnell geht, auch wenn es sich nicht um einen Notfall handelt", findet die Spanierin.

So wie sie denken viele Menschen auf Mallorca: Rund 30 Prozent aller Balearen-Bewohner sind laut der Balearischen Ärztekammer privat versichert – deutlich mehr als in den meisten anderen Regionen Spaniens. Auch in Deutschland ist die Quote erheblich niedriger: Hier setzen nur etwa elf Prozent aller Versicherten auf eine private Vollversicherung.

„Die private Gesundheitsversorgung auf Mallorca ist sehr stark ausgeprägt", bestätigt Antoni Bennasar, Vorsitzender der Ärztekammer. „Sie gleicht viele Mängel des öffentlichen Gesundheitssystems aus." Lange Wartelisten zum Beispiel, oder Überlastung des Personals und bürokratische Hürden.

Allerdings bieten die im Vergleich zu den deutschen zumeist deutlich günstigeren spanischen Privatversicherungen auch weniger Leistungen an. Bei Komplikationen landen viele Patienten häufig schnell wieder im öffentlichen Gesundheitssystem, das ebenfalls eine gute Versorgung bietet. „Da hat sich in den vergangenen 25 Jahren unglaublich viel getan", so Antoni Bennasar. „Die private und öffentliche Gesundheitsversorgung ergänzen­ sich sehr gut im Service und in technischer Ausstattung. Sie haben sich gegenseitig hochgeschaukelt."

Renovierungen, Neugründungen und Erweiterungen zeichnen die Entwicklung der Krankenhauslandschaft auf Mallorca aus. Von den vier staatlichen Krankenhäusern ist das Hospital Manacor (Eröffnung 1997) mit seinen knapp 21 Jahren das älteste. 2001 folgte Son Llàtzer in Palma, 2007 das Kreiskrankenhaus in Inca. Das Uniklinikum Son Espases in Palma löste 2011 das 1955 eröffnete Son Dureta ab.


Die Konsolidierung

Und die Privaten? Die sorgten in den vergangenen Jahren mit immer wieder neuen Fusionen für Schlagzeilen. „Es ist eine ausgeprägte Konsolidierung im Gang", so Bennasar. Während vor wenigen Jahren noch zahlreiche Wettbewerber miteinander konkurrierten, teilen sich heute zwei Konzerne den Markt zu großen Teilen auf: die Grupo Quirónsalud und die Grupo Juaneda.

Quirónsalud – ein Gesundheitsriese vom spanischen Festland – gewann auf Mallorca Anfang 2015 an Bedeutung, als sich die ursprünglichen Konkurrenten Rotger und Quirón Palmaplanas zusammenschlossen. Seitdem gehören Quirónsalud die beiden Privatkliniken Clínica Rotger und Hospital Quirónsalud Palmaplanas in Palma. Vor wenigen Monaten kam auch die Clinic Balear in Son Verí Nou hinzu. Ebenfalls zur Gruppe gehören das Hospital Platja de Muro sowie zehn kleinere Gesundheitszentren auf Mallorca, Menorca und Ibiza und fünf Zahnkliniken. „Wir stellen 28 Prozent aller privater Krankenhausbetten auf den Balearen", so der Konzern auf MZ-Nachfrage.

Es ist gar nicht so leicht, schnell an Informationen zu gelangen – jegliche Kommunikation mit der Presse wird bei Quirónsalud mit Deutschland abgestimmt, denn seit September 2016 hat die deutsche Fresenius-Helios-Gruppe die Kontro­lle über Quirónsalud übernommen und damit seine Vormachtstellung als größter Gesundheitskonzern Europas weiter ausgebaut.

Dennoch: Auf Mallorca ist der heimische Konkurrent Juaneda größer, zumindest was den Marktanteil angeht. Dem 1917 auf der Insel gegründeten Unternehmen gehören die drei Krankenhäuser Clínica Juaneda (Palma), Hospital Juaneda Muro und seit 2013 auch die Clínica Miramar (Palma) an. Mit zwei weiteren Krankenhäusern auf Menorca sowie balearenweit 13 Polikliniken, 40 medizinischen Versorgungszentren, zwölf Zahnkliniken und sieben Physiotherapiezentren stellt der Konzern laut eigenen Angaben gut 50 Prozent aller privater Krankenhausbetten auf den Inseln. Das weckte erst kürzlich das Interesse von Konzernen auf dem Festland: Fast hätte Spaniens größter Gesundheitskonzern Vithas Ende 2017 durch eine Kapitalerhöhung die Mehrheit der Anteile an Juaneda und somit auch die Kontrolle über das Unternehmen erlangt. Letztlich blieb dies aber dem Juaneda-Chef Juan Alguersuari vorbehalten, der 34 Millionen Euro beisteuerte, um weiterhin die Entscheidungsmehrheit zu haben. Der Mediziner ist Haupteigner und Vorsitzender der Juaneda-Gruppe und seit 44 Jahren dabei. „Seit 44,5 sogar", sagt er im Gespräch mit der MZ.

Das einzige Privatkrankenhaus Mallorcas, das weder ihm noch dem Konkurrenten Quirónsalud gehört, ist das Hospital de ­Llevant in Porto Cristo. Doch auch in dieser Gegend will Juaneda weiter­wachsen. Die Genehmigungen für ein lange angekündigtes neues Krankenhaus in Cala Millor seien vorhanden, so Alguersuari, „in naher Zukunft" könne es losgehen. Die urlauberstarke Gegend an Mallorcas Ostküste reizt den Unternehmer. „Juaneda hatte schon immer den Ruf, die Klinik der Ausländer zu sein." Urlauber wie ausländische Residenten machten einen wichtigen Anteil der Patienten bei Juaneda aus. Das zeigt sich auch beim Gang durch die Klinik: Fast alle Schriftzüge sind neben Spanisch auch auf Englisch und Deutsch angebracht. Auf der Website wirbt die Gruppe damit, auch von gesetzlichen deutschen Krankenkassen wie der AOK anerkannt zu sein und mit Reiseveranstaltern und Hotelketten zu kooperieren. Auch die konkurrierende Grupo Quirónsalud wirbt mit internationalen

Spezialisten und Mehrsprachigkeit, 30 Prozent aller behandelter Ausländer seien Deutsche. „Sowohl Residenten als auch Urlauber", so Quirónsalud auf Nachfrage.


Die Facharztzentren

Des einen Freud, des anderen Leid. Luai Chadid, Internist und Kardiologe an der Clínica Picasso, kann an der Konsolidierung der beiden großen Gruppen nichts Gutes erkennen. Die Clínica Picasso ist eines der mittelgroßen deutschen Facharztzentren, die ebenfalls um Patienten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz buhlen. „Der Markt ist hart umkämpft", so Chadid zur MZ. Es gebe etwa 100 bis 150 deutsche Ärzte auf der Insel, die sich um rund 20.000 bis 30.000 deutschsprachige Residentem reißen. „Um erfolgreich zu bestehen, müssen wir hier besonders guten Service vorweisen, uns besonders viel Zeit für die Patienten nehmen und über ­besonders gute technische Ausrüstung verfügen. Sonst entscheiden die Patienten sich dafür, Eingriffe in Deutschland vornehmen zu lassen, zumal die dort teilweise günstiger sind."

Noch schwieriger sei es für die Facharztzentren, Touristen auf sich aufmerksam zu machen. In der Clínica Picasso setze man vor allem auf Mundpropaganda und Werbung in sozialen Netzwerken. Anders käme man an die ausländischen Urlauber kaum heran. „Die zwei großen Konzerne haben Verträge mit den Hotels, damit sie die Urlauber direkt in die eigenen Einrichtungen schicken. Das ist unlauterer Wettbewerb", findet Chadid. Er befürchtet Preisabsprachen, die nicht nur zum Nachteil der kleineren Facharztzentren, sondern auch dem der Patienten gehen könnten.

In der balearischen Ärztekammer teilt man diese Befürchtung nicht. „Die Konzentration ist weder gut noch schlecht, sie ist einfach Realität und folgt einem Trend, der in ganz Spanien zu beobachten ist", so der Vorsitzende Antoni Bennasar. Es sei gut, dass es zwei Gruppen gebe und nicht nur eine. „Es besteht noch Wettbewerb. Hätten wir da Befürchtungen, dann wären wir die Ersten, die dagegen vorgehen würden."

Im Deutschen Facharztzentrum, das Filialen in Peguera und Santa Ponça unterhält, will man sich ebenfalls nicht beschweren. Urlauber seien hier ein fester Bestandteil des Kundenstamms. „Für uns ist es unerheblich, was die ­Großen machen, das Geschäft ist seit ­Jahren stabil", so Geschäftsführer Ulrich Esser. Er kann dabei wohl auch auf einen Standortvorteil zählen – im Einzugsbereich des Facharztzentrums im Südwesten der Insel sind Juaneda und Quirónsalud bisher weniger stark vertreten, und auch die anderen kleineren Facharztzentren konzentrieren sich vor allem auf Palma.

Die Kooperationen

„Der Urlaubermarkt ist überall stark umkämpft. Da ist viel Geld zu holen und die Patienten haben weniger hohe Ansprüche als die Residenten", sagt Stefan Kamp, Urologe und geschäftsführender Gesellschafter im deutschsprachigen Ärztezentrum Palma Clinic. Das Konkurrenzdenken zwischen Kliniken und ambulanten Zentren sei spürbar, aber weniger stark als noch vor einigen Jahren. Seit vielen Jahren hätten die Ärzte der Palma Clinic die Möglichkeit, stationäre Eingriffe ihrer Patienten in den großen Privatkrankenhäusern durchzuführen und dort auch
Patienten stationär zu betreuen. „Das sind gute Kooperationen, bei denen sowohl wir und die Krankenhäuser als auch die Patienten gewinnen." Das Hauptaugenmerk der Palma Clinic liege auf Residenten. „Da konkurriert man natürlich mit Deutschland, aber es passiert immer seltener, dass wir Patienten dahin verlieren", so Kamp. Auch, weil der Kontakt zu den deutschen Versicherungen mittlerweile gefestigt sei. „In vielen Fällen können wir klären, dass sie Leistungen übernehmen."

Das Internationale Facharzt­zentrum Porto Pi, das sich ebenfalls verstärkt um deutschsprachige Patienten bemüht, wollte sich auf MZ-Anfrage nicht äußern.

Bei Quirónsalud und ­Juaneda gibt man sich kooperations­bereit – sowohl was den großen Nebenbuhler angeht, als auch was die kleineren Zentren betrifft. Es bestünden mehrere Abkommen mit Facharztzentren, eine Zusammenarbeit sei „sehr wichtig", so Quirónsalud. Juaneda-Präsident Juan Alguersuari äußert sich ähnlich. Die Kooperation mit den Mitbewerbern sei eines der Ziele, das er verstärkt angehen wolle, jetzt, wo die Gefahr durch die Vithas-Übernahme abgewehrt sei. Nur so könne man erfolgreich sein – und den Patienten gerecht werden.

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