05. November 2019
05.11.2019

Mehr Transparenz im Supermarkt mit Apps und dem Nutri-Score

Sowohl in Spanien als auch in Deutschland ist es wohl nur noch eine Frage Zeit, bis mit Nutri-Score Lebensmittel nach ihrem Nährwert gekennzeichnet werden. Bis dahin behelfen sich immer mehr Verbraucher mit Smartphone-Anwendungen wie etwa Yuka. Doch was taugen sie?

05.11.2019 | 01:00
Auch Deutschland und Spanien sind pro Nutri-Score.

Sie würden beim Einkaufen auf Mallorca gern auf den ersten Blick erkennen, welche Tiefkühlpizza oder welches Müsli gesünder ist? Aus der Nährwert-Tabelle auf der Rückseite der Verpackung erschließt sich Ihnen jedoch nicht, ob ein Produkt nun vergleichsweise viel oder wenig Fett, Zucker oder Salz enthält? Da die bisher geltenden Pflichtangaben zu den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln für die wenigsten Käufer sofort transparent sind, fordern Ernährungsexperten und Verbraucherschutzverbände in Europa schon seit Jahren eine einfachere Kennzeichnung.

Noch ist diese weder in Spanien noch in Deutschland vorgeschrieben. Dennoch haben sich die Verantwortlichen mittlerweile auf ein Modell geeinigt: den sogenannten Nutri-Score. Wie Bundesverbraucherministerin Julia Klöckner Ende September bekannt gab, soll das System in Deutschland im Jahr 2020 eingeführt werden. Auch spanische Ernährungsexperten setzen sich bei der Europäischen Kommission aktuell für die verpflichtende Angabe der Kennzeichnung ein.

Bis es so weit ist, können sich ernährungsbewusste Verbraucher mit Apps wie „Yuka", „ElCoco" oder „MyRealFood" behelfen. Die Anwendungen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, stehen jedoch in der Kritik – ob wegen kombinierter Evaluationsmethoden, die Nutzer verwirren können, oder unpassender Alternativvorschläge zu ungesunden Produkten. Zwei verwenden auch das Nutri-Score-System. Die MZ erklärt, wie es funktioniert, wie die hierzulande beliebtesten drei Apps bei der spanischen Verbraucherschutzorganisation (OCU) abgeschnitten haben, und was sie Konsumenten stattdessen empfiehlt.

Berechnung des Nutri-Score

Der aus einer fünfstufigen Farbskala mit Buchstaben von A bis E bestehende Nutri-Score gibt ein Gesamturteil zur Qualität der Nährstoffzusammensetzung ab. Dabei steht das „A" in Grün für die günstigste und das „E" in Rot für die ungünstigste Nährwertbilanz. Um den Score zu bestimmen, werden die Mengen verschiedener Nähr- und Inhaltsstoffe miteinander verrechnet. Problematische Bestandteile wie Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz, Zucker und der Energiegehalt wie auch vorteilhafte Bestandteile wie Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse und Nüsse werden mit Plus- und Minus-Punkten gewichtet. Die errechnete Gesamtpunktzahl wird dann in eine der fünf Buchstaben-Zahlen-
Kategorien übersetzt.

Im Vorreiterland Frankreich tragen bereits seit 2017 einige verarbeitete Lebensmittel den Nutri-Score. Spanien ist 2018 mit einer Auswahl an Produkten nachgezogen, in Deutschland wiederum bieten seit 2019 etwa Danone und Iglo das Logo auf ihren Produkten an.

So bewerten die Apps

Auch zwei der erwähnten Nährwert-Bestimmungs-Apps nutzen Nutri-Score. „ElCoco" etwa bewertet ein Produkt, nachdem Nutzer dessen Barcode eingescannt haben, sowohl auf der Basis des Nutri-Score als auch auf der der sogenannten Nova-Klassifizierung. Letztere ordnet Lebensmittel auf einer Skala von 1–4 nach ihrem Aufbereitungsgrad ein. Die 1 wird für frische oder nur minimal verarbeitete Lebensmittel vergeben, die 4 für sehr stark verarbeitete, bei denen kaum mehr eine Verbindung zum Ursprungsnahrungsmittel besteht. Laut OCU kann die Mischung der beiden Systeme Verbraucher verwirren. Die App zeigt für das Schokopulver „Cola Cao 0 Prozent" beim Nova-System eine 4 an, vom Konsum wird demnach abgeraten, der Nutri-Score evaluiert ihn jedoch mit A (vorteilhafte Nährwertqualität). In anderen Fällen sei die Gesamtbewertung unvollständig, da nur die Einordnung von einem der beiden Systeme angezeigt werde.

Bei der aus Frankreich stammenden App „Yuka" basiert die Endnote auf drei Bausteinen: mit 60 Prozent wird die Nährstoffzusammensetzung nach den Kriterien des Nutri-Score gewichtet, mit 30 Prozent enthaltene Zusatzstoffe und deren Risiko laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (hoch, begrenzt, gar keines) und zu zehn Prozent der umweltfreundliche Aspekt eines Lebensmittels.

Darauf basierend wird ein Produkt mit einem der folgenden vier Adjektive betitelt: malo (schlecht), mediocre (mittelmäßig), bueno (gut) oder excelente (exzellent). Die OCU bemängelte an der App etwa, dass bei der Einstufung von Lebensmitteln als umweltfreundlich ihr Herkunftsort nicht miteinbezogen wird. Dabei sollten Produkte möglichst von lokalen Märkten stammen, damit sie als nachhaltig bewertet werden können. Zudem, so die OCU, gebe es heutzutage keine Studien, die bestätigen, dass ein Bio-Produkt, was die Ernährung betrifft, besser sei als das aus einer gewöhnlichen Herstellung.

„MyRealFood", die neuste App, basiert größtenteils auf der Nova-Klassifizierung. Zudem fließt eine Bewertung der Zusatzstoffe nach den Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit mit ein. Die App teilt Nahrungsmittel in eine von drei Gruppen ein: comida real (gar nicht oder kaum verarbeitetes Essen), buenos procesados (gut verarbeitete Lebensmittel) und ultra procesados (stark verarbeitete Lebensmittel). „MyRealFood" warnt Nutzer, wenn ein Produkt viele gesättigte Fette, Zucker, Salz oder Energie enthält, und schlägt, wie Yuka auch, gesündere Alternativen vor.

Die OCU kritisierte dabei allerdings, dass die Vorschläge oft nicht aus derselben Produkt-Kategorie stammen, die Apps etwa „puren Kakao" anstelle der Tafel Vollmilchschokolade mit Mandeln empfehlen. Nicht auszuschließen sei bei den Alternativempfehlungen auch, dass kommerzielle Interessen der App-Gründer eine Rolle spielen, obwohl diese den Vorwurf bestreiten. Aufgrund der Neuheit sei ein Großteil an Produkten in „MyRealFood" zudem noch nicht aufgelistet.

Kostenpflichtige Alternative

Als Alternative zu den Apps hat die OCU ein eigenes, auf dem Nutri-Score basierendes Vergleichssystem von Lebensmitteln erstellt, das nicht auf externen Daten basiert. Die Anzahl der Produkte (707) ist jedoch im Vergleich zu denen, die man in den spanischen Supermärkten findet, ziemlich begrenzt. Für Produkte, die mit C oder schlechter abschneiden, bietet das OCU-Tool, falls es sie gibt, eine gesündere Alternative aus derselben Kategorie. Um den „Comparador nutricional" nutzen zu können, muss man sich kostenpflichtig anmelden: https://www.ocu.org/alimentacion/comer-bien/test/comparador-nutricional/ .

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