17. Januar 2020
17.01.2020

So starten Mallorca-Residenten gesünder ins neue Jahr

Die Epidemiologin Dora Romaguera erforscht, wie sich unsere Ernährung auf Krankheiten auswirkt. Wir haben sie um Gesundheits-Tipps gebeten

17.01.2020 | 01:00
Dora Romaguera hat ursprünglich Pharmazie studiert.

Sterben Menschen, die viele Erfrischungs­getränke konsumieren früher? Kann die Ernährungsweise einer schwangeren Frau dazu führen, dass ihr Kind später fettleibig wird? Hat jemand, der viele stark verarbeitete Lebensmittel zu sich nimmt, ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken? Unter anderem dazu forscht Dora Romaguera (Palma, 1979) am balearischen Forschungsinstitut Idisba, das an das Krankenhaus Son Espases in Palma de Malorca angeschlossen ist. 2017 gewann sie einen mit 20.000 Euro ­dotierten Jungforscher-Preis, um weiter zum Einfluss der mediterranen Küche auf den Diabetes-Typ-II forschen zu können. Immer auf dem neuesten Stand der Forschung, hat sie für die Residenten auf Mallorca einige Tipps für einen gesunden Start ins neue Jahr bereit (Stichwort „gute Vorsätze" und so).

Mit welchen einfachen Tricks können wir unseren Lebensalltag schon ab heute gesünder gestalten?
Die Bewohner Mallorcas sind es gewohnt, überallhin mit dem Auto zu fahren. Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr wäre, stattdessen aktive Fortbewegungsmittel zu nutzen, also das Fahrrad oder die eigenen Beine. Wenn wir nur fünf Tage pro Woche jeweils 30 Minuten zügig ­gehen, macht das 150 Minuten moderate Aktivität die Woche. Damit haben wir die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation schon überschritten. Und es ist gut machbar.

Egal ob im Immobilienbüro oder an der ­Hotelrezeption: Auf Mallorca sind viele Menschen gezwungen, ihre Arbeit im Sitzen zu erledigen. Was empfehlen Sie ihnen?
Als Forscherin sitze ich selbst oft acht Stunden am Tag vor dem Computer. Ich rate dazu, einmal pro Stunde aufzustehen und fünf Minuten zu gehen. Heutzutage existieren Apps und ­Fitness-Uhren, die die körperliche Aktivität aufzeichnen und einen zum Beispiel jede ­Stunde erinnern können, einmal aufzustehen.

Uns mehr zu bewegen, ist das eine. Worauf sollten wir bei der Ernährung achten?
Darauf, statt stark verarbeiteter Lebensmittel natürliche zu konsumieren, saisonale Pro­dukte von hier, alles, was man auf dem Markt kaufen kann und was schon unsere Großeltern im Kühlschrank und in der Speisekammer ­hatten: Fisch, Eier, Früchte, Gemüse, Hülsen­früchte. Viele glauben, stark verarbeitete ­Lebensmittel sind nur Fertiggerichte, dabei gehören auch Cornflakes, Säfte und Kekse dazu. Brot sollte, wenn möglich, aus Vollkornmehl und Sauerteig bestehen. Dazu kann man dann zum ­Beispiel Avocado, Tomaten oder Sardinen ­essen. Der Konsum von Weißbrot hat auf den Stoffwechsel einen ähnlichen Effekt, wie wenn man sich ein Tütchen Zucker reinkippt. Wer gern Wein zum Essen trinkt, sollte darauf ­achten, dass er einen ­Qualitätswein trinkt, und auch den nur in Maßen. Beim oft im Zusammenhang mit der mediterranen ­Küche genannten Vorschlag, ein Glas Wein pro Tag zu trinken, scheiden sich in der ­Wissenschaft die Geister. Es kommt immer auf die Einzelperson an. Bei einem jungen, ge­sunden Menschen etwa kann sich durch den Weinkonsum das Risiko, an Brustkrebs zu ­erkranken, erhöhen.

In den vergangenen Jahren sind viele Lebensmittel wie Quinoa oder Chiasamen zur Mode geworden. Sollten wir sie in die mediterrane Küche integrieren?
Wer variieren möchte, kann das machen. Ansonsten hatte die mediterrane Küche schon immer alles, was wir für eine ausgewogene Ernährung benötigen. Früher konnten es sich die größtenteils ärmere Bevölkerung nicht leisten, etwa Kalbfleisch als Proteinquelle zu verzehren. Fleisch war damals sehr teuer, und auf Mallorca gab es kaum Kühe. Also aßen sie für die Proteinzufuhr Eier, Gemüse, Huhn oder Schweinefleisch. Und auch das nicht jeden Tag. Die meisten Familien hatten nur ein einziges Schwein, das sie dann jeweils am Ende des Jahres schlachteten. Aus ihm machten sie Sobrassada und ein bisschen butifarró. Davon lebte eine ganze Familie dann ein Jahr lang. Mittlerweile wollen viele Menschen gern jeden Tag Fleisch essen. Das ist nicht gesund. Dann lieber so, wie es unserer Großeltern gemacht haben.

Sie gehören zu den Autoren einer in der renommierten Zeitschrift „Journal of the American Medical Association" veröffentlichten Studie zum Zusammenhang zwischen Erfrischungsgetränken und ­Krankheiten wie Bauchspeichel­drüsenkrebs und Diabetes. Was waren die ­wichtigsten Ergebnisse?
Erfrischungsgetränke gehören zu den stark verarbeiteten Lebensmitteln. Ab und an mal eines zu trinken, zum Beispiel eine Cola pro Woche, wenn man mit seinen Freunden in einer Bar ist, ist unbedenklich. Wer Erfrischungs­getränke aber als Wasserersatz trinkt, kann ­gesundheitliche Probleme bekommen, zum Beispiel Diabetes. Cola ist verdünnter ­Zucker, der sehr schnell ins Blut gelangt. Es ist, als würde man sich Zucker direkt injizieren. Der Körper muss schnell reagieren, indem er Insulin produziert, um ihn abzubauen. Dadurch wird die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft gezogen, und man entwickelt zum Beispiel Diabetes. Auch Fettleibigkeit kann eine Folge sein.

Sind Light-Getränke oder solche mit Süßstoff unbedenklicher?
Das hat man lange geglaubt. Wissenschaftlich spricht aber einiges dagegen. Zum Beispiel, dass die chemischen Inhaltsstoffe von stark verarbeiteten Lebensmitteln die Darmflora beeinflussen können, was sich wiederum negativ auf die Psyche auswirken könnte, etwa in Form einer Depression. Es ist also wichtig, dass jeder eine gesunde Darmflora hat.

Auch Lebensmittel für Kinder sind oft stark verarbeitet und ihre Verpackungen noch dazu explizit so gestaltet, dass die Kleinen automatisch zugreifen wollen. Was können Eltern tun?
Viele Mütter und Väter sind sich gar nicht bewusst, wie ungesund die meisten dieser Lebensmittel sind. Auch um sich Diskussionen mit ihren Kindern zu sparen, greifen sie schnell zum Fast-Food-Menü, zu dem es ein Geschenk dazu gibt, den Keksen in Dinosaurierform oder Süßigkeiten, auf deren Packung bekannte Zeichentrickfiguren lächeln. Meist sind all diese Produkte stark verarbeitet. Es ist wichtig, die Eltern aufzuklären, denn sie haben einen großen Teil der Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder. Spanien ist eines der Länder der Europäischen Union mit der höchsten Rate an übergewichtigen oder fettleibigen Kindern. Dabei herrschen in den meisten Teilen des Landes doch gute Bedingungen, um sich etwa ganzjährig viel draußen zu bewegen, und die mediterrane Küche ist auch vorteilhaft.
Im Vergleich zu einigen nördlicher gelegenene Ländern sind wir etwas faul. In Holland oder Dänemark fahren viele Kinder mit ihren Eltern mit dem Fahrrad zur Schule oder gehen zu Fuß. Es ist eine Erziehungs- und Bewusstseinsfrage. Bis vor einigen Jahren gab es hierzulande noch nicht einmal Fahrradwege.

Sie haben selbst zwei Kinder (sechs und acht Jahre). Wie schaffen Sie es, dass sie sich gesund ernähren?
Ich zwinge sie nie dazu, bestimmte Dinge zu essen, und verbiete ihnen auch nichts, versuche ihnen stattdessen, zum Beispiel Gemüse durch die Zubereitung schmackhaft zu machen. Sie lieben Auberginen, aber nur frittiert mit Kichererbsenmehl.

Sie waren also tatsächlich nie mit ihnen in einem Fast-Food-Restaurant?
Doch, einmal am Flughafen auf der Rückfahrt vom Urlaub. Das Erste, was mein Sohn gefragt hat, war: „Mama, wo ist das Besteck?"

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