24. Juli 2020
24.07.2020
Mallorca Zeitung

117 Neuinfektionen: die aktuellen Corona-Zahlen

Landesregierung verweist darauf, dass mehr getestet wird und die meisten Fälle asymptomatisch sind

24.07.2020 | 11:24
117 Neuinfektionen: die aktuellen Corona-Zahlen

Die offiziell registrierten Corona-Zahlen auf Mallorca steigen laut der Statistik vom Freitag (7.8.) weiter an. Das balearische Amt für Epidemiologie (Servei balear d'Epidemiologia) meldet demnach, dass auf den Inseln innerhalb der vergangenen 24 Stunden weitere 117 Neuinfektionen dokumentiert worden sind. Am Vortag waren es 111.

Zudem sind 55 Patienten genesen. Derzeit gibt es demnach offiziell 657 "aktive" Covid-19-Patienten auf den Balearen, die mit PCR-Tests bestätigt worden sind und somit dem Ländervergleich standhalten. Das sind 62 mehr "aktive" Fälle als noch am Vortag. 

Dass in den vergangenen Tagen so viele Neuinfektionen dokumentiert wurden, liegt laut Corona-Sprecher Javier Arranz am Donnerstag daran, dass die Kommunikation innerhalb der Gesundheitsbehörden ausgebaut worden ist und Früherkennung nun besser möglich sei. Infektionsketten würden schnell unterbrochen. Zudem weisen die meisten neu erfassten Covid-19-Patienten keine Symptome auf. 

Das sind die aktuellen Corona-Zahlen auf Mallorca

Die balearische Gesundheitsbehörde IB-Salut, die bei ihrer Zählung auch Hinweise auf Covid-19 durch andere Tests wie Antikörper-Analysen berücksichtigt und zudem von Covid-19 genesene Patienten mit einrechnet, die durch Folgeschäden weiter behandelt werden müssen, meldet derzeit 885 behandelte Patienten.

101 Patienten werden im Krankenhaus behandelt, zehn von ihnen auf der Intensiv-Station (einer davon auf Ibiza). Während auf Mallorca 96 Menschen im Krankenhaus behandelt werden (46 von ihnen nicht aus klinischen, sondern aus "sozialen" Gründen, etwa weil sie daheim nicht betreut werden können), befindet sich auf Menorca derzeit kein Patient wegen Covid-19 im Krankenhaus. Auf Ibiza werden fünf Menschen im Krankenhaus behandelt.

120 Mitarbeiter des Gesundheitssystems werden derzeit auf den Balearen wegen Corona-Verdacht überwacht, 22 (21 davon auf Mallorca) gehören zu den "aktiven Covid-19-Patienten".

Seit Ausbruch der Pandemie wurden auf den Balearen 3.158 Covid-19-Fälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle beträgt bislang insgesamt 230. Das letzte Todesopfer war am 19. Juli gemeldet worden.

Infektionsherde auf den Inseln

Zudem veröffentlichte das balearische Amt für Epidemiologie am Donnerstag (6.8.) die wöchentliche Statistik zu neuen Infektionsherden auf Mallorca und den Nachbarinseln. Demnach sind elf neue Infektionsherde in den vergangenen sieben Tagen dokumentiert worden, zehn davon auf Mallorca. Von einem Infektionsherd ist die Rede, wenn ein Infizierter mindestens zwei weitere Personen angesteckt hat. Bei den neuen Fällen wurden außer bei einem stets weniger als zehn Menschen positiv getestet. Insgesamt sind derzeit 23 aktive Infektionsherde auf den Balearen verzeichnet, die aber alle unter Kontrolle seien.

Ländervergleich

Während in Gesamt-Spanien in den vergangenen sieben Tagen (Stand: Donnerstag, 6.8.) 43,98 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner kamen, sind es laut der jüngsten, am Freitag vom Gesundheitsministerium in Madrid veröffentlichten Zählung auf den Balearen 39,3 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gewesen. 

Zum Vergleich: In Deutschland lag der Schnitt laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Freitag bei 6,1. Dabei ist zu beachten, dass in beiden Ländern die Abweichungen zum Durchschnitt je nach Region sehr hoch sind. Während im bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau in der vergangenen Woche 231,8 Neuinfektionen und im festlandspanischen Aragón 279,8 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner dokumentiert wurden, gibt es in beiden Ländern auch Gegenden, in denen gar keine oder kaum neue Infizierten gemeldet wurden.

Das deutsche Auswärtige Amt spricht Reisewarnungen für Regionen aus, in denen mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner kommen oder in denen die Infektionsherde nicht unter Kontrolle sind.

Das wird unternommen

Die balearische Landesregierung hatte im Kampf gegen Corona vergangene Woche bekannt gegeben, dass  ab sofort auf Privatveranstaltungen nicht mehr als 15 Personen (in geschlossenen Räumen) beziehungsweise 30 Personen (draußen) zusammenkommen dürfen, um so das Ansteckungsrisiko weiter einzudämmen.

Wie Corona-Sprecher Javier Arranz am Mittwoch (5.8.) bekannt gab, wolle man als nächstes gezielt die Saisonarbeiter unter die Lupe nehmen, die vom Festland nach Mallorca kommen, um in Hotels oder Restaurants zu arbeiten. Auch hier seien in den vergangenen Wochen mehrere Infektionsherde verzeichnet worden sein, da einige der "temporeros" aus stark betroffenen Regionen auf dem Festland stammen.

In der vergangenen Woche hatte das balearische Gesundheitsministerium zudem 50 neue Mitarbeiter eingestellt. Sie sollen die Vernetzung und Koordination der verschiedenen Bereiche der öffentlichen Verwaltung verbessern, als auch die Nachverfolgung der Infektionsketten analysieren, um weitere Ansteckungen schnellstmöglich zu unterbrechen.

Hintergrund: Wie man die Corona-Zahlen auf Mallorca richtig interpretiert


Quarantäne für britische Mallorca-Urlauber

Trotz der niedrigen Fallzahlen auf Mallorca und den Nachbarinseln hat die britische Regierung am Montag (27.7.) allen Briten davon abgeraten, auf das spanische Festland oder die Inseln zu reisen. Zuvor hatte der britische Premier Boris Johnson zahlreiche Urlauber kalt erwischt, als er eine zweiwöchige Quarantäne für alle Reiserückkehrer aus Spanien verordnete. Trotz der Bemühungen der Balearen-Regierung, Mallorca und die Nachbarinseln davon auszunehmen, blieb Johnson bei seinem Vorhaben. Eine Quarantäne für deutsche Urlauber ist aber nicht im Gespräch - zumal Mallorca weiterhin als sicheres Reiseziel gilt.

Die Schweiz veröffentlichte am Mittwoch (5.8.) eine Liste von Ländern und Regionen, aus denen Passagiere bei der Einreise in die Schweiz eine zehntägige Quarantäne absolvieren müssen. Obwohl Spanien auf der Liste steht, sind Mallorca und die übrigen Balearen-Inseln Menorca, Ibiza und Formentera sowie sämtliche Kanarischen Inseln von der Regelung ausgenommen.

Am 31. Juli wurde bekannt, dass zehn Urlauber aus Madrid in Peguera eine Quarantäne absolvieren,nachdem einer von ihnen positiv getestet worden war. In Portopetro (Gemeinde Santanyí) wurde am Tag zuvor zudem ein Infektionsherd in einem Hotel festgestellt. Hier waren Angaben des "Diario de Mallorca" zufolge mehrere Hotelmitarbeiter, aber keine Gäste betroffen. Die Betroffenen seien in separaten Gästezimmern unter Quarantäne gestellt worden.

Unklar blieb, wie der Fall einer vierköpfigen Familie aus Cottbus einzuschätzen ist, die nach Angaben der dortigen Stadtverwaltung vom 22. Juli nach einem Mallorca-Aufenthalt positiv getestet worden sei. Es konnte bislang nicht geklärt werden, ob sich die Familie während, nach oder sogar vor ihrem Mallorca-Aufenthalt angesteckt hat.

Robotergesteuerte Auswertung von Tests

Auf Hochtouren läuft inzwischen die robotergesteuerte Auswertung der PCR-Tests im Landeskrankenhaus Son Espases, wo fast bis zu 800 Proben gleichzeitig analysiert werden. Derzeit sind es laut Gesundheitsbehörde rund tausend am Tag, im Notfall reichten die Kapazitäten aber für bis zu 10.000. Man will vor allem gerüstet sein: Im Zuge der möglichst lückenlosen Nachverfolgung der Infektionsketten sind die Tests inzwischen auch für all diejenigen Personen vorgesehen, die engen Kontakt mit Infizierten hatten. 

Betreuung von Mallorca-Urlaubern

Sollten sich Urlauber mit dem Coronavirus anstecken, sollen sie vorwiegend in Privatkliniken versorgt werden. In Vorbereitung ist eine Handy-App, mit der direkt Kontakt zur Klinik aufgenommen werden kann. Ein Callcenter soll passgenaue Betreuung in der Sprache der Urlauber vermitteln - ein Angebot das vor allem für Gäste von Ferienwohnungen gedacht ist. Denn Hotelgäste können sich am einfachsten an die Rezeption wenden, wo alles weitere für sie organisiert wird. 

Die Betreuung in den Privatkliniken hat zum einen den Hintergrund, dass in den öffentlichen Krankenhäusern die Wartelisten für Eingriffe aller Art in Folge der Corona-Krise wieder länger geworden sind. Zum anderen mussten die Privatkliniken enorme finanzielle Einbußen einnehmen, da viele Standardbehandlungen wochenlang nur eingeschränkt möglich waren - die Betreuung der Urlauber ist deswegen eine bei den Privatkliniken willkommene Aufgabe. Die Kosten soll die Reisekrankenversicherung, bzw. die Landesregierung übernehmen.

"Wir arbeiten bei Corona eng mit den privaten Gesundheitsstellen zusammen", so eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde IB-Salut im Gespräch mit MZ. Ausländische Urlauber könnten sich bei begründetem Verdacht auf eine Ansteckung auch bei den örtlichen Gesundheitszentren melden, ohne dass Kosten auf sie zukämen.

Hintergrund: Wie kann ich auf Mallorca einen Corona-Test machen?

So läuft es bei der Einreise nach Mallorca

Bei ankommenden Passagieren auf dem Flughafen von Palma de Mallorca wird die Temperatur automatisch mit einer Wärmebildkamera gemessen. Ein Corona-Test wird erst im Verdachtsfall vorgenommen. 

Mallorca-Urlauber müssen sich vor der Einreise in Spanien registrieren. So ist jetzt vorgeschrieben, dass Flugreisende grundsätzlich ein Formular im Spain-Travel-Health-Portal zur Gesundheitskontrolle ausfüllen (www.spth.gob.es). Das Formular erzeugt einen QR-Code, der bei Einreise vorgelegt werden muss. Dies könne auch über die entsprechende, kostenlose App erfolgen, heißt es. Bis 31. Juli 2020 kann demnach auch weiterhin bei Einreise ein Papier-Formular ausgefüllt werden. Reiseanbieter wie Fluggesellschaften, Reedereien und Veranstalter müssen auf die Pflicht zur Vorlage des Dokuments bei Einreise hinweisen. 

Wer als Urlauber unter Quarantäne gestellt wird, kann diese in eigens dafür reservierten Ferienapartments in der Gemeinde Calvià verbringen. Dabei kann sich der unfreiwillige Aufenthalt hinziehen: Das Protokoll schreibt vor, dass Urlauber nicht abreisen dürfen, bevor nicht eine mögliche Infektion ausgestanden und die von den Gesundheitsbehörden verhängte Quarantäne absolviert ist.

Situation auf dem spanischem Festland

Auf Mallorca gibt es derzeit keinerlei regionalen Shutdown und keine Reisewarnung. Anders auf dem spanischen Festland: Hier ist vor allem Katalonien betroffen, besonders die Region Segrià. Ebenso wurde auch der Landkreis A Mariña in der galicischen Provinz Lugo Mitte Juli unter Quarantäne gestellt, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Auch in der Region Aragón sind am Montag (27.7.) die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden.

Das deutsche Auswärtige Amt rief am Freitag (31.7.) eine offizielle Reisewarnung für Tripps nach Katalonien, Arragón und Navarra aus. Touristen können ihren Urlaub nun kostenfrei stornieren. Für Mallorca, die Kanaren und andere spanische Regionen gibt es keine Reisewarnung.

In ganz Spanien sind aktuell 361 Infektionsherde mit rund 4.100 Fällen gemeldet worden. Wie das spanische Gesundheitsministerium bekannt gab, habe sich die Zahl der Infizierten im vergangenen Monat verdreifacht. Oft stünden die Ansteckungen in Zusammenhang mit Nachtlokalen und Diskotheken, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Deshalb planen viele Provinzen auf dem Festland nun ebenso harte Auflagen für Discos, wie sie auf den Balearen bereits gelten. Positiv zu bewerten sei, dass das Gesundheitssystem nicht wie im März kurz vor dem Kollaps stehe, da rund die Hälfte der Fälle asymptomatisch sei. Dass die Zahlen nach Ende des Alarmzustands wieder ansteigen sei "erwartbar" gewesen, so ein Ministeriumssprecher.

Hintergrund: Wie man die Corona-Zahlen richtig interpretiert

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