23. Januar 2021
23.01.2021
Mallorca Zeitung

"Jeder sollte sich impfen lassen"

Federico Sbert, ärztlicher Leiter der Clínica Rotger in Palma, über die nachvollziehbaren Bedenken gegen die Corona-Impfung und gute Gründe, sich dennoch damit gegen Covid-19 zu wappnen

23.01.2021 | 01:00
Federico Sbert ist der ärztliche Leiter der Clínica Rotger in Palma.

Wie auch in Deutschland schreitet die Impfkampagne auf Mallorca vor allem wegen der begrenzten Zahl an Impfdosen langsamer als erhofft voran. Immerhin: Am 13. Januar ist die campaña de vacunación auch bei Mitarbeitern des Gesundheitssystems angelaufen und in Mallorcas Seniorenheime haben einige Bewohner schon die zweite Dosis bekommen. Viele bleiben dabei skeptisch. Umso wichtiger sei es, gut zu kommunizieren, wie sicher die Impfung ist und welche positiven Auswirkungen sie hat, sagt Federico Sbert (53), ärztlicher Leiter der Privatklinik Rotger.

Wer sollte sich impfen lassen?
Jeder sollte sich impfen lassen. Das wäre ideal, ist aber nur schwer zu erreichen. Damit die Impfung eine Wirkung hat, müssen sich mindestens 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Nur dann können wir von Herdenimmunität sprechen. Und nur wenn es mehr geimpfte Menschen gibt als nicht geimpfte, kann die Übertragung unterbrochen werden. Und das auch nur, wenn sich in jedem Land so viele Menschen wie möglich immunisieren lassen. Erst dann sind wir trotz grenzüberschreitender Reisen geschützt.

Gibt es Personen, für die die Impfung gefährlich sein kann?
Wer an Allergien, etwa gegen bestimmte Lebensmittel, leidet, sollte vorher in jedem Fall seinen Arzt konsultieren. Bei einigen Allergikern hat sich gezeigt, dass die Corona-Impfungen kontraindiziert sein können, da sie allergische Reaktionen hervorgerufen haben. In diesen Fällen muss man abwägen, ob die Impfung einen Mehrwert hat. Aber das sind die einzig bekannten Fälle, bei denen Personen nicht explizit zu einer Impfung geraten wird. Ansonsten ist die Impfung sicher.

Wann sollte man sich nicht impfen lassen? Schlägt die Impfung auch bei Personen an, die bereits an Covid-19 erkrankt sind?
Die hier verwendeten Impfstoffe sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Obwohl jemand die Erkrankung schon hatte, immun ist oder sie gerade hat und keine Symptome hat, kann er sich impfen lassen. Wer Beschwerden hat, sollte zu allererst abklären, ob er an Covid-19 erkrankt ist, schon um die Gesundheitsprotokolle einzuhalten. Bei Fieber etwa sollte man nach dem PCR-Test noch einige Tage warten. Die Covid-19-Impfungen zeigen bisher zwar kaum Nebenwirkungen, können aber gelegentlich ebenfalls zu leichtem Fieber oder Unwohlsein führen. Um die Symptome nicht zu vermischen, ist es daher besser, sich in gesundem Zustand impfen zu lassen.

Welche Nebenwirkungen können neben den genannten auftreten?
Leichte Reaktionen wie bei jeder anderen Impfung auch: beispielsweise Irritationen an der Einstichstelle oder Kopf- oder Muskelschmerzen. Normalerweise nehmen diese Symptome nach 24 bis 48 Stunden wieder ab. Man kann auch ein Anti-Entzündungsmittel gegen sie nehmen.

Schützt die Impfung den Geimpften zu 100 Prozent vor Covid-19?
Einen hundertprozentigen Schutz würde ich ihr nicht zusprechen. Sie sorgt für die Bildung von Antikörpern, mithilfe derer der Organismus des Geimpften gegen das Virus kämpfen und die Krankheit abwehren kann. Je nachdem, wie stark die Immunisierung ist, sind die Geimpften über einen längeren oder kürzeren Zeitraum geschützt. Wie lange genau, wissen wir derzeit noch nicht. Die Studien sind alle noch sehr neu. Vermutlich hält der Schutz etwa neun bis zehn Monate an.

Viele Menschen sind derzeit noch unsicher über die Wirkung und eventuelle Nebenwirkungen und wollen daher erst noch etwas warten. Ist das für Sie nachvollziehbar?
Es ist nachvollziehbar, dass die Leute Vorbehalte haben. Schließlich sind die Corona-Impfstoffe in Rekordzeit entwickelt worden. Normalerweise dauert es mindestens vier Jahre, bis ein Impfstoff auf den Markt kommt. In diesem Fall ging das so schnell, weil man diese Impfung sowohl in der Forschung als auch bei den Zulassungsstellen priorisiert hat. Statt auf Fake News sollte man auf offizielle, seriöse Informationen wie die des Gesundheitsministeriums vertrauen. Außer bei den bereits erwähnten Allergikern hat es bisher keine
großen Probleme gegeben. Sobald ich an der Reihe bin, werde ich mich in jedem Fall impfen lassen. Und die Vorbehalte werden weniger, je mehr Leute dies erfolgreich tun.

Wo bekommt man hier die Impfung?
Derzeit nur über das öffentliche Gesundheitssystem. Auch jedem deutschen Residenten mit einer tarjeta sanitaria, der hiesigen Gesundheitskarte, ist ja nach seinem Wohnort eines der centros de salud zugeordnet. Dort können sie sich informieren, wann sie dran sind. Zunächst sind Bewohner und Mitarbeiter von Senioren- und Pflegeheimen, Gesundheitspersonal sowie Menschen in häuslicher Pflege an der Reihe. In den privaten Kliniken sind wir zwar darauf vorbereitet, auch gegen Covid-19 impfen zu können, mit entsprechendem Personal und Räumen. Derzeit haben wir aber noch keine Anordnung erhalten, dass wir das öffentliche System unterstützen sollen. Ich hoffe, dass wir es bald tun können, denn so können wir zusammen möglichst schnell einen Großteil der Bevölkerung impfen.

Entstehen für die Patienten Kosten?
Die Impfung ist Teil der Impfkampagne des öffentlichen Gesundheitssystems und kostenlos.

Sind Sie für eine Impfpflicht?
Wenn man Menschen versucht, zu etwas zu zwingen, erreicht man meist die gegenteilige Reaktion. Ich denke, es ist gut, dass die Impfung auch in Spanien, sofern sich die Lage nicht stark verschlechtert, freiwillig bleibt. Für die Entscheidungsfindung einiger Menschen ist es wichtig, dass man gut kommuniziert, wie sicher die Impfung ist und welche positiven Auswirkungen sie für einen selbst und die Bevölkerung haben kann.

Könnte das Reisen per Impfpass künftig leichter gehen?
Ich hoffe, es gibt für alle Geimpften eine Art Impfpass oder ein Zertifikat mit Datum. Mit dem könnten sie dann zeigen, dass sie das Virus nicht weiter verbreiten werden. Derzeit werden noch PCR-Tests gefordert. In ein paar Monaten reicht vermutlich ein solcher Pass.

Eine Art Impfpass

Auf einem Kärtchen des balearischen Gesundheitsministeriums werden der Name des Geimpften, der des Impfstoffs, die Chargen-Nummer und das Datum der Impfungen vermerkt. Auch was bei Nebenwirkungen zu tun ist, steht darauf. Rund sieben Tage nach dem zweiten Impftermin sind die meisten Patienten immun. 

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