23. Februar 2021
23.02.2021
Mallorca Zeitung

Debatte um Mallorca-Urlaub nur noch mit Impfpass nimmt Fahrt auf

Die spanische Tourismusministerin sieht ihn als Garant für eine "sichere Mobilität", der Arzt Miquel Munar glaubt an die Einführung im Sommer

23.02.2021 | 13:14
Diese ältere Dame aus Baden-Württemberg muss sich keine Gedanken mehr um die Debatte machen: Sie ist bereits geimpft.

Ist die Zeit schon reif für einen Corona-Impfpass? Ein Heftchen oder ein Code auf dem Handy, den man vorlegen muss, um etwa das Flugzeug nach Mallorca zu besteigen? Immer mehr Länder preschen dieser Tage vor und stellen Erleichterungen für Geimpfte in Aussicht. In Israel etwa, wo bereits ein gutes Drittel der Bevölkerung geimpft ist, können diese Menschen dank eines "Grünen Passes" auf dem Smartphone wieder Theater, Hotels oder Fitness-Center besuchen. Mit Griechenland ist vereinbart, dass Geimpfte zwischen beiden Ländern ohne Auflagen reisen dürfen. Erleichterungen gibt es auch anderswo: Auf der portugiesischen Insel Madeira bei Urlaubern der Corona-Test, wenn sie bereits doppelt geimpft sind. Auch Island verzichtet bei geimpften Urlaubern auf den negativen Corona-Test. Und auf den Seychellen spart sich immerhin die Quarantäne, wer bereits doppelt geimpft ist.

Teil der "sicheren Luftkorridore"

In Spanien und auf Mallorca gibt es bis dato noch wenig Konkretes in dieser Hinsicht. Aber einige Ideen und Absichtserklärungen. Zum einen hat die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol am Freitag (19.2.) in Madrid vorgesprochen und die Inseln bei der Zentralregierung für ein Pilotprojekt vorgeschlagen. Die Balearen sollten spanienweit das erste Reiseziel sein, in das Urlauber nur noch geimpft einreisen dürfen.

Spanien hatte bereits mehrfach erklärt, dass ein Impfpass eine geeignete Möglichkeit sei, den Tourismus wieder zu starten. Die spanische Tourismusministerin Reyes Maroto sprach am Montag (22.1.) davon, den Impfpass als "Element einer sicheren Mobilität" in ein Projekt für sichere Luftkorridore aufzunehmen. Man arbeite als Staat, aber auch gemeinsam mit der EU und der OECD an einer gemeinsamen Lösung.

40 bis 50 Prozent im Sommer geimpft?

Der Arzt Miquel Munar, der sich auf Mallorca für eine Beschleunigung der Impfkampagne einsetzt, rechnet damit, dass der Impfpass noch in diesem Sommer kommen wird. "Ich habe das Gefühl, dass die Politik das umsetzen wird. Das ist das, was ich in Treffen von Politikern mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vertretern mitbekommen habe", sagt Munar der MZ. Das Thema werde derzeit genauer definiert, Unternehmer, Gewerkschaften und andere Lobby-Gruppierungen seien sich einig, dass der Neustart des Tourismus nur über einen Impfpass führen könne.

Munar rechnet damit, dass es zu Beginn des Sommers so weit sein könnte, dass dann nur noch geimpfte Urlauber nach Spanien und Mallorca einreisen können. "Und das wäre dann auch nicht ungerecht anderen gegenüber, denn machen wir uns nichts vor: Auch wenn es zurzeit nicht danach aussieht, aber Ende Mai werden in Deutschland 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Mit ähnlichen Werten rechne ich hier auch."

In Großbritannien sieht es derzeit aufgrund einer rascheren Impfkampagne so aus, dass dieser Prozentsatz bereits früher erreicht werden kann. Ab Juni oder spätestens Juli sei dann eine Herdenimmunität erreicht, so dass den meisten Menschen eine Reise nach Mallorca als Option offenstehe.

Juristische Bedenken

Noch unklar ist, ob staatliche Regelungen, nach denen nur noch geimpfte Personen reisen dürfen, juristisch durchsetzbar sind. Vor allem zu Zeiten, in denen noch nicht jeder die Möglichkeit hatte, sich impfen zu lassen. Erschwerend kommt zusätzlich hinzu, dass bislang nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass geimpfte Menschen tatsächlich nicht mehr ansteckend sind. Außerdem gibt es zahlreiche Menschen, die sich aufgrund gesundheitlicher Bedenken nicht impfen lassen sollten. Was in diesen Fällen passiert, ist unklar. Alternativ könnte von ihnen ein negativer PCR-Test verlangt werden. 

In der Privatwirtschaft hat der Reiseveranstalter Alltours bereits angekündigt, voraussichtlich ab 31. Oktober in den konzerneigenen Allsun-Hotels unter anderem auf Mallorca nur noch geimpfte Urlauber zuzulassen. Der Stichtag hänge allerdings noch vom weiteren Verlauf der Impfkampagne ab, erklärte das Unternehmen am Freitag (19.2.). Weitere Reiseveranstalter denken derzeit laut einem Bericht des "Spiegel" noch nicht über einen Impfpass als Bedingung für eine Reise nach.

Ablehnung im Netz

Auf der Website der MZ sprechen sich Leser bereits gegen eine faktische Impfpflicht für einen Mallorca-Urlaub aus. Ein User schreibt: "Tja, das wird dann wohl Mallorca nicht überleben. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. Dann wird es in Zukunft andere Reiseziele der Deutschen geben. Zu differenzieren, ob geimpft oder nicht ist der völlig falsche Ansatz. Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Und ein anderer gibt zu bedenken: "Wenn es einen Impfpass geben soll, dann sollte es auch die Möglichkeit geben, dass alle geimpft werden (...). Wenn ein Hotel nur Reisende mit Impfpass als Kunden nimmt, werden wohl viele Zimmer leer bleiben."

Einen Überblick über alle MZ-Artikel zum Thema Coronavirus auf Mallorca finden Sie unter diesem Link.

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