31. Mai 2021
31.05.2021
Mallorca Zeitung

Deutscher Corona-Arzt auf Mallorca zockt nun mit Antigentests ab

Michael E. Rösel wird vorgeworfen, falsche Covid-Zertifikate ausgestellt zu haben. Die Polizei ermittelt. Doch der Allgemeinmediziner bietet weiter Tests an - für das Doppelte des erlaubten Preises

31.05.2021 | 12:20
Hier empfängt der Allgemeinmediziner Michael E. Rösel: das Medizin Centrum Santanyí.

Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass die Polizei wegen schwerer Verstöße in ihrem Job gegen Sie ermittelt und in letzter Konsequenz sogar ein Berufsverbot drohen könnte? Sich erst einmal bedeckt halten und bei Rot nicht über die Ampel gehen?

Michael E. Rösel, der deutsche Arzt auf Mallorca, der laut Aussage von mehreren Zeugen einen überaus laxen Umgang mit Corona-Tests und -Zertifikaten pflegt, stellt eher auf Durchzug.

Wie die MZ am Freitag (28.5.) bestätigen konnte, bietet der Allgemeinmediziner der Gemeinschaftspraxis Medizin Centrum Santanyí die für die Einreise nach Deutschland benötigten Antigentests weiterhin für 60 Euro an - das Doppelte des erlaubten Preises. Dabei gilt seit dem 9. Mai auf Mallorca und den Nachbarinseln eine von der Balearen-Regierung verordnete Preisdeckelung, um die für Urlauber anfallenden Kosten in Grenzen zu halten.

Demnach dürfen Antigentests nicht mehr als 30 und PCR-Tests nicht mehr als 75 Euro kosten. Wenn auch murrend, halten sich die meisten der deutschen Arztpraxen und Kliniken auf der Insel an diese Vorgabe. Wem die 30 Euro als Anbieter zu wenig sind, hat die Möglichkeit, auf das Nebengeschäft der Antigentests zu verzichten – die Ärzte sind nicht dazu verpflichtet.

Laufend aktualisiert: die Liste der Testmöglichkeiten auf Mallorca

Bei Michael E. Rösel in Santanyí kostet der Antigentest hingegen weiterhin 60 Euro. „Am vergangenen Montag wollte ich so wie mehrere Freunde einen Antigen-Schnelltest machen, der laut Gesetz 30 Euro kosten sollte", berichtet ein MZ-Leser. „Auf Nachfrage in der Praxis sagte Dr. Rösel '60 Euro kostet der Test'." Eine Frau im Wartezimmer wies den Mitte-50-Jährigen auf die Preisdeckelung hin. "Die Antwort des Arztes war, dass man dann doch einfach nach Cala d'Or fahren sollte, wenn einem seine Preise nicht passen", so der MZ-Leser.

Bei den spanischen Gesetzen „mache er nicht mit", soll Rösel weiterhin gesagt haben. Die etwa fünf im Wartezimmer anwesenden Personen seien entsetzt gewesen, berichtet der Leser, „doch da viele unter Zeitdruck waren, um mit dem Test zu fliegen, sind nur wir wieder gegangen".

Auch einer von einer deutschen Handynummer aus anrufende Redakteurin, die sich nicht als Mitarbeiterin der Mallorca Zeitung identifizierte, nannte Rösel den Preis von 60 Euro. Eine Terminvereinbarung sei nicht nötig, sie könne gleich vorbeikommen, so der Arzt.

Die Gelegenheit zu einer Stellungnahme gegenüber der Mallorca Zeitung schlug Rösel sowohl per Telefon – er legte einfach auf - als auch per SMS aus.

Rösel war erstmals Anfang April wegen seines offenbar sehr laxen Umgangs mit Corona-Zertifikaten in den Schlagzeilen. Er soll ohne Tests Zertifikate ausgestellt, Antigentest als PCR-Tests ausgegeben, Zertifikate falsch datiert und gegen Bezahlung ungeprüft Atteste zur Befreiung von Atemschutzmasken ausgestellt haben. Dafür gibt es mehrere Zeugen, unter anderen einen RTL-Reporter, der ihn mit versteckter Kamera, aber ohne Ton bei der Ausstellung eines offenbar falschen Corona-Zertifikats filmte.

Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Nach der Berichterstattung in den Medien nahm die spanische Polizei Ermittlungen auf. Sie sind nach MZ-Informationen noch nicht abgeschlossen. Die balearische Ärztekammer will das Ermittlungsergebnis abwarten, um über ein eventuelles Sanktionsverfahren zu entscheiden, das bis zum Berufsverbot reichen kann.

Rösel ist 2008 mit Frau und drei Kindern von Oberbayern nach Mallorca ausgewandert. Auslöser war, wie in einem Interview mit der „Schrobenhausener Zeitung" nachzulesen, sein Ärger über das deutsche Kassensystem. Auch auf Mallorca wird der ansonsten als kompetent geltende Arzt als der Typ Mensch beschrieben, der „immer Kontra gibt."

Zumindest einer der beiden weiteren Ärzte des Medicin Zentrums Santanyí hat sich öffentlich von ihm distanziert. Man teile sich nur die Räumlichkeiten und habe ansonsten nichts miteinander zu tun. Allerdings wiegelte auch dieser Arzt, ein Orthopäde, auf den Protest des MZ-Lesers ab: "Sie können das doch akzeptieren oder ablehnen - es gibt doch so viele Stellen, wo man sich testen lassen kann."

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